Talent 109

Taient
1. Be
3. Entstehung und Wachstum.
gogische Ergebnisse.
1. Begriff, Das Wort bedeutet im
modernen Sprachgebrauch irgend eine
hervorragende Begabung, eine mehr als
gewöhnliche Anlage, die sich als Leichtig-
keit in der Erlernung, als Gewandtheit
und Sicherheit in der Ausübung irgend
einer Kunst oder Wissenschaft darstellt.
Es entstammt dem Griechischen (70 7&Ad»ro»)
und bezeichnet ursprünglich das Zu-
gewogene und Sodann geradezu ein be-
Stimmtes Gewicht an Silber oder Gold;
das alexandrinische Talent Zz. B. betrug
125 Pfund Silber und repräSentierte einen
ungefähren Wert von 4000 M. Frühe
Schon, zuerst bei den griechischen Dichtern,
nahm das Wort auch einen bildlichen Sinn
an und bedeutet darin das zugewogene
Maſs an irdischem Glück, entsprechend
jener alten Vorstellung (bei Homer), daſs
Zeus einem jeden der Sterblichen Sein
Schicksal und damit Sein bestimmtes Teil
an Erdenglück und Freude auf goldener
Wage zuwiegt.
Niemals bezeichnet »Talent« bei den
alten Griechen und Römern eine geistige
Gabe, eine hervorragende Anlage oder
Fähigkeit. Dieser Gebrauch des Wortes
iSt erst Später aufgekommen, wie es Scheint
durch das bekannte, Sinnreiche Gleichnis
Jesu (Matth. Kap. 25), worin die Güter der
Seligmachenden Wahrheit, die Lehren vom
Reiche Gottes und Seiner Gerechtigkeit
damit bezeichnet Sind. Heutzutage hat das
Wort Seine ursprüngliche wie Seine religiöse
Bedeutung fast ganz abgelegt; es ist in
die meisten Kultursprachen der Völker
übergegangen und bedeutet ganz allgemein
jede hervorragende Begabung, die auf
nützliche Tätigkeit anwendbar ist, vorzugs-
weise aber diejenige in der Richtung auf
die Künste und Wissenschaften. Und zwar
pflegt man auch den Träger dieser Gabe
Selbst ein Talent zu nennen, indem man
ihn damit von der Mittelmäſsigkeit unter-
Scheidet; So entstand ein weiterer bildlicher
Gebrauch des Wortes, der Sich erst in
neuester Zeit entwickelt hat.
Nach unten grenzt das Talent an die
griff. 2. Umfang und Einteilung.
4. Päda-

--,
gewöhnliche Natur und Begabung der
Durchschnittsmenschen, nach oben aber an
das höchste Maſs der geistigen Fähigkeit,
das Genie. Dieses ist die Kraft, in irgend
einer Wissenschaft oder Kunst oder nütz-
lichen Praxis etwas Neues und Auſser-
ordentliches zu leisten, alte Schranken und
Hindernisse zu überwinden, neue Erfin-
dungen zu machen, neue Vorbilder zu
Schaffen und So dem Fortschritte der Kultur
neue Bahnen zu öffnen. Während das
Talent das Gegebene, bisher Bekannte, mit
einer gewissen Leichtigkeit erfaſst, aneignet
und verwertet, aber gewöhnlich dabei bleibt
und in der Anlehnung an die besten Vor-
bilder Seinen Beruf erfüllt, geht das Genie,
von einem: eigenen innern Trieb und Licht
geleitet, über das Gegebene weit hinaus
und freut Sich erst Seines Wirkens, wenn
ihm das Neue, bisher Unerreichte, gelingt.
(S. d. Art. Genie.)
Das Talent erweckt Beifall und Gunst,
das Genie anfangs öfter Milstrauen und
Sodann Bewunderung, beim unwissenden
Volke auch wohl Grauen und Furcht. Im
Altertum, namentlich bei den lsraeliten,
Griechen und Römern, wurde jede auſser-
ordentliche Kraft des Geistes oder des
Mutes gerne einem Schutzgeist (Genius)
zugeschrieben, der in und mit dem aus-
erwählten Menschen Sei, ihn mit über-
natürlichen Gaben von Gott ausrüste und
SO zu Gen höchsten Leistungen tüchtig
mache. Von diesem Genius-Glauben her
wurde Später (zuerst von den FranzosSen)
der ungewöhnlich hoch und original be-
gabte Mensch Selbst ein Genie genannt,
d. h. der Träger des Schöpferischen Geistes
Sgelbst als Genius erklärt. Die Weltgeschichte
weist deren, wenn der Begriff Strenge ge-
faſst wird, nur eine kleine Zahl auf. Doch
wird man in der Philosophie einen
Sokrates und Aristoteles, in der Mathematik
einen Kepler, in der PhysSik einen Newton,
in der Poesie einen Dante und Goethe
immer als Solche gelten lassen.
Das Genie bedarf nicht vieler Anleitung,
wohl aber der freien Bewegung. Es macht
Seinen Weg aus eigener Krait, wenn es
nicht durch die Ungunst der Verhälinisse
oder durch Begierden und Leidenschaiten
irühe gebrochen und aufgerieben wird.
Das Talent bedarf der Anleitung und
Schulung weit mehr; es bleibt in der Regel

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