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Schule. Mainz 1897. -- Das Verhältnis der
VolksSschule Preuſsens zu Staat und Kirche.
Von V. Rinteln. Paderborn 1888. -- Das öffent-
liche Unterrichtswesen im deutschen Reiche
und den übrigen europäischen Kulturländern.
Von Dr. A. Petersilie. Leipzig 1897.
Berlin. ). Tews.
Unterrichtslehre
s. Didaktik
Unterrichtsstatistik
1. Aufgabe, Wert und Umfang der Unter-
richtsstatistik. 2. StatistisSche Übersichten
über das Unterrichtswesen des deutschen
Reiches. 3. Aus der Schulstatistik der gröſserein
deutschen Staaten (Preuſsen, Bayern, Württem-
berg, Sachsen, Baden). 4. Vergleichende
Übersicht über das Yolksschulwesen und die
Unterrichtsergebnisse der wichtigsten Kultur-
Staaten. 5. Bildungsstatistik.
1. Aufgabe, Wert und Umfang der
Unterrichtsstatistik. Die Statistik ist eine
junge Wissenschaft. Die zahlenmäſsigen
Darstellungen der Zustände und Verände-
rungen auf den einzelnen Gebieten des
politiSchen, wirtschaftlichen und geistigen
Lebens reichen in der exakten Form, wie
die Gegenwart sie liefert, nur wenige Jahr-
zehnte zurück. Selbst der Anfang jeder
Statistik, die Volkszählungen, Sind neueren
Datums. Die Unterrichtsstatistik gehört
vollends zu den Jüngsten Erscheinungen
auf diesem Gebiete.
Neuerdings legt man aber auf unter-
richtsstatistiSche Darstellungen ein groſfses
Gewicht. Diejenigen Staaten, denen die
Pflege des Unterrichtswesens am Herzen
liegt, zeigen das Bestreben, durch zahlen-
mälsige Angaben die Fortschritte ihrer
Schulen auch anderen Staaten gegenüber
darzulegen. Die SchulstatistiSchen Angaben
der einzelnen Länder Sind auch mehriach
vergleichend zusammengesgtellt worden. Da
aber das Unterrichtswesen Sich durchaus
individuell entwickelt hat und die Benen-
nung der einzelnen Schulanstalten und die
Abgrenzung der verschiedenen Schulkate-
gorien gegeneinander ungemein verschieden
iSt, und ferner die Schulgesgetzlichen Be-
Stimmungen, die wirtschafilichen Verhält-
nisse, Sitten - und Lebensgewohnhnheiten
weitere tiefgreifende Unterschiede bedingen,

Unterrichtslehre -- Unterrichtsstatistik
SO darf man derartige Gegenüberstellungen,
auch Soweit Sie zahlenmälsig richtig Sind,
was von manchen derselben nicht einmal
behauptet werden kann, nicht überschätzen.
Vor allen Dingen dürfen nach diesen Ziffern
die tatsächlichen Bildungsverhältnisse der
einzelnen Völker nicht ohne weiteres in
Vergleich gestellt werden. Der allgemeine
Stand der Volksbildung entspricht nicht
direkt den Ziffern über die Unterrichts-
veranstaltungen desselben. Ein Volk mit
einem hochentwickelten industriellen und
kommerziellen Wirtschaftsleben und einer
freien politisechen VerfasSung wird durch
diese Momente ohne alle Schulanstalten
bis in die untersten Schichten hinein in
Seinem geistigen Leben und Seiner all-
gemeinen Bildung bedeutend gehoben.
Von wesgentlicher Bedeutung für den all-
gemeinen Bildungsstandpunkt eines Volkes
iSt es ferner, ob neben den Volksschulen
Veranstaltungen getroffen Sind, welche die
aus der Volksschule in das praktische Leben
Eintretenden veranlassen, ihre Bildung Selbst-
tätig zu erweitern und zu vertiefen. Der
verhältnismälsig hohe Stand dieser letzteren
Bildungsrichtungen in Amerika und Eng-
land bringi es z. B. mit gich, dals die
breiteren Volksschichten in diesen Ländern
in ihrer allgemeinen Bildung hinter der
Bevölkerung Deutschlands nicht 80 weit
zurückstehen, als man es nach dem Stande
des Volksschulwesens annehmen Sollte.
Die internationale Vergleichung der Schul-
und Bildungsverhältnisge muſs Somit auf
Sehr viele komplizierte und in einem Statisti-
Schen Schema überhaupt nicht unterzu-
bringende Verhältnisse Rücksicht nehmen,
SO dals die in der nachfolgenden Darstel-
lung auftretenden Ziffern nicht den An-
Spruch erheben können, ohne weiteres ver-
wendbare Maſse hierfür abzugeben. Sie
) vermögen nichts weiter als die Leistungen
der einzelnen Staaten nach gewissen charakte-
riStisSchen Richtungen hin Schärfer zu kenn-
zeichnen, als es ohne zahlenmälsige An-
gaben möglich ist. Namentlich Sind auch
die Analphabetenziffiern, die häufig ohne
jede Kritik zur Vergleichung der Bildungs-
verhältnisse in den einzelnen Staaten ver-
wendet werden, mit der nötigen Vorsicht
zu gebrauchen. Selbst wenn diese Ziffern,
was nicht der Fall ist, in gleicher Weise
gewonnen würden, könnten sie in isolierter

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