Verlegen -- Verleumderisch -- Verrücktheit -- Versäumnisse -- Verschlossen
Sonders auf Unentschlossenheit im Handeln
und bedeutet einen Zustand, »da man nicht
weils, wie man Sich benehmen Soll und
wie man zu handeln hat«. (Vergl. Grimm,
Deutsches Wörterbuch). Gisbert von Vincke
(Abc für Haus und Welt S. 91) nennt Sie
das » Widerspiel von Unbefangenheit, Hemm-
Schuh für Wort und Tat, mit Lächerlich-
keit gefärbt.« Der Verlegene »geniert
Sich«, redet nur zögernd und ängstlich, ist
dem Verkehre in der Gesellschaft abgeneigt,
weil er da auf Sich acht geben muſs, und
wird von dem Gefühle der Unbeholfenheit
(Ss. d.) und dem Hange zur Einsamkeit
und Trägheit, wohl auch von dem Bewuſst-
Sein der eigenen Schwäche, des eigenen
Unwertes und der Mutlosigkeit (s. d.) be-
herrScht. Innere Beklemmung und Mangel
an nach aulsen gerichteter Willensstärke
und Selbstbeherrschung verleihen ihm etwas
Unmännliches und machen ihn zum Gegen-
Stand des Mitleides, der Lächerlichkeit und
des Spottes. Phlegma und Melancholie
begünstigen die Entstehung und Entwick-
lung der Veriegenheit. Ihr psychologisches
Hauptmerkmal liegt in der »peinlichen
Apperzeption des Augenblicks« (Emming-
haus a. a. O. S. 75). Pathologische Be-
deutung empfängt Sie nur dann, wenn Sie
Sich auch vor Eltern, Geschwistern und
Bekannten geltend macht als Vorstufe der
Berührungsfurcht und in Verbindung mit
Veitstanz, Neurasthenie, Melancholie, Epilep-
Sie und geheimen Jugendsünden auftritt.
Durchaus naturgemäls ist dagegen eine ge-
wisse Verlegenheit, die Sich als ein Gefühl
der Unsicherheit bei ersten Versuchen auf
einem fremden Gebiete kund gibt. Vergl.
im übrigen die Winke und Ratschläge
unier »Schüchtern«.
Leipzig. G. Siegert.
Verleumderisch
Nehmen wir mit Kluge (Etymolog.
Wörterbuch) Leumund, von ahd. liumumunt,
als gleichbedeutend mit Ruf und Ruhm, Sso
gilt verleumden Soviel wie: durch falsche
Angaben in bögen Ruf bringen, und- ver-
leumderisch ist der zu nennen, der durch
heimliche Anschwärzung und öffentliche
üble Nachrede Seine Mitmenschen in der
öffentlichen Meinung herabsetzt. Ein farben-

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Sattes Bild der das öffentliche und private
Leben vergiftenden Verleumdungswut ent-
hält Sheridans Meisterlustspiel: » The School
for Scandal«; in der Politik ist Sie zum
Gewerbe geworden. Ihre Sittliche Ver-
werflichkeit und gesgellschaftliche Gefähr-
lichkeit bringt Rückerts Wort treffend zum
Ausdruck (Die Weisheit des Brahmanen
S. 368):
»Drei Menschen auf einmal verdirbt Ver-
leumdungsgift:
Den, der sie Spricht, den, der Sie hört, den,
SO Sie trifft.«
Als ursächliche Momente verdienen
hervorgehoben zu werden: Neid, Nieder-
tracht, Schadenfreude, Tücke, BoSghaftigkeit,
Pharisäertum, Tadelsucht, Lügesucht, Sucht
nach Unreinem und Gemeinem in Worten,
Schwatzhaftigkeit. Wo die Lust an übler
Nachrede in der Familie zur Gewohnheit
und in der Gesellschaft zum Bedürfnisse
geworden ist, darf man Sich nicht wun-
dern, wenn Kinder zwitschern, wie die
Alten Singen. Mädchen werden leichter
dazu verführt als Knaben, Weiber huldigen
Ihr mit gröſserer Vorliebe als Männer. Im
Alter der beginnenden Pubertät fanden wir
Lust am Verleumden bei im übrigen gut-
gearteten Mädchen. Verhängnisvoll für die
Charakterentwicklung wird Sie da, wo Sie
als perverser pSychischer Hang in Gestalt
von impulsiven Zwangsvorstellungen zu
Tage tritt und zur Moral inganity entartet.
Siehe des weiteren unter: Schadenfreude,
Tadelsucht, Schwatzhaitigkeit, Lüge.
Leipzig. G. Siegert.
Verrücktheit
Ss. Paranoia
Versäumnisse
s. Schulbesuch
Verschlossen
Verschlieſsen heiſst mittels Verschlusses
eiwas absperren oder zusperren; verschlossen
ISt demgemäls der zu nennen, der Sein
Inneres nicht offenbart und Sich Anregungen
von auſsen her unzugänglich erweist. Als
ein Willensfester, der aus Milstrauen gegen
R ein, Encyklopäd. Handb. d. Pädagogik. 2. Aufl. 9. Band. 39

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