Versetzung -- Verspätung -- Verstellung, krankhafte 615

auf das Ergebnis der Jahresarbeit eingewirkt
haben. Es wird Sich dann jedem Kenner
ungezwungei die Überzeugung aufdrängen,
daſs von einer mechaniSschen Schablone
oder einer Uniformierung in keiner Weise
die Rede Sein kann und Sein Soll. Aber
freilich zwischen unabwendbaren Hemm-
nisSen, wie Krankheiten der Lehrer, häu-
figen Vertretungen, Schwächeren Jahrgängen,
die bekanntlich 80 wechseln wie die Jahr-
gänge im Weinbau und Lässigkeiten, un-
geeignetem Unterricht, unzulässiger Steige-
rung der Anforderungen in bezug auf In-
halt oder Form, oder gar der Neigung,
persönlichen Stimmungen Raum zu geben,
iSt wohl zu unterscheiden. Einen breiteren
Boden nimmt die periodiSsche Berichterstat-
tung in den Verwaltungsberichten ein.
Man mag in unsern Tagen die Statistik
überschätzen, man mag gie andrergeits
fürchten wie ein unvermeidliches Unheil,
für den Kenner Sprechen die StatistisSchen
Erhebungen doch eine vernehmliche Sprache.
Es Spricht für oder wider die Gegundnheit
des inneren Schullebens, wenn ein erheb-
licher Prozentsatz der Schüler die Ver-
Setzung im ersten oder erst im zweiten
Schuljahre erreicht; es ist lehrreich zu
wiSsSsen, auf welchen Klassenstufen Jahraus
jahrein Hemmungen für eine ausgiebige
Versetzung entstehen, es iSt Sehr bezeichnend
zu erfahren, wie viele Kinder gemeinsam
von Sexta auf bis zur Prima aufsteigen,
ja gemeinsam zur Reifeprüfung Sschreiten.
Wo eine Schule auf die Aufnahme frem-
der Schüler angewiesen ist, kann der Ver-
gleich des Anteils der eigenen und frem-
den Schüler an der Vergetzung auf das
Leben der Schule ein helles Licht werfen.
Begonders aber ist in Sozialer Hinsicht ein :
Linblick in die Statistik der Versetzungen
höchst lehrreich. Es Sei z. B. nur an den
Anteil der KonfesSionen und Religionen
erinnert; ohne Solche Statistigche Unter-
lagen dürfte z. B. alles öffentliche Reden
über den Eintritt der Schüler verschiedener
Konfessionen in die verschiedenen Berufs-
zweige des Staatsdienstes haltlos und un-
bestimmt, daher ziemlich wertlos Sein.
Nicht minder Spricht die Statistik des Alters
der Vergetzten, besonders mit Rücksicht
auf deren Konfession, eine deutliche Sprache.
Man urteile also doch nicht allzu gering-
Schätzig über diese Statistiechen EntwicK-

lungen; es lassen Sich alljährlich in An-
Schluſs an die Versetzungskonferenzen die
Vorarbeiten SO zweckmäſsig und übersicht-
lich herstellen, daſs die Schliefsliche Zu-
Sammentassung in den Verwaltungsberichten
unschwer von Statten geht.
Literatur: Instruktionen für die Direk-
toren und Ordinarien. -- Wiese-Kübler, GesSetze
und Verordnungen. -- Versetzungsordnung für
die höheren Schulen Preuſsens vom 25. Okt.
1901. -- Beier, Die höheren Schulen in Preuſsen.
2. Aufl., 8. 130f., S. 244ff.
Glogau. Oskar Altenburg,
Verspätung
Ss. Zuspätkommen
Verstellung, krankhafte
WissSenschaftlich unterscheidet man die
krankhafte Simulation und die krankhafte
Dissimulation von Krankheitssymptomen.
Der Simulant täuscht KrankheitssSymptome
vor, die er nicht hat, der Dissimulant ver-
birgt KrankheitssSymptome, die er Hat.
Simulation ist im Kindesgalter nur bei der
Hysterie häufiger. HySterische Kinder er-
finden zuweilen in raffinierter Weise Krank-
heitssSymptome hinzu. Ein Motiv zur Simu-
lation ist oft gar nicht nachweisbar; in
manchen Fällen liegt das Bestreben Sich
interessSant zu machen der Simulation zu
Grunde. Der Erzieher muls Sich in Solchen
Fällen vor dem voreiligen Schluſs hüten,
daſs alle Symptome Simuliert Sein müſsten,
weil einige Sich als Simuliert erwiesen
haben. Nahe verwandt mit der Simulation
neuer Symptome ist auch die Übertreibung
wirklich vorhandner Symptome. Sie kommt
namentlich bei der kindlichen Hypochon-
drie vor. Dissimulation ist im Kindegalter
ziemlich häufig. Namentlich Wahnvor-
Stellungen und Halluzinationen werden mit-
unter monatelang und Selbst jahrelang von
Kindern geheim gehalten und auf Befragen
geradezu verleugnet. Meist handelt es
Sich um Kinder, die Sich vom Verkehr
mit ihren Kameraden zurückziehen, viel
vor Sich hinbrüten, plötzlich motivlos
lächeln und in ihrem Benehmen oft eine
eigentümliche Vorsicht und ein gesteigertes
Selbstbewuſstsein verraten, welche auf ge-
heimen Verfolgungs- bezw. Gröſfsenideen

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