Unfreundlichkeit, = 88
brechung wird jedoch nicht dadurch erreicht, daß man ohne Weiters
auf den Schüler einſchlägt, jondern es iſt ihm eine gewiſſe Zeit
einzuräumen , damit er zur Beſonnenheit komme, und nur dann iſt
eine Strafe anzuwenden, wenn derlei Maaßnahmen und Verfü-
gungen fruchtlos ſind. =- Manche ſchlagen ein anderes Mittel vor
und ſagen: man ſolle ſtdrrige und halsſtarrige Kinder von der
Schule ausſchließen 3 allein dieſe Maaßregel iſt bei einer Volksſchule
auf dauernde Zeit eben ſo wenig anwendbar , als ſie bei der Kirche
anzuwenden iſt, Nar auf gewiſſe Zeiten kann ein ſolches Ausſchlie-
ßen ſtattfinden, und ſelbſt da dürfte es von geringem Nußen ſeyn.
Manchem Ausgeſchloſſenen würde eine ſo ſchöne Mußezeit ſogar ans
genehm und erfreulich ſeyn. Es wird ſchwerlic<) einen Fall geben,
wo die Schule den äußern Gehorjam nicht zu erreichen im Stande
wäre, und nur ſelten dürfte ſie ſich in die Nothwendigkeit verſecht
ſehen , ihre Zuflucht zur bürgerlichen Strafgewalt zu nehmen, wenn
ihr anders die Eltern hierinfalls die Hände bieten. Aber in ganz
außerordentlichen Fällen kann ſie es auch, und mag dann den Sch
ler jo lange der bürgerlichen Correction überlaſſen, bis er ſich in
die Ordnung der Schule fügt. Die Schule darf ſich aber nie mit
der Erreichung des dußern Gehorſams begnügen , ſondern ſie muß,
als nicht bloß die Störrigen zu den Ungehorſamen rechnen ; auch diejt:
nigen, welche auf klügliche Art die Schulgeſeke umgehen, und ihrs
Liſtigkeit vor den Augen des Lehrers zu verbergen ſuchen, müßen zu
dieſer Claſſe gezählt werden. Am beſten wird der Lehrer den Unge:
horſam aus ſeiner Schule verbannen, wenn er durch Liebe das Vers
trauen der Kinder zu gewinnen weiß; wenn er überall im Namen
Gottes gebietet und verbietet; wenn er den Ungehorſamen mehr bea
mitleidet, als haßt; wenn es den Schülern bemerkbar wird, daß
er den tiefen Ernſt und die unnachſichtliche Strenge, die er gegen
die Schuldigen beweist, um des Gewiſſens wegen anwendet ,. daß
er mitleidet mit dem, den er beſtraft, und daß er Seelen Äauv -vet*?
wundet, um zu heilen. (Zer. 2, 19. 5, 32, Hebt. 2, 2+- Iſai,
65, 3. 1. Tim. 1, 9.) S. auc Unfreundlichkeit. Der Kinder nie unfreundlich und verdroſſen , liebevoll nimmt er ſich ei:
nes jeden ann; beſonders aber ſind es die Geiſtesſhwachen, denen
er liebend entgegenkommt und ihnen Nachhälfe gewährt, deren Ae
bedürfen. Solche Kinder können unmöglich mit andern gleichen
Schritt halten, und ſollen doch nicht zurückbleiben. Durch ein une
freundliches Benehmen würden ſolhe Kinder nur abgeſchre>t und
zurügeſchloſſen werden. Deßhalb tritt der Lehrer nie mit einer
unfreundlichen und verzogenen Miene zu ihnen hin, und behandelt
keines derſelben auf eine ihren Muth niederſchlagende Weiſe. Er
macht ſich ihnen ſo faßlich, wie möglich und leitet ſie an ſeitter
Hand unverdroſſen fort auf dem Wege des Fleißes. Er ſchenkt ihr
nen lieber nach der Schule noch eine beſondere Viertelſtunde, um ſie
weiter zu fördern , und ſich um ſie verdient zu machen. Freundlich

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