VerwahrloSsung -- Verwaltung der Schule, sStädtische -- Verweichlicht. Verwöhnt
welche unmittelbar oder mittelbar einem
wirksamen Kinderschutz dienen Sollen und
wollen. Krankhaftes früh zu erkennen und
in Seinen psSychisSchen Wirkungen ein-
zudämmen, für Schwächezustände an-
gemessSene erzieherische Ziele zu Setzen und
geeignete Mittel der Pflege, der Regierung,
des Unterrichts und der Zucht auszuwählen
und anzuwenden, das überschüssige Kraft-
gefühl und den phantasievollen Freiheits-
drang rechtzeitig in gesunde Bahnen zu
lenken und für Besgeres auszunützen, Sind
gewiſs nicht unlöSbare Aufgaben Solcher
Verhütungsarbeit.
Mit dem Inkrafttreten der modernen
FürsorgegesSetzgebung (s. d.) ist die Behand-
lung der gefährdeten Jugend in entscheiden-
der Weise in diese Richtung gelenkt wor-
den. Während bisher von den Einsichtigen
Ständig darüber geklagt wurde, daſs gegen
verwahrloste Kinder gewöhnlich viel zu
Spät vorgegangen würde, nämlich dann
erst, wenn eine gründliche Besserung nicht
mehr erhofft werden könnte, wird der
heutige Umschwung der AuffassSung das
Ziel Seines Fortschritts darin Sehen, die
Frage nicht in erster Linie therapeutisch,
Sondern hygienisSch zu löSen. Es wird
nicht mehr gewartet werden, bis das Kind
wegen unerhörter GeSetzesverletzungen dem
Gericht verfällt, Sondern man wird Suchen,
Seinem Fall zuvor zu kommen. Man wird
es zu vermeiden Suchen, an den Schlimmen
Symptomen der Verwahrlogsung herum-
zukurieren, weit man weils, daſs damit
weder den Kindern noch der Gesellschaft
ein wirklicher Nutzen erwiesen wird; man
wird Sich vielmehr von einer auf breitester
Grundlage arbeitenden Ursachenforschung
beraten lassgen, um die in den Schulen,
Kirchen, Familien, Behörden und in der
Gesellschaft vorhandenen Kräfte zur ratio-
nellen Hilfe gegen die die Jugend verwahr-
logenden Umständen und Einflüsse mobil
zu machen und zusammenzuführen.
Literatur: Alfr. Spitzner, Die pädagogische
Pathologie im Seminarunterricht. Gotha 1902.
--“ Moses, Die Abartungen des kindlichen
Phantasielebens. Langensalza, Hermann Beyer
& Söhne (Beyer & Mann), 1906. -- Trüper,
Zur Frage der Behandlung unserer jugend-
lichen Missetäter. Ebenda 1906. -- Reicher,
Die Verwahrlogung des Kindes und das geltende
Recht. Ebenda 1906. -- Damaschke, Woh-
nungsnot und Kinderelend. Ebenda 1907. --
Kulemann, Die forensisSche Behandlung der

631
Jugendlichen. Ebenda 1907. -- von Rohden,
Jugendliche Verbrecher. Ebenda 1907. -- L.
Bernhard, Beitrag zur Kenntnis der Schlaf-
verhältnisse Berliner Gemeindeschüler. Ebenda
1997. -- Felsch, Die Fürsorge für die Schul-
entlasSsSene Jugend. Ebenda 1907. -- Schäfer,
Bericht über den Kongreſs für Kinderforschung
und Jugendfürsorge in Berlin. Ebenda 1907.
-- Wulfen, Die Psychologie des Verbrechers.
Groſs-Lichterfelde-Ost 1908.
Leipzig. Alfr. Spitzner.
Verwaltung der Schule, Städtische
s. am Schluſs des Werkes
Verweichlicht, Verwöhnt
Verweichlichung und Verwöhnung ge-
hören zu den Schlimmen Erziehereigen-
Schaften, die der Gesundheit, Stärke und
Widerstandsfähigkeit des körperlichen und
geistigen Organismus Abbruch zu tun und
damit zugleich die Grundfesien der Sich
entwickelnden PersSönlichkeit zu unter-
graben vermögen; denn Verzärtelung und
Lustsucht Sind Wurzeln nicht bloſs körper-
licher, Sondern auch Sittlicher Übel. Ver-
wöhnten undVerweichlichten Sind Schwächen
'anerzogen worden, deren Knechte Sie ihr
Leben lang bleiben, wie: Scheu vor An-
Strenguingen und Unlustempfindungen,
Furcht vor Entsagung und Entbehrung,
Stete Besorgtheit um eigene Bequemlichkeit
und eigenen Genuſs, Unfähigkeit, die Sinn-
lichen Instinkte zu bemeistern, körperliche
und Sgeistig-sittliche Schlaffheit, Willens-
Schwäche und Empfindelei, kurz der epi-
kuräiSche Egoismus in allen Seinen Spiel-
arten und Folgeerscheinungen. (Vergl.
Leckerei, Sinnlichkeit, Reizbarkeit, Selbst-
Sucht u. a. m.) Kränkliche, blutarme, bleich-
-Süchtige und nervenleidende Kinder werden
am häufigsten und leichtesten Opfer der
Verweichlichung und Verwöhnung, und
müssen deshalb besonders vorsichtig be-
handelt werden, wenn Sie nicht an Leib
und Seele verkümmern und verkrüppeln
Sollen. Grundsätzlich allen Faxereien und
Übertreibungen abhold, können wir doch
nicht umhin, der Abhärtung, Sofern Sie die
rechte Mitte zwischen Sspartanischer Rauheit
und Ssybaritischer Lauheit hält, das Wort
zu reden. Je eher und je öfter das Kind
angemessene » Lebenshemmungen « (Schleier-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.