Unordnung -- Unparteiisch -- Unreinlich
bringen könnte. Wenn nun das Kind
Seine Sachen SO wohl geborgen weiſs und
Sie im Gegensatz zu früher, im Bedarfts-
falle am richtigen Orte und zur rechten
Zeit auch findet, S0 empfindet es Freude
an der Ordnung und wendet Sich dann
von der Sonst gewohnten Unordnung um
SO Sicherer ab. Und So muſs auch der
Schulbesuch des Kindes, Seine Erholung
und Arbeit, Sein Kommen und Gehen,
überhaupt alles, was zur Hausordnung ge-
hört, überwacht werden, damit der Erzieher
vorkommende Ungehörigkeiten Sofort be-
merken und durch Anwendung geeigneter
Maſsregeln auch abstellen könne.
Da das gesamte Leben und Wirken der
Schule meist durch eine feste Schulordnung
(s. d. Art.) geregelt ist, So gelingt es dem
Lehrer bei der nötigen Wachsamkeit gar
bald, die Unordentlichen ausfindig zu
machen, um sie dann durch entsprechende
Behandlung auf den rechten Weg zu leiten.
Namentlich erweist es Sich als wirksam,
wenn der Schüler, Sobald er Sich eine
Ordnungswidrigkeit hat zu Schulden kom-
men lassen, neben Ermahnung und Tadel
angehalten wird, das Versäumte nach-
zuholen, VergesSenes in der nächsten Stunde
vorzuzeigen, Ungehöriges zu verbessSern
u. dergl., also den Beweis zu liefern, daſs
er auch ordentlich Sein kann. Solche
Zurechtweisungen, die bei wiederholter
Ordnungswidrigkeit noch durch besondere
Strafen verschärft werden können, Sprechen
zum Schüler eine So deutliche Sprache,
daſs er es bald vorziehen wird, Sich der
vorgeschriebenen Ordnung dauernd zu
unterwerfen und zu fügen.
Kronstadt in Ungarn. E. Morres.
Unparteiisch
s. Parteiisch
Unreinlich
Während Keuschheit die Reinheit der
Seele bezeichnet, bezieht Sich Reinlich-
keit auf äufere Sauberkeit, auf Rein-
heit des Körpers. Wie jene, ist auch diese
das Ergebnis jahrhundertelanger Kultur;
keine von beiden ist der Mengchheit an-
geboren, beide müssen ihr anerzogen wer-

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den. Sinn für Reinlichkeit muſs als ein
wertvolles, als ein Schönheitgemäſses und
Sittliches Gut erachtet werden, ist er es
doch, der den Leib, den »Tempel des
heiligen Geistes«, verschönt und zur wür-
digen Wohnung der Seele erhebt. Rein-
lichkeit hat auch eine grofse gesundheit-
liche Bedeutung, denn sie Schützt den
Körper vor Schädlichen Einflüssen aller
Art. Unreinlichkeit, ihr Gegenteil, läſst
mithin eine Beurteilung vom hygienischen,
vom ästhetisSchen und vom ethischen Stand-
punkte zu: Sie iSt ungesund, unschön und
unsittlich, gefährdet also Leib und Seele
gleichzeitig. Sie entwickelt Sich in der
Regel unter dem Einflusse übler Gewöhr-
nung und krankhafter Körper- oder Seelen-
zustände; nur ausnahmsweise beruht Sie
auf Sitte, Aberglauben und Unwisgenheit.
Besondere Beziehungen der Unreinlichkeit
zu den Temperamenten Scheinen nicht ob-
zuwalten; man mülſste denn die Bequem-
lichkeitsliebe des Phlegmatikers und die
Oberflächlichkeit des Sanguinikers als Solche
betrachten. Stärker kommt in ihr der
Gegensgatz der Geschlechter zum Ausdruck:
Mädchen und Weiber haben zumeist ge-
ringere Neigung zu ihr als Knaben und
Männer. Als Äuſserung perversen Trieb-
lebens zeigt Sich Unreinlichkeit bei manchen
Neurasthenikern unter den Kindern und
bei Solchen, die unter anhaltenden Gelüsten
nach Schmutz, Kot und anderen wicder-
lichen Dingen (Kotschmieren, Koprophagie)
leiden. (Vergl. Emminghaus a. a. O. S. 127.)
Auf die inneren Wechsgelbeziehungen der
Unreinlichkeit zur Heiterkeit der Seele und
zur Liederlichkeit macht Niemeyer (a. a. O.
1. S. 38) aufmerksam; ihr Verhältnis zur
Schamhaftigkeit betont Kellner (Aphoris-
men, 8S. 58). Wir heben nachdrücklich
- das Widergesellschaftliche der Unreinlich-
keit hervor. Die Erziehung hat dafür zu
Sorgen, daſs dem Kinde die Reinlichkeit
zum inneren Bedürfnisse werde, ohne zur
Reinlichkeitssucht zu entarten (vergl. Pe-
danterie). Dies wird ihr am besten dann
gelingen, wenn Sie in den Zöglingen durch
Vorbild, Lehre und Gewöhnung besonders
den Willen zur Reinlichkeit als einer Sitt-
lichen, ästhetiScchen und gesgundnheitlichen
Pflicht entwickelt.
Leipzig. G. Siegert.

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