verwahrlost ſind und ſich nur ſehr langſam entwickeln ſaſſen. Hat
der Lehrer gethan, was er zu thun vermag, um das Akerland zu
bearbeiten, auf dem er ſeinen Samen -aunszuſireuen gedenkt, ſo darf
er ruhig den Erfolg abwarten, und hat nicht Urſade, irgend ein
Kind auſzugeben , weil es etwa im erſten Jahre ſeines Schulbeſu-
ces nur wenig oder nichts leiſtete, bejondets: wenn die Zahl der
Schütter ſo groß iſt, daß ſie es ihm unmöglich macht, auf jeden
Einzelnen ſeine beſondere Aufmerkſamkeit und Sorgſalt zu verwen-
den, oder ihm eine eigene Nachhülfe zukommen zu laſſen. An eis?
nem ſolchen Kinde würde er ſich aber ſehr verſündigen, wenn er die
in ihm ſchlummernde Kraft nicht anregen und ihm die ndthige Thäe
tigkeit verweigern wollte. Man kann es kaum glauben , wie lange
eine verkehrte Behandlung bei der erſten Erziehung einem Kinde
nachgeht, und es für den Unterricht unempfänglich zu machen jcheint,
bis es endlich durch des Lehrers ununterbrochene Anregungen aus
ſeinem Geiſtesſchlummer aufwacht, So nimmt auc) manchmal die
Unfähigkeit den Schein des böſen Willens an, und mancher Lehrer
beſinnt ſich nicht lange , unfähige Kinder ſür faul und mckiſch zu
erklären , ohne ſie vorerſt eine Zeitlang ruhig und gelaſſen betrach
tet zu haben. Er fußet ſich darauf : Das Kind lernt die Buchſta-
ben nicht, oder es will keine Antwort von ſich geben 26. Allein we-
der das Eine, noch das Andere iſt ſtichhaltig. Denn ein Kind ant-
wortet dfters aus dem Grunde nicht, und kann auch nicht antwor-
ten, weil der Lehrer unbeſtimmt und ſchlecht gefragt, oder weil er-/
es durch ſeinen barſchen Ton eingeſchüchtert oder ihm zu wenig Zeit
gelaſſen hat, ſich gehdrig zu beſinnen, oder weil jein Gedäctniß der
Art iſt, daßi es noch gar nichts auffaßt und behält. == Eben jo wes
nig weiſet das Nichtauſfaſſen der verſchiedenen Tonzeichen die Unfäs-
higkeit eines Kindes nach, vielmehr möchte dieſe dem Lehrer zuge?
muthet werden dürfen. In dieſer Beziehung ſagt Wilmſen:
„Mödödhten die Lehrer, die ſich darüber ärgern, wenn manche Kinder
die Buchſtaben nicht kennen lernen, mit ſich ſelbſt einen Verjuch
machen, ob es denn ſelbſt für Genbte etwas ſo ganz Leichtes ſey,
die Charaktere eines fremden Alphabets aufzufaſſen 3; möchten ſie es
mit dem arabiſchen Alphabet an ſich ſelbſt verſuchen , und ſie würz
den billiger gegen Kinder werden. Denn wer verlangt, daß das
Kind, welches zum erſten Male in die Schule kommt und gleich vor
die Buchſtabentafel geſtellt wird, mit ſeiner nod) ganz ungeübten
Auffaſſungskraft dieſe Zeichen , denen in der Sinnenwelt gar nichts
ähnlich iſt, in wenigen Stunden auſſaſſen ſoll, der hat ſelbj|t noch:
nicht das Abc, nämlich das Abc des methodiſchen Unterrichts ge?
lernt.
Unfall. (was Schaden und Gefahr droht.) Was wir über
dieſen Gegenttand zu ſagen haben, gehdrt eigentlich mehr in den.
Kreis der häuslichen als der dſſentlichen - oder Sculerziehung; dod)
muß auch für den Lehrer die Regel ihre Geltung behalten : „Man
mache nicht zu viel aus einem Unfalle, der einem Kinde zuſtdjit,
aus einem Uebelfinden, von dem es betrvoſſen wird, ſondern ergreife
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