512 Wilhelm Franzisket
Gründen als beſchränkt leiſtungsfähig (berufsſchwach) anzuſchen ſind oder infolge
beſonderer wirtſchaftlicher Verhältniſſe bei voller beruflicher Leiſtungsſähigkeit nicht
in einer Arbeitsſtelle untergebracht werden können.
Die Wirtſchaft zieht dieſe Arbeitskräfte in Zeiten der Hochkonjunktur nach dem
Grade der perſönlichen Fähigkeiten in mehr oder weniger ſtarkem Umfange zu
wirtſchaftlichen Leiſtungen heran, um ſie nach Bedarf wieder. in erſter Linie zu
entlaſſen. Dieſe Arbeitskräfte ſtellen mithin die Reſerve der Wirtſchaft dar, auf
die ſie immer wieder zurü&greifen muß, wenn konjunkturmäßig die Nachfrage
nach Arbeitskräften ſteigt. Für die Wirtſchaft des Volkes iſt es von großer
Bedeutung, daß auch dieſe Reſerve in ihrer beruflichen Leiſtungsfähigkeit in jeder
Weiſe gefördert wird, weil nur dadurch der Wirkungsgrad der Betriebe und die
Güte der Erzeugniſſe geſichert bleiben, was zur Aufrechterhaltung der Konjunktur,
(weltwirtſchaftlich geſehen) mindeſtens aber zu einem wirtſchaftlich erträglichen
Abklingen beizutragen geeignet iſt.
Wenn ſchon aus dieſer Erwägung die Notwendigkeit der beſonderen berufs-
pädagogiſchen Fürſorge für dieſe Perſonengruppen hervorgeht, ſo erkennt man die
ſchickſalhafte Bedeutung der Aufgabe gerade für die kommenden Jahrzehnte doch
erſt bei der Betrachtung des Altersaufbaues der deutſchen Bevölkerung. Die ſtati-
ſtiſchen Erhebungen haben ergeben, daß die Alterung des deutſchen Volkes in
den nächſten Jahrzehnten ſtark fortſchreitet, und bis zum Jahre 1975 etwa
8!/; Millionen Einwohner über 65 Jahre (gegenüber jeßt 32/5 Millionen) vor-
handen ſein werden. Es ſind die ſtarken Geburtenzahlen aus den Jahren 1900
b;:; 1910, die ſich in dieſer Weiſe auswirken und ſchon vorher infolge Eintritts
der Invalidität bei fortſchreitendem Lebensalter eine erhebliche Verringerung der
voll Leiſtungsfähigen darſtellen werden. Dieſes bedeutet auf der einen Seite,
daß fortſchreitend eine größere Zahl von Invaliden von der Geſamtheit des
Volkes verſorgt werden muß, nachdem ſie aus dem Wirtſchaftsprozeß ausge-
ſchieden ſind. Auf der anderen Seite trägt der Geburtenausfall während des
Krieges und die gegenüber den Geburtenzahlen in den Jahren 1900 und 1910
verhältnigmäßig ſtark zurücbleibenden Geburtenzahlen der leßten und voraus-
ſichtlich auch der folgenden Jahre zu einem ſolchen Mangel an Arbeitskräften bei,
daß die Wirtſchaft alle im berufsfähigen Alter ſtehenden Perſonen nicht nur zur
vorübergehenden Deckung vermehrten Arbeitsbedarfes, ſondern in ſtarkem Maße
ſo weit nur irgend möglich zur dauernden Beſchäftigung in den Betrieben heran-
zichen muß. Der Anteil der unter 15 Jahre alten Kinder betrug im Jahre 1910
ein volles Drittel (34 0/0) der Bevölkerung, 1925 ein Viertel (26,2 0/0) und
wird wahrſcheinlich bis zum Jahre 1965 auf ein Fünftel (etwa 20,7 0/0) ſinken,
wobei das Verhältnis zur Bevölkerung im berufsfähigen Alter ſich gegenüber
den jeßigen Verhältniſſen infolge des Anſtieges der Greiſenzahl noch erheblich
verſchlechtern wird.
Die erſchütternde Tragik des Schikſals unſeres auf engen Naum zuſammen“-
gedrängten Volkes wird erſt bewußt, wenn man die ſozialen, kulturellen und

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