88 Ungehorſam,
gehört a) der Mangel an Aufmerkſamkeit, welcher oft die vornehmſte
Quelle des Ungehorſams, wenigſtens bei übrigens unverdorbenen
Kindern iſt; b) die unſtäte Flüchtigkeit und der Leichtſinn, mit
Muthwillen gepaart; c) die Gewalt unbeherrſchter Neigungen; d)
das Nichtgewohntſeyn ſich ſelber etwas zu verſagen und ſich ſelbſt
zu überwinden, und endlich e) der Eigenſinn, ſo wie Luſt au ein
gebildeter Selbſtſtändigkeit, Nebſt der Bekämpfung des Grundübels
muß daher auch auf ſehr verſchiedenen den beſondern Bedingungen
entſprechenden Wegen dem Ungehorſam ſelbſt entgegengearbeitet wer?
den, feineswegs bloß durd) Strafen, ſondern auch und beſonders
durch Uebungen in allem dem, was den Gehorſam unterſtüßt und
erleichtert. Dieß geſchieht nun vorderſamſt durch Aufmerkſamkeit
und Beſonnenheit, durch Selbſtbeherrſc durch Ehrfurcht gegen das heilige Geſeß. Der Eigenwille muß ge»
hrochen, d. i. in ſeiner willkäührlichen Aeußerung beſchränkt und dem
Geſeke unterworfen werden, jedod) jo, daß dadurch die zum Guten
unentbehrliche Willenskraft felbſt nicht gelähmt werde, Man iſt it
rig daran, wenn man glaubt, das Kind ſolle keinen eigenen Wil-
ſen haben; denn alle Tugend hängt ja doch von der Kraft des eige:
nen Willens, der freien Selbſtbeſtimmung ab, er ſoll nur nicht ei-
genwillig ſeyn, d. h,. nicht nach eigener Neigung und Willkähr, jon-
dern nach dem Bewußtſeyn eines höhern Willens, und ſich nach die-
fem beſämmen. Der Eigenwiſlle, der erſt durch die Richtung, die
er nimmt, gut oder böſe wird, unterſcheidet ſich von dem Eigen-
ſinne dadurch , daß dieſer ſchon an ſich eine krankhafte Verſtimmung
des Gemüths , ein hartnäckiges Beharren in der Eigenwilligkeit iſt,
und alſo unmittelbar bekämpft werden muß, wobei aber immer aud)
die Juellen zu berüekſichtigen find, aus welchen er hervorgeht. Bei
manchen Kindern geht er nämlich aus leiblicher und geiſtiger
Schwachheit, bei andern dagegen aus trokiger Kraft hervor. So
find kränkliche Kinder meiſt zum Eigenſinn geneigt, und werden um
ſv häufiger und leichter verzogen, je mehr ihr leiblicher Zuſtand
Mitleid einflöäßt und die Eltern zur Nachgiebigkeit gegen ihre Wün»
ſche und Forderungen geneigt macht. Eben ſo iſt auch Geittes-
- ſ keichter von einer dumpfen Stimmung befangen wird, die als Eis
genwille erſcheint, im Grunde aber doch nichts anders als Willens»
loſigkeit iſt, --- auch Blödigkeit , die bei | Gehorſam und Ungehorjam ſchwankt, nicht ſelten die Urſache des
Eigenſinnes. Er entſteht aber auch aus dem Bewußtſeyn geiſtiger
und leiblicher Kraft, aus dem Selbſtgefühl , welches frühe nach Ums
abhängigkeit ringend, doch zu einem entſchloſſenen Wollen zu ſchwach,
dieſes durch Unbeugſamkeit und Widerſtand zu erſeßen verſucht.
Dieſer Eigenſinn iſt, als der blindeſte Ungehorſam, allerdings überalt
ſtrafbar. Allein die Grade der Strafbarkeit ſind hier nod) verſchie-
dener, als die Quellen, aus welchen er entſpringt. Körperliche
Züchtigungen , die zur Unzeit angewendet werden, können das Uebel
zum unbeugſamſten Troße und zur völligen Verſioktheit ſteigern,

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