10 Talent =- Tändelei.
der Unterricht ſoll ihm geben, was keine Erziehung und kein Unter»
richt zu geben vermag. Und jo werden Zeit , Kraft und Geldopfer
verſchwendet , um eine Stümperei zu erkaufen, und die Kraft , die
wirklich vorhanden iſt im Kinde, und die zur Tüchtigkeit hätte ge
langen können, wird nur oft vernachläßiget , um diejenige zu bil-
den, die ihm fehlt. =- Für die weibliche Erziehung giebt es übri-
gens kaum eine gefährlichere Klippe als die Talentbildung. Schwäche,
Beſchränktheit und Eitelkeit treiben ein arges Spiel und geben ihr
eine durchaus falſche Richtung, ſo daß Beſcheidenheit, Häuslichkeit
und reine Weiblichkeit oft ihren Untergang dabei finden. Sobald
der Zwe> der Talentbildung dahin geht, ſich auszuzeichnen , Lob
einzuärnten, in der Geſellſchaft zu glänzen, Effekt zn machen; dann
haben Tugend und Wahrheit ihre Rechte dabei verloren, und das
Talent hat ſeinen Lohn dahin! Denn alſo wird es zur Verführung
des Geiſtes und des Gewiſſens, anſtatt der Mittelpunkt ihrer Er-
leuchtung zu werden , es wird zur Lockſpeiſe der Eitelkeit und der
Selbſtſucht , ſtatt Erhebung über ſie ; es wird Verſchwendung , ſtatt
Gewinn der Zeit und der Kräfte ; es wird ein Raub an der Pexr?
ſdnlichkeit , der Häuslichkeit , dem Familienglück, ſtatt Erhöhung der-
ſelben. --- Für das Wahre, Gute und Schöne gebildet, wird das
Talent von den Anmaßunugen der Eitelkeit befreit und zur Beſchei-
denheit geführt ; denn die Arbeit und Anſtrengung, welche die gründ-
liche Erziehung desſelben erfordern , erweitern die Begriffe, zeigen
den allein wahren Weg der Kunſt und des Wiſſens , und laſſen die
Demuth die unentliche Entfernung fählen, die den Lehrling von
dem Ziel der Vortrefflichkeit trennt. == Ins wahre Verhältniß ge-
bracht zur weiblichen Beſtimmung, wird jedes Talent zur ſchönen
Blume erwachſen , die Balſam duftet und rkung und Erheiterung
in's Leben bringt. (S. Art, Erziehung der Sdhne und =-
der Töchter.) |
Talent, muſikaliſches. Muſik und Geſang dient ſowohl
zur eigenen, als zur Aufheiterung Anderer , und kann zu großer
Empfehlung gereichen. Viele haben dadurch ſchon den Grund zu
ihrem Glücke gelegt. Wer beſondere Anlage zur Muſik zeigt, werde
zur Ausbildung derſelben ermuntert. Für die Muſik kann, auſſer
dem Geſang , in der Schule nichts geſchehen ; es iſt Sache der El-
tern, ihre Kinder beſonders darin unterweiſen zu laſſen. Zwar hat
nicht jedes Kind Gelegenheit und Gabe zur Erlernung der Muſik;
doc< ſoll jedes , wenn ihm anders die Stimme nicht verſagt iſt, in
der Schule ſchön ſingen lernen. Durch einen ſchönen Geſang und
durch Geſchmack an ſchönen Liedern iſt ſchon viel für die Veredlung
des Menſchen gewonnen, Die Schule wirke alſo auch von dieſer
Seite auf die Veredlung der Kinder kräftig hin. Es iſt bekannt,
daß die Kinder der Iſraeliten in den alten Zeiten ſchon frühe ſin-
gen lernten, um ſo mehr wird dieß hinſichtlich unſerer Kinder geſchehen müſſen, da das Chriſtenthum ohnehin ſo innig mit
dem Geſang befreundet iſt. (1. Kön, 16, 17-25.)
Tändelei, tändeln. (Spielerei, Kleinigkeitskram , ſich

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