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lich einfallen, Sondern weil Sie es er-
künsteln . . . Sie verfehlen fast immer Cas
Natürliche; denn das Schwere, Weither-
geholte Schmeichelt dem Stolze, aus welchem
Sie es tun, mehr als das Natürliche . .
Das Superkluge ist mit einem Vergnügen
am Sonderbaren verbunden. Der Kluge
wird nicht Superklug, hingegen kann der
Superkluge, wenn er aufhört, aus dem Er-
finden ein Geschäft zu machen und viel
vernünftige Sachen liest, wofern er Sich
nicht gar zu hoch verstiegen hat, am Ende
klug werden.« Im Kindegalter fällt Über-
klugkeit mit Altklugkeit (s. d.) zusammen.
Sobald Sich mit ihr Grübelsucht verbindet,
gewinnt Sie pathologisches Gepräge (vergl.
auch Emminghaus a. a. O. S. 110). Über-
kluge, übergescheite Kinder, die alles be-
Sonders Schlau machen wollen, alles ieiner
einzufädeln oder ailes besser zu wissen
glauben als andere, werden weniger durch
Belehrung, als durch »Schaden«, durch
üble Erfahrungen, die ihre vermeintliche
Weisheit dem gerechten Spotte der Miſ-
menschen aussSetzen, zur Demut und zur
Selbstbescheidung erzogen. Je geschickter
es der Erzieher anfängt, den Zögling gleich-
Sam absichtslos bei passenden Gelegen-
heiten in erziehende Verlegenheiten zu
bringen, desto leichter und rascher wird
dem Übel abgeholfen und der Selbstprü-
tung die Bahn eröffnet. Vergl. Altklug,
Vorwitzig.
Leipzig. Gustav Siegert.
Übermütig
Übermut entwickelt Sich unter einem
Zuviel an Glück, Kraft, Lebhaftigkeit, Rück-
Sichtslosigkeit, Hochmut, Leichtsinn oder
Bogheit; er äuſsert Sich in einem Übermalſs
von Mut, der mit Vorliebe an Unter-
drückten , Untergebenen, Schwachen oder
Unglücklichen Seine Stärke erprobt und
kein Recht auf Erbarmen anerkennt. Er
Steht in einer Begriffsreihe mit Dreistigkeit,
Ausgelassenheit, Rücksichtslosigkeit und
Mutwillen. Herbart rechnet ihn zu den
Fehlern der »Gefühlsweise«s (a. a. O. Il,
S. 404). Helden der Tat, Übermenschen
im Sinne Nietzsches, die für Sich das Recht
der Rücksichtslosigkeit in Anspruch nehmen,
während sie den anderen die Pflicht der

Überklug -- Übermütig -- Übersättigung -- Übersetzen
Rücksichtnahme auferlegen, Solchergestalt
durchs Leben stürmen und keiner ihrer
Leidenschaften die Zügel der Vernunit an-
legen wollen, verkörpern in Sich das Wesen
des Übermuts am besten, erfahren aber
auch an Sich die Wahrheit des Shake-
SpeareSchen Wortes: »So wilde Freude
nimmt ein wildes Ende.« (Romeo und
Julie II, 6.) Am ehesten entschuldbar ist
der Übermut aus wirklichem Überschuſs
an Kraft, verächtlich der, welcher auf den
Geldsack und auf gesgellschaftliche Stellung
pocht, lächerlich der, welcher aus Geckerei
und falscher Ruhmsucht flieſst, erbärmlich
endlich der, welchem MensSchenverachtung
zu Grunde liegt. Als Erziehungsmittel zur
Bekämpfung des Fehlers Sind zu empfehlen:
Belehrung über die Pflichten des Wohl-
wollens und der Billigkeit, Aufklärung über
die Unbeständigkeit äuſserer Werte und
Gewöhnung an Selbstbeschränkung der-
gestalt, dais die überschüssige Kraft auf
edle Ziele gelenkt wird. Kurz: geistig und
körperlich ducken, ohne zu demütigen!
(Vergl. hierzu: Ausgelassen., Unbändig, Keck,
Hochmut, Mutwille.)
Leipzig. Gusiav Siegert.
Übersättigung
s. Abgestumpftheit
Übersetzen
1. Wert und Möglichkeit des Übersetzens.
2. Das Übersetzen auf der Schule. a) Die
Kunst des Übersetzens aus den alten Sprachen;
b) aus den neuen Sprachen. 3. Methodisches
Verfahren. 4. Die schriffliche Übergetzung.
5. Extemporieren. 6. Das Übersgetzen aus
dem Deutschen.
1. Wert und Möglichkeit des Über-
Setzenss Von Männern, welche in das
Verständnis der Schriftsteller oder des
Wesens der Sprache besonders tief ein-
gedrungen Sind, wird über den Wert und
die Möglichkeit des Übergetzens Streng
abgeurteilt. »Das Übersetzen ist der Tod
des Verständnisses« Sagt Moritz Haupt
(Belger, S. 145), und Wilhelm von Humboldt
Schreibt an August Wilhelm von Schlegel
(M. Bernays, Preuſs. Jahrb. 68, S. 560):
» Alles Übersetzen Scheint mir Sschlechter-
dings ein Versuch zur Auflösung einer

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