390
Sätzen zu richten. Und es ist nicht zu
übersehen, daſs wie Herbart ausführt: im
Staate wie im menschlichen Geiste die
Masse der .Schwächeren Kräfte dem Über-
gewicht einiger wenigen aber Stärker her-
vorragenden weicht. Hierin liegt eine der
vornehmsten Aufforderungen zur Kon-
zentration des Unterrichts. (Vergl. Not-
wendigkeit der Konzentration des Unter-
richts, dargetan auf dem Wege der Rech-
nung von Dr. Maennel. In Manns Deut-
Schen Blättern 1886. Nr. 6.)
Literatur: Reimarus, Darstellung der Un-
möglichkeit bleibender körperlicher, örtlicher
Gedächtniseindrücke 1812. -- Volkmann v. Volk-
mar. Lehrbuch der Psychologie 8 25 u. 69. --
Schuster, Gibt es unbewuſste und vererbte
Vorstellungen? Leipzig 1879, -- Cesca, Über
die Existenz von unbewuſsten psychischen
Zuständen. In der Vierteljahrschrift füär wissen-
schaftliche Philosophie IX. S. 294. -- C. S.
Cornelius, Das Gedächtnis als eine Eigenschaft
der Materie. -- Über intensive Gröſlsen. In
der Zeitschrift für exakte Philosophie. XIV.
129 u. XVI 65. -- Ders., Abhandlungen zur
Naturwissenschaft und Psychologie. -- Freud,
Die Bedeutung des unbewuſsten Seelenlebens
und eine Methode zu dessen Aufhellung. Allg.
Zeitung 1907, Nr. 183. -- Fadger, Die Be-
deutung d. psychoanalytisSchen Methode Freuds.
Im Zentralblatt für Nerven u. Psychol. 1907.
Ferner in Gutberlets philos. Jahrbuch 1901,
S. 103. K. Foltz im 38. Jahrb. des rhein.
westf. Herbart-Vereins 1903. Achelis, Ekstase.
Wansleben, O0. Flügel.
Undankbarkeit
1. Wegen. 2. Entwicklung. 3. Behand-
lung.
1. Wesen des Fehlers. Nicht dankbar
Sein bedeutet im Leben des Kindes noch
nicht ohne weiteres Undankbarkeit; denn
diese ist als Fehler von demjenigen Ent-
wicklungszustand zu wunterscheiden, in
welchem das Kind von Natur aus noch
nicht die psychischen Fähigkeiten besitzen
kann, aus denen die Motive der Dankbar-
keit entspringen: die Erkenntnis der in
einer Wohltat oder in einer Freundlichkeit
zum Ausdruck gebrachten Güte des andern,
die Verpflichtung, diese Güte anzuerkennen,
zu würdigen und zu vergelten, und Sschlieſs-
lich der moralische Antrieb, dieser Ver-
pflichtung gemäſs Sich erkenntlich zu er-
weisen oder in irgend einer Form eine
der Idee der Vergeltung gemäſse Hand-

Unbewuſstes Vorstellungsleben -- Undankbarkeit
lung auszuführen und das Verhältnis der
harmonisch ausgleichenden und verbinden-
den Gegenseitigkeit zum Ausdruck zu
bringen. Das Wesen der Undankbarkeit
beruht in dem Mangel der Entwicklung
dieser Motive. Die Ursache dessgelben liegt
entweder in der fehlerhaften Verfassung
der vorauszuSetzenden psychiSschen Zustände
und Vorgänge oder in vorhandenen Gegen-
Strömungen im perSönlichen Leben des
Kindes. Im ersteren Falle handelt es Sich
meist um eine gewisse Beschränktheit und
Gefühllosigkeit, im letzteren Falle um die
Folgen von egoistiScher Entartung des
Selbstbewuſstseins (s. Egoismus), wobei
gewöhnlich ein dummer Stolz, eine Art
Selbstgefälligkeit und Bequemlichkeit im
Spiele Sind. |
2. Entwicklung. Die psychiSchen Grund-
lagen der Dankbarkeitsmotive entwickeln
Sich, wie die Erfahrung Selbst im Leben
der Erwachsenen lehrt, S0 unsicher, dals -
man im allgemeinen ihr Auftreten und ihr
Wirken als ein glückliches Ereignis der
fortgeschrittenen Bildung begrüſsen muſs.
Dies liegt in dem Umstand begründet, daſs
die zur Artigkeit, Höflichkeit, überhaupt
zur besgeren Sitte führende Tugend der
Dankbarkeit ihren Wert in der freien Ge-
Sinnung hat, die Sich nach ethischen
Motiven Selbst bestimmt, ohne von An-
ordnungen, Befehlen oder gar Tadel und
Strafen beeinfluſst zu Sein. Angesichts
dieser Sachlage kann nichts anderes erwartet
werden, als daſs die Undankbarkeit ais
Fehler im Leben der älteren Kinder eine
ziemlich häufige, die pädagogische Gegen-
wirkung herausfordernde Erscheinung ist.
Die erste kritische Stelle, an welcher
die geistige Entwicklung des Kindes in
der Richtung zur Undankbarkeit abirrt, ist
die Bildung der Gefühlswerte im Bereich
der Sozialen Regsamkeit. Der Ausgangs-
punkt des dieser zugrunde liegenden
Bildungstriebes iet das Bewuſgstsein der
Gleichartigkeit innerhalb der verschiedenen
Gemeinschaftskreise, in denen das Kind
Seine gesgellschaftlichen Erlebnisse macht.
Gelangt dasselbe infolge mangeinden Ver-
kehres mit andern Kindern und verwöhnen-
den Umganges mit Erwachsenen in der
Familie Statt zum Bewulſstsein gleichartiger
Regsamkeit zum Bewuſstsein eines über-
legenen Einflusses, der es ihm gestattet,

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.