Die freie Bildungsarbeit der kaufmänniſchen Verbände 689
alsbaldige reichsgeſeßliche Negelung des Berufsſchulweſens in Form eines Rahmen-
geſeßes für dringend geboten erachtet. Im einzelnen befaßt ſich dieſe Denkſchrift
mit folgenden Forderungen: Die Berufsſchulpflicht ſoll ſich auf alle kaufmänni-
ſchen Tätigen beiderlei Geſchlechts vom 14,--18. Lebensjahre mit mindeſtens
zehn Wochenſtunden in der Geſchäftszeit erſtre>en. An allen Pläßen mit einer
ausreichenden Zahl von Handlungs- und Bürolehrlingen iſt die Errichtung einer
beſonderen kaufmänniſchen Berufsſchule, zum mindeſten aber einer kaufmänniſchen
Abteilung, zu verwirklichen. Die Lehrpläne der kaufmänniſchen Berufsſchulen
ſind den Bedürfniſſen der kaufmänniſchen Praxis anzupaſſen. Die Einführung
des Religionsunterrichts wird als ordentliches Lehrfach dringendſt gefordert. Es
ſind beſondere Schulausſchüſſe zu bilden, in denen die Kaufmannſchaft =- Selb-
ſtändige und Angeſtellte = in augreichendem Maße vertreten ſein muß,
Die Handelsſchulen betreffend ſtellt der Verbandstag von Stuttgart 1925
folgende Forderungen:
1. Sämtliche einjährigen Handelsſchulen ſind zu ſol Anzuſtreben ſind dreijährige Handelsſ ſchluß an das ſiebente Volksſc abſchließen.
2. Höhere Handelsſchulen mit einer Jahresſtufe ſind unter keinen Umſtänden zu billigen.
Dringend notwendig dagegen erſcheint der Ausbau der Höheren Handelsſhulen zu Wirt-
ſchaſtsoberſchulen, an denen nach dreijährigem erfolgreichen Beſuch die Reife für das aka-
demiſche Studium der Wirtſchaftswiſſenſ Beziehung den übrigen Höheren Lehrſchulen gleichzuſtellen ſind,
Jungen Kaufleuten, ohne mittlere Reife, die ſi< durc< ihre Strebſamkeit und eifriges
Privatſtudium die nötige Vorbildung angeeignet haben, muß die Möglichkeit gegeben werden,
durch eine Aufnahmeprüfung die Reife für den Beſu zuweiſen.
Der Verbandstag 1926 begrüßte die Beſtimmung zur verſuchsweiſen Ein-
richtung von Wirtſchaftsaufbau- und Wirtſchaftsoberſchulen mit dreijährigem
Lehrgang und anerkennt die Handelshochſchulen und Wirtſchaftsfakultäten als
vollwertige akademiſche Bildungsſtätten. Er ſieht deren Bedeutung jedoch, wegen
der Gefahr eines wirtſchaftsakademiſchen Proletariats, nicht in dem Zuſtrom mög-
lichſt vieler Studierenden, ſondern vielmehr in der Gründlichkeit, Gediegenheit und
Zuverläſſigkeit des Wirtſchaftsſtudiums.
Die einzelnen örtlichen Vereinigungen des Verbandes ſtellen nach den An-
regungen der Verbandsleitung beſondere Bildungspläne auf. Einige haben auch
eigene Schulen eingerichtet, ſo Mainz und Vierſen, Die leßtere ging 1912 bei
Errichtung der kaufmänniſchen Fortbildungsſchule wieder ein. In hervorragendem
Maße iſt der Verband an der Gründung der Hanſa-Heime für katholiſche Kauf-
leute und Studenten in München beteiligt. Mit dieſen ſind verbunden: eine
höhere Handelsſchule, eine Unterrichtsanſtalt (Pädagogium), Heime für Hoch-
ſchüler, Schüler techniſcher Lehranſtalten, ſtaatliche Schulen, Kunſtgewerbeſchulen
uſw, für junge Kaufleute, kaufmänniſche Lehrlinge und Handelsſchüler,
Cühne, Handbuch für das Berufs- und Fachſchulweſen 44

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