Unglaube. 95:
derniſſe im Wege liegen, und dieſer ſelbſt unter jedem Schritte
glei) einem mooſigen Grunde wankt. Soll alſo das vorgeſtekte
Ziel des Unterrichtes vom Lehrer und den Schülern erreichet werden,
ſo kann und wird ſolches nur dann geſchehen, wenn dabei planmä-
ßig zu Werke gegangen wird. (S, Art. Planloyigkeit und
planmäßiger Unterricht.)
Unglaube. Wir haben früher die ſchädlichen Wirkungen
des Aberglaubens nachgewieſen, und glauben nun mehr auch dieſel?
ven hinſichtlich) des Unglaabens nachweiſen zu müßen. Der Abet?
glaube iſt es, der den menſchlichen Verſtand verwirrt, die Geſund-
heit und Lebensruhe zerſidrt und den Menſchen ädfters gleich einem
Wahnſinnigen handeln läßt. Allein die Wirkungen des Unglaubens
ſind noch ungleich ſchädlicher. Wem ſind die Frevelthaten leichtſin:
nige? Spötter des Heiligen und ewig Wahren unbekannt ? Wer
kennt nicht die Gefährlichkeit jener Menſchen, die ohne Treue und
Glauben ſind, weil ſie nichts lteben, als was irdiſc und Nuben bringt, und weil ſie den Genuß des Augenblicks der
Ewigkeit und dem Lohne des Himmels, der den Frommen verheiſ-:
ſen iſt, vorziehen ? Deßhalb ſagt auch Jean Paul: „Der Unglaube
iſt vollkommene Erblindung des geiſtigen Auges für die Offenbarung
Gottes im eigenen Geiſte ſowohl, als in der Natur und der Ge-
ſchichte.“"“ Der Aberglaube übt nur hie und da noch in niedrigen
Volksklaſſen , wo aus Mangel des Vermögens ein beſſerer Jugend-
unterricht noch vermißt wird, ſeinen verderblichen Einfluß, Dage-
gen hebt der Unglaube ſein freches Haupt empor. Ihm huldigen
die Menſchen der bildungsreichern Stände um ſo lieber , da er den
Schmuck und Glanz der Aufklärung annimmt und gewiſſermaßen
Anſehen giebt, weil Jeder gern den Ruf eines helldenkenden Geiſtes
haben möchte. Ihn begünſtigt die gern nachäffende Modeyucht , in-
dem Jeder an Aufklärung, Einſicht und Erhabenheit über Volks-
vorurtheile dem Andern gleichſtehen oder ihn übertreffen will; die
Eitelkeit , zu glänzen und ſich bemerkbar zu machen, iſt mächtiger,
als das Gefühl des Wahren und Heiligen, des Rechten und Guten,
und wirft endlich, um das Aeußerſte zu thun, ſelbſt die Wahrheit,
die vom Himmel kam, in den Rang der Vorurtheile hinab, und er-
hebt das blinde Nichtsglauben zur Höhe der alleinigen Weisheit. --
Nicht wenig hat der ſteigende Sinn für Wohlleben und Ueppigkeit
zur Erzeugung des Unglaubens d. i. zur Verachtung der Erkennt-
niß der Wahrheit, die zur Gottſeligkeit ſührt, beigetragen. Der
Menſc<4 , geneigt ſich zügelloſen Begierden zu überlaſſen, fand und
findet es unbequem, durch ernſtere Gedanken in ſeinen Ausſchwei-
fungen gehemmt zu werden, uU, |), w. So war und iſt es bei vie-
len Menſchen, denen Unglaube Weigsheit ſchien und die den ſteilen
Pfad der Tugend ſich nicht gefallen ließen. Der Hang zur gemei-
nen Sinnlichkeit, der ſie dahin leitete, und die Gaben des Geiſtes
machten ſie zu Dienern niedriger und verwerflicher Lüſte. Viel half
dazu die ſfrithere und theilweiſe auch die gegenwärtige Erziehungsart
der Ingend , zu welcher man, nach Rouſſeau's Anſicht, erſt ſpät

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