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andern Schulen lernten die Kinder Fragen aus»
wendig, die ſür eine gewiſſe Art von Beſchrei»
bungen paſſend waren. Cin Tier wurde nach
folgenden Fragen beſchrieben: Wa3 iſt das Tier?
Welche Teile hat e8? Wie iſt der Kopf? der
Rumpf? die Glieder? Wovon lebt e8? Welchen
Nußen od. Schaden hat e8? uſw. Dabei kam es
den Schülern mehr zum Bewußtſein, daß ſie einen
A. anfertigten. Einen Wert für das Leben aber
hatten auch ſolche Übungen nicht. Selbſt dann
bleibt der Wert dieſer Übungen noch gering, wenn
man dem Beiſpiele der Lehrer ſolgt, welche die
Kinder auswendig lernen laſſen: Wenn ich ein
Tier beſchreibe, jo gebe ich zuerſt an, zu welcher
Art von Tieren es gehört, dann ujw. Beſchrei-
bungen in dieſer Form ſallen am beſten ganz ſort;
denn Schilderungen laſjen ſich viel intereſſanter
u. fruchtbarer geſtalten, al8 oben angedeutet. ---
Handelt es ſich beim A, nicht um einfache Er»
zählungen, deren Inhalt vollſtändig gegeben iſt,
od. um Beſchreibungen nach einem beſtimmten
Schema, ſo müſſen Geſichtepunſte auſgeſucht
werden, die den Weg weiſen für die logiſche An-
ordnung der Gedanken. Dieſen Weg ſindet aber
nur der, welcher den ganzen Inhalt de3 A.e8 über-
ſchaut. Das iſt einer der Gründe, die es ratſam
erſcheinen laſjen, den A. im Geiſte anzuſertigen,
ehe eine einzige Zeile geſchrieben wird.
IV. Die verſchiedenen Arien von Auſſäken,
A. Die leichteſten u. daher die erſten Auſſäße ſind
Erzählungen aus dem Tunu,. Treiben
des Kindes ſelbſt. Man läßt nun nicht
„Einen Ferientag“ od. „Wie ein Schulkind den
Sonntag verlebt“ od. „Wa3 ein Schulkind vor
Beginn der Schule zu tun hat" beſchreiben, auch
nicht in erzählender Form, weil die Aufgaben zu
unbeſtimmt ſind. Sie ſtellen zu hohe Anforde»
rungen an die Phantaſie der Kinder u. veranlaſſen
dieſe, ſich in3 Weite zu verlieren. Man formuliere
vielmehr die Themata ſo: „Wie ich meinen lehten
Ferientag verbrachte“, „Wie ich den lehßten Sonn-
tag verlebte“, „Wa tat ich heute morgen vor Be=
ginn der Schule?“ So erzählen die Kinder von
ihren Beſchäſtigungen in Haus u. Schule, von
ihren Spielen, ihren Erlebniſſen uſw. Je nach»
dem die Überſchrift lautet, werden die Säße ent=
weder in der Gegenwart od. in der Vergangenheit
ſtehen. Auf eine Geſahr iſi hier aufmerkſam zu
machen. Wenn die Kinder über ihr Tun u.
Treiben berichten, ſo zeigen ſie ſich gern in einem
möglichſt günſtigen Lichte, Sie müſſen de8halb
angehalten werden, bei der Wahrheit zu bleiben,
u. ſie werden das um ſo eher tun, je deutlicher ſie
R daß der Lehrer ſich nicht3 vorſchwindeln
läßt.
An die Erzählungen aus dem Leben des Kinde3
ſind ſol Aufſaß in der Volksſc
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Noggenfeld beſtellt, eren pflanzt, wie er einen
Schrank, ein Paar Schuhe, einen No> anfertigt,
eine Fenſterſcheibe einſekt uſw. Solche Auſgaben
dürfen auch gegeben werden, wenn die Kinder
dieſe Arbeiten nicht bei dem eignen Vater, wohl
aber bei andern beobachten können. Dabei mag
ihnen manchmal freigeſtellt werden, welche3 Thema
ſie wählen wollen. Cbenſo wird von dem Tun
der Mutter u, der Geſchwiſter erzählt.
Nac< dem Grundjaße „Vom Leichkern zum
Scwerern“ ſind weiterhin ſolche Themata zu
geben, deren Bearbeitung eine größere Le»
benserſahrung erheiſcht, 3. B. „Aus dem
Elternhauſe bis in den Eiſenbahnzug", „Meine
erſte Ciſenbahnfſahrt“, „Wie ich einen Obſtbaum
pflanzte“, „Der Tag meiner erſten heiligen
Kommunion“, „Meine Firmung“ uſw. Cbenſalls
eine Steigerung hinſichtlich) der Schwierigkeit
bieten Erzählungen ſolcher Vorgänge, bei denen
mehrere Perſonen gleichzeitig tätig
ſind. Hier muß zunächſt jede38mal feſtgeſtellt
werden, in welcher Ordnung die Gedanken zwe=
müßig aneinandergereiht werden können. Meiſt
ſind mehrere Wege gangbar, u. den Schülern
kann zwiſchen dieſen die Wahl gelaſſen werden.
Derartige Auſgaben ſind: „Wie der Eiſenbahn-
zug ankam u. abſuhr“, „Was ich auf einer Ziege-
lei beobachtete", „Unſre Kaiſergeburtstagsfeier“,
„Unſre Kartoffelernte“, „Unſre Winterſreuden
auf dem Teich“ uſw. Auch beſondere Ereig-
niſſe bieten Stoſſ zu paſſenden Auſſäßen: der
Empfang einer hohen Perſon, der Cinzug des neuen
Pfarrer3, eine Feuersbrunſt, eine Überſchwem-
mung, Familienſeſte uſw. Iſt die Stoſfülle zu
groß, ſo müſſen die Schüler unter Leitung des
Lehrer3 eine Auswahl treſſen. Dabei lernen ſie
unterſcheiden, wa3 für den A. wichtiger u. was
weniger wichtig iſt.
B. Erzählungen im Anſchluß an da3
Leſebuch. Eine ſchier unerſchöpfliche Fundgrube
von Aufgaben iſt das Leſebuch, Einſache8 Nad-
erzählen des Geleſenen (od. Vorerzählten) empfiehlt
ſich freilich wenig, weil es den Kindern ſchwer
wird, andre paſſende Ausdrüce zu finden als die
geleſenen (od. gehörten). Anderjeit3 iſt das Nach-
erzählen zu leicht, weil die Neihenſolge der Ge-
danken völlig gegeben iſt. Die Leſeſtüke müſſen
daher in irgend einer Weiſe verändert werden,
Erzählende Gedicht ſich leicht erweitern, z. B.: Wanderömann 1,
Lerche (Hey), Kutſchpferd u. Akergaul (Gellert),
Knabe u. Vogel (Hey), Die zwei Pflüge (Caſtelli).
Andre Leſeſtücke werden gekürzt, 3. B.: Verſu-
), Das Bienchen u. die Taube
(Curtmann), Da3betende Kind(Chriſt. v. Shmid).
Manche Leſeſtücke laſſen ſich zu mehreren klei-
nern Erzählungen erweitern; 3. B. „Die Erd-
zuſchließen. In erſter Linie kommen hier die An» ; beeren“ (Chriſt. v. Schmid) zerlegt man in die
gehörigen in Betracht. E3 wird erzählt, was der , Auſſäße : 1. Der verwundete u. entlaſſene Soldat;
Vater am Morgen tut, ehe er zur Arbeit geht,
wie er die Mittag3pauſe verbringt, wie er ein
'9. Das mitleidige Kind. Aus8 „Der Dieb“
'(Neiniel) entſteht: 1. Da3 einſame Kind; 2. Der

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