Ungehorſam. 89
und ſind unter andern Umſtänden ein durchgreifendes und ſicheres
Heilmittel für das viel verzweigte Uebel. Ehrenſtrafen und eine
weiſe Belebung des Ehrgefühls , verbunden mit zweckmäßiger De-
müöthigung bezwingen daſſelbe nicht immer, aber doch in manc Fällen, Am wenigſten dürfen die unmittelbaren Folgen des Eigen-
ſinus ſelbſt unbenußt gelaſſen werden ; er muß ſich brechen an uns
überwindlichen Hinderniſſen und der weiſen Liebe der Eltern, die
eben ſo weit entfernt it von ſchonungsloſer Härte, als ſchwacher
Nachgiebigkeit. Dieſe Liebe, wenn ſie zur rechten Zeit auch) als ſtra:
fende Gerechtigkeit erſcheint, bewältiget am ſicherſten und entſc dentſten ſowohl den Eigenſinn, als ſie auch den thdrichten Eigens
willen mäßiget und zur Unterwerfung bringt. Der Ungehorſam in
der umfaſſendern Bedeutung , die Alles in ſich faßt , was wider das
Geſel , alſo wider Gottes Willen , iſt überall als eine Seelenkranks
heit zu betrachten und zu behandeln. Dagegen helfen, ſagt Köthe,
nie und nirgends bloß Strafen, obwohl ſie, zweekmäßig angewen-
det, Heilmittel ſind. Wie der weiſe Arzt leibliche Krankheiten nicht
bloß durch Arzenei, ſondern auch durch angemeſſene Diät, durch ge-
ſunde Luft, durc< Anregung der noch vorhandenen geſündern Kraft
und Lebensthätigkeit zu heilen ſucht, dabei die Quelle des Uebels
erforſcht , und die ganze Individualität des Kranken beobachtet, ſo
wird auch der Erzieher, als Seelenarzt, verfahren müßen. Man
wähne nur nicht, daß mit Strafen Alles auszurichten , jeder Fehler
zu überwinden ſey, zumal wenn man nicht bloß ihn dämpfen , ſon-
dern auch ausrotten, und das ganze geiſtige Leben heilen will, =-
Dagegen ſagt Kelber: „Ungehorſam iſt Sünde, und muß be-
ſtraft werden. Die Strafe muß dem Kinde wehe thun. Bleibt es
zwei - und dreimal für ſeinen Ungehorſam unbeſtraft, ſo iſt es das
dritte und vierte Mal anch ungehorſam. Koſtet es gleich anfangs
die bittere Frucht des Ungehorſams, dann wird ihm der weitere Ap-
petit vergehen und es wird ſich vor Ungehorſam ſorgfältig hüten,
Feindſchaft ſeßte Gott zwiſchen der Schlange und dem Weibe, und
den Adam trieb er aus dem Garten Eden und lagerte davor einen
Cherub =-“-- mit flammendem Schwerte. Gott ließ den erſten Unge-
horſam ſeiner Kinder nicht unbeſtraft. Wenn euere Kinder oft un-
gehorſam ſind, ſo iſt es euere Schuld, ihr Eltern; ihr habt ſie ent-
weder: gar nicht oder nicht nachdrücklich genug beſtraft, Beſtrafet
euere Kinder ſogleich für den erſten Ungehorſam, und zwar ſo, daß
eine zweite Beſtrafung deſſelben nicht mehr ndthig wird. Ihr er-
ſparet euch) und euern Kindern unendlich viel dadurc dieſe Aeußerung betrifft, ſo wird ſie wohl Niemand ſo verſtehen,
daß etwa die alte Zuchtmethode bei der jugendlichen Erziehung wie-
der durchgängig eingeführt werden ſoll; aber Kelber will auch im
Gegenſaße mit der modernen Verzärtelung und Verweichlichung die
Ruthe weder aus der Kinderſtube, noc< aus der Scyule verbannt
wiſſen. Er weiſet insbeſondere auf den ernſten Ausſpruch der heil.
Schrift hin : „Wer die Ruth ſpart, (wo ſie ndthig iſt)
haßt ſeinen Sohn,“ Spr, 13, 24. Auf die etwaigen Eins-

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