Ungehorſam. 87
Dieß muß in der Tiefe unzerer Kinder haficn und ſie bur ihr ganz
zes Leben begleiten, (1. Petr. 4, 109. Gal. b, 10.)
Ungehorſam. So wie ſich der Gehorſam als ſchöne kind-
liche Tugend in mancherlei Geſtalten bei den verſchiedenen Verhält-
niſſen des Lebens kund giebt ; ſo zeigt ſich auch) das Gegentheil da-
von, der Ungehorſam als ein ſittliches Gebrechen in eben jo man?
nigfaltigen Geſtalten und erhält daher auc) nach denſelben verſchie:
dene Benennungen. Dieſer iſt die Schlange, welche die Unſchuld
des Paradieſes vergiftete, und ewig erneut und verjängt noh jeßt
ihr Gift über den Erdboden verbreitet. Cs muß daher Eltern und
Erziehern unendlich viel daran gelegen ſeytt, frühe ſchon das Gegens
gift in die Herzen der Kinder zu flößen. Allein gerade dieje ſind
es, welche den Kindern ſelbſt Veranlaſſung zum Ungehorjam geben,
und dieß darum, weil ſie vom rechten Gehorſam eigentlic) nicht ein?
+.
mal einen rechten Begriff haben. Sie ſehen, jagt Handel in ſeis
ner Seelenlehre (S. 634) darin bloß etwas, das aus ihrer eltexlt»
auf, von denen ſich kein vernünftiger Grund abſehen läßt, fordern
von ihm Entſagungen, vei denen ſie keine andere Abſicht haben,
als das Kind ihr elterliches Anſehen recht lebhaft fühlen zu laſſen.
Sie wollen und bilden eine reine Gehor lenskraft, ohne freien Entſchluß, das Kind lernt nie einſehen ,
warum es gehorc laſſen ſoll, und ſobatd die treibende Kraft von auſſen nachläßt, hört
auch ſein Gehor mung fehlt. Andere unterjagen gleichzültige Handlungen , unſchul-
dige und gefahrloſe Beſchäftigungen und Vergnügungen, und übers
ſehen das wirkli) Unerlaubte, Unſittliche und Pflichtwidrige 3 -det
Gehorſam bleibt ohne feſte ſittliche Richtung oder et verwandelt ſich
beim zunehmenden Erwachen der kindlichen: Vernunft in inneres
und dußeres Widerſtreben. . Andere befehlen oder verbieten, und: ſes
ben es nicht durch, oder ſie erlauben morgen, was ſie heute untet»
ſagten, und legen es geradezu darauf at, das Kind ungehorjam zu
machen. Dadurch) wird, wo möglich , aller Boden weggeräumt, auf
dem ein ſittlicher Charakter wurzeln kdnunte. = Der Ungehorfam
der Kinder iſt zwar zunächſt eine Aeußerung der angebornen Will-
kähr, des natürlichen Unvermögens, ſich ſelbſt dem Geſeke gemäß
zu beſtimmen, des Mangels an harmoniſcher Vernunftthätigkeit>
und er wird ſicher und entſcheidend nur dann überwunden, wenn
man ihn in dieſer ſeiner Wurzel angreift. Allein wie ſich dieſe zn
verſchiedenen Naturen ſehr verſchieden geſtaltet und kundgiebt ; : ſo
hat er ſelbſt auch mancherlei innere und äußere Bedingungen, von
deren Erkenntniß und zweckmäßiger Behandlung die Heilung abhän"
gig iſt. Die äußern, in den Lebeneverhältniſſen der Eltern und
Kinder ſelbſt begründeten Bedingungen ſind oft ſchwer, doh bei ans
haltender Wachſamkeit und bei beſtändiger Richtung auf das Eine
Nothwendige meiſt leichter zu beſeitigen, als die innete. Zu dieſen

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