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Reife für die Versetzung abgeben. Dem
Fachlehrer ist die Möglichkeit gegeben, Sein
abweichendes Urteil im Protokoll zum Aus-
druck zu bringen, mindestens auf einem
Monitum in Seinem Fache zu bestehen.
Jeder Lehrer hat das Recht, die Angabe
des Abstimmungsverhältnisses im Protokoll
zu verlangen, nötigenfalls -- zum Schutze
der eigenen Verantwortlichkeit -- unter
Bezeichnung der in der Minderzahl ver-
bliebenen Fachlehrer. Aber auch der
Direktor hat das wichtige Recht, Seine abD-
weichende Stimme zu Protokol! zu geben.
Wo er gerechte Bedenken hat, Sei es in
bezug auf Nichtversetzung oder Versetzung
eines Schülers, kann er eine höhere Ent-
Scheidung herbeiführen. Dem friedlichen
Einvernehmen zwischen ihm und dem
Kollegium ist es im allgemeinen zuträg-
licher, wenn es inm in Zweiielsfällen, die
ihm ja nicht unbekannt Sein können, ge-
lingt, vorher eine vertrauliche Verständi-
gung herbeizuführen. Andernfalls Steht ihm
das Recht zu, je nach Lage des Falles
Selbst zu entscheiden. Angesichts der groſsen
Verantwortlichkeit ist Willkürlichkeit in An-
wendung dieses Rechtes Sicherlich als aus-
geschlossen zu betrachten. Den gröſsten
Takt erfordert die Anwendung der Aus-
gleichsbestimmungen. Es ist zulässig,
Schwächere Leistungen in den einzelnen
Fächern (Hauptfächern) durch besgere in
anderen auszugleichen (Religion bleibt aus
guten Gründen auſser Betracht). Mit Recht
wird aber daran festzuhalten Sein, dals ein
Solcher Ausgleich -- etwa als Gegenstand
kluger Spekulation -- nicht gefordert wer-
den darf, Sondern nur unter Berücksichti-
gung der PersSönlichkeit des Schülers ge-
währt werden Soll. Keine Schule darf
ohne Schaden von der Forderung eines
Mindestmaſses der Leistungen absenen.
Wenn nun aber die Mahnung hinzugefügt
wird, dals ohne Ausfüllung der Lücken in
dem betr. Fache die Versetzung im nächsten
Jahre ausgeschlossen ist (Monitum), S0 kann
einem Sonst braven Schüler der Weg für
die Zukunft versperrt werden, andernialls
könnten die Forderungen der Schule auf
ein Nichts herabgedrückt werden. Die
Kunst des IndividualiSierens wird hier zu
recht maſsvollem Gebrauch des »Monitum«
führen, zumal da, wo ein zeitweiliges Zurück-
bleiben eines Schülers durch Krankheit,
Schüler zu gewähren.

Versetzung
Umzug der Eltern, widrige Familienverhält-
nisse u. dergl. verurgacht war.
6. Mitteilung an die Schüler. Am
letzten Schultage werden die Versetzungen,
wo es irgend angeht, vor versammeltier
Schulgemeinde von Sexta an aufwärts durch
den Direktor bekannt gemacht. Im Ver-
iolg des Gedankens am Eingange dieSes
Artikels braucht dieser leizte Akt im Schul-
jahr nicht mit besonderen feierlichen For-
men umgeben zu werden, Schon deshalb
nicht, damit die Versetzung den ihr zu-
kommenden Charakter des natürlich ge-
gebenen Abschlusses der Jahresarbeit nicht
verliert. Der Direktor wird von der Kunst
des Individualisierens geleitet es geeigneten
Falles nicht an einem kurzen Worte der
Mahnung, des Sporns, des Trostes u. dergl.
jehien lasSen. Doch ist neuerdings nicht
ohne Grund die Gefahr der Abstumpfung
für die Schüler der nächsten Klassen be-
tont worden. Es liegt daher kein Bedenken
vor, die Versgetzungen in jeder Klasse be-
Sonders bekannt zu machen. Die Ver-
Setzung muls auf jeder Zensgur ausdrück-
lich vermerkt Sein, da S0 unbestimmte Aus-
drücke wie »Reife für die nächsthöhere
Klasse« mit Recht verboten Sind. Für die
Schüler der oberen Klassen ist auf der
Zensur wie auf dem Abgangszeugnis der
Datum des Versetzungsbeschlusses zu ver-
merken, und zwar mit Rücksicht auf die
Sich an die Versetzungen anschlieſgenden
Berechtigungen und den Eintritt in prak-
tiSche Berufe. So muls das Zeugnis der
Reife für Prima audrücklich den Versetzungs-
vermerk enthalten.
T. Versetzungsbericht und Versetzungs-
Statistik. An die Versetzungsverhandlungen
Schlieſst Sich endlich die Berichterstattung
über die Versetzungen an. Diese ist eine
doppelte, zunächst die alljährliche, um der
vorgesetzien Behörde einen Sicheren Ein-
blick in die Praxis der Schule, deren inneres
Leben und Wirken und den Einfluſs des
Unterrichts und der Erziehung auf die
Wenn auch mit
Recht unter der Voraussetzung normaler
Zustände in der Schule eine möglichst
ausgiebige Versetzung als Frucht der ge-
Samten Schularbeit erwartet werden kann,
SO ist es doch Sache der Berichterstattung,
auf alle die individuellen Umstände näher
; einzugehen, welche fördernd oder hemmend

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