526 Verbot -- Verbrechen Jugendlicher.
blüffen == in Schrecken, Verwirrung bringen,
bestürzt machen, und engl. bluff = rauh,
barsch, Stumpf.
Leipzig. G. Siegert.
Verbot
Ss. Befehl
Verbrechen Jugendlicher. Behandlung
jugendlicher Übeltäter
1. Verbrechen im allgemeinen. I1. Jugend-
liche im Strafrechtssystem. III. Das Alter der
Reife ; Strafmündigkeit. IV. Das Alter abso-
luter Strafunmündigkeit; Kindheit. V. Die
ZwisSchenstufe ; zweifelhafte Zurechnungs-
fähigkeit. VI. Strafrechtliche Behandlung der
Jugendlichen. VII Strafverfahren gegen
Jugendliche (Jugendgerichte). VIII. Zwangs»
(Fürsorge-)Erziehung. IX. Kritik. X. Straf-
vollzug. XI. Statistik. XII. Psychologisches.
XII. Gesetzgebung und Literatur.
Fragt man nach der Stellung der jugend
zum Verbrechen, 80 Sind drei Punkte zu
beachten: Wie steht es mit der Begehung
von Verbrechen durch die lugenag? Wie
verhält Sich das Strafrecht zu ihr? Wie wird
die Jugend vor dem Verbrechen bewahrt?
Die letzte Frage ist heute allgemein als die
wicntigste erkannt.
I. Verbrechen im allgemeinen. Ver-
brechen, Straftat, ist nach bisheriger Ge-
Setzgebung die rechtswidrige, Schuldhafte,
mit Strafe bedrohte Tat eines zurechnungs-
fähigen Menschen. Es ist ein Angriff
auf bestimmte Rechtsgüter (Rechtsinteressen)
wie Leben, Ehre, Vermögen, Staats-
bestand, Verletzung, Gefährdung oder reiner
Ungehorsam, ein Tun oder ein Unter-
lasSen, vom Rechte verboten (normwidrig).
Die einzelnen Taten Sind Streng umrissen
als typiSsSche Fälle vom Gesetz genannt:
nullum crimen Sine lege, RStrGB S8 2.
Verbrechen und Sünde Sind Scharf zu
tvennen. Die Schuld ist Pflichtwidrigkeit
des Einzelfalls, dolus (Vorsatz) gleich Ab-
Sicht, Wille oder Billigung des etwaigen
Eriolgs, und culpa, Fahrlässigkeit, gleich
Unachtsamkeit. Die Tat muls als Typus
der Rechtsordnung 80 gefahrvoll erscheinen,
dais der Staat neben etwaigem Schaden-
ergatz eine Repression, Strafe, als Vergeltung
d. h. machtvolle Autoritätsbewährung, für
erforderlich erachtet. -- Damit aber jemand

Behandlung jugendlicher Übeltäter
Schuldhaft handle, muſs er Seine Sozialen
Pflichten kennen und Sich im Einzelfalle
danach richten können, d. h. er muſs »zu-
rechnungsfähig« Sein, fähig, daſs man Seine
Taten auf ihn als ihren geistigen Urheber,
der Sie hätte vermeiden können und Sollen,
zurückführe, Sie ihm »imputiere«. Zu-
rechnungsfähigkeit Setztein Doppeltes voraus:
geistige Gesundheit (»normale Bestimmbar-
keit durch normale Motive« v. Liszt) und
eine geistige Reife, deren Höhe nur nach
Sozialen Zweckerwägungen bestimmt werden
kann, bei Jäger- und Hirtenvölkern tüefer
Steht als bei unserer Kultur, für einfache
Verhältnisse leichter zu erreichen ist, als
für verwickelie. -- Das Problem der Wiliens-
freiheit hat mit dieser Frage nichts zu tun. --
Die Strafe als Vergeltung will an Sich
nicht den Täter bessern, nacherziehen oder
die Gesgellschaft Sichern; aber Sie kann viel-
fach für diese Zwecke nutzbar gemacht
werden. Neben ihr steht Systematisch Selb- .
Ständig die Sicherung gegen gefährliche
MengSchen, die von einer Schuldhaften Tat
absieht, auch gegen Zurechnungsunfähige
zulässig, ja hier besonders nötig ist. Es wird
heute mit Recht gefordert, daſs die Ver-
geltung zurücktrete, da Sie in vielen Fällen
unnötig, ja Sogar Schädlich ist (daher z. B.
SOg. bedingter Straferlaſs, bedingte Begnadi-
gung oder Verurteilung), während die Prä-
vention durch Sichernde Maſsnahmen ent-
Schiedener auszubilden Sei; zu dqÜiesgem
Zweck Sind die verschiedenen Gruppen
»gefährlicher« Menschen zu analysieren.
Nach vielen fallen die Begriffe Strafe und
Sicherung ganz zugammen, was aber ein-
Seitig,. --
11. Jugendliche im Strafrechtsystem.
Jugendliche Personen nehmen in diesem
System eine besondere Stellung ein: die
Zurechnungsfähigkeit iet bei ihnen noch
nicht vorhanden oder doch erst in der
Entwicklung und noch nicht voll ausge-
bildet, also noch (unlogisch!) »gemindert« ;
daher ist auch ihre Schuld eine mindere;
Strenge Vergeltung ist bei ihren Taten oft
ganz unnötig; die Strafen passen nicht alle
für die jugend. Aber umgekenrt bilden
Jugendliche eine besondere Gefahrenklasse,
da Sie Schlechten EinflüSsen 80 Sehr wie
guten besonders zugänglich Sind; also
müssen Fürsorge und Erziehung neben die
Strafe treten. Wir erkennen die Probleme

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