23 Unfleiß == Unfolgſamkeit.
vielmehr ruhig und gelaſſen die in jedem einzelnen Falle zweckdien-
lich ſcheinenden Mittel,““ Die Kinder müßen aus dem ganzen Be-
nehmen des Lehrers abnehmen, daß der Unfall, das Uebelbefinden 2c
nur etwas Gewöhnliches ſey, was einem Jeden leicht begegnen
könne. Iſt der Lehrer dabei ängſtlich und erſchrocken, ſo theilt ſich
ſeine Aengſilichkeit und ſein Schreck der ganzen Schule mit, und
leitet das Urtheil der Kinder irre, einige ausgenommen , die ſchon
ähnliches erfahren haben, und ſonal) wiſſen, daß die Sache eben
ſo ſchlimm nicht ſey, und man nicht Urfache habe, deßhalb zu er-
ſchreken, Das ſicherſte Mittel gegen eine ſolche ängſtliche Beſorg:
niß iſt der der Seele tief eingeprägte Gedanke: Sc und Angſt
hilft zu nichts, wirkt vielmehr nur nachtheilig auf die Kinder , da-
gegen iſt rUuhige Ueberlegung nöthig und heilſam wirkend. Wir ſe-
ken den Fall, ein Kind habe ſich in den Finger geſchnitten oder den
Kopf angerannt und blute, ſo wird der Lehrer am beſten thun, wenn
er ganz ruhig zu einem andern ſagt: N. gehe und hole etwas fri-
ſches Waſſer , wir wollen das Blut abwaſchen, und es wird dann
Alles wieder rec nicht wohl. Der Pehrer ſage ihm : gehe in die friſche Luſt, und es
wird dann wieder beſſer werden u. ſf. w. Dadurch lernen die Kin-
der ſelbſt eigene und fremde Unfälle ruhig betrachten , gehdrig beur-
theilen und wohl auch die zweckdienlichen Mittel anwenden, (1. Moſ.
42 , 38. JIſai. 3, 6.)
Unfleiß. (S. Art. Trägheit.)
Unfolgſamkeit iſt der Gegenjaß von Gehorſam und ein
Hauptverſtoß gegen denſelben, Im weitern Sinne iſt jede Sünde
eine Unfolgſamkeit ; hier reden wir aber nur von einer ſolchen Un-
folgſamkeit, welche der Schäler unmittelbar gegen den Lehrer bewei-
ſet. Die Unfolgſamkeit in dieſem Sinne offenbart ſich als Nachlä-
vigkeit im Vollziehen deſſen, was zu thun befohlen wird, als Wi-
derſpruchsgeiſt, als Eigenſinn, Troß und Widerſeklichkeit. Die Quel:
len, aus welchen die Unfolgſamkeit entſpringt, ſind verſchieden , als
a) mangelhafte Einſicht, bb) verſchrobener Wille, ec) falſcher Ehrtrieb,
d) verkehrtes Streben nach Selbſtſtändigkeit, €) beſonders aber die
geringe Gewöhnung an Folgſamkeit in den meiſten häuslichen Krei-
ſen. Der Lehrer hat bei der Behandlung unfolgſamer Kinder im-
mer eine eigene Stellung, er erſcheint denſelben leicht als Parthei
und Richter, weil ſie die Perſon des Lehrers von dem Sittengeſeke
nicht unterſcheiden. Der Lehrer hat ſich daher bei der Unfolgſam-
keit eines Schülers ganz beſonders ruhig und gelaſſen zu verhalten,
er hat ſich na< Harniſch, wie ein Arzt gegen einen Raſenden, mild
und ernſt zu benehmen, aber in dem Stücke, wo das Kind gehor-
hen ſoll, um Nichts nachzugeben. Eine in ſol wandte Nachſicht, die man bei den viel beſehlenden und nichts durche
jeßkenden Müttern ſo oft findet, iſt die eigentliche Schule des Un-
gehorſams. „,Der Wille muß gebrochen werden „“' ſagten die Alten,
und wenn man darunter eine Beharrlichkeit in Erreichung des Ge-
horſams verſteht, ſo hatten ſie wohl ganz recht. Dieſe Willens-

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