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ſpiele heldenmütiger B. ſo vieler Tauſende in den
Chriſtenverſolgungen od. ganzer Völker in natio»
nalem Unglück wie der Römer (1, Puniſcher Krieg),
der Spanier u, Preußen (1806 ſſ).
Auch der B. im übeln Sinne, der Hart-
nädigkeit, Starrköpfigkeit u. de8 Eigenwillens --
dieſer unheilvollen pſychiſchen Mißbilbungen prak=
tiſcher Betätigung des einzelnen in Familie u.
Gemeinde, Staat u. Kirche --, muß die Erziehung
ſchon in der Volksſchule ſich zu bemächtigen ſuchen,
indem ſie die Quellen erforſcht u. beſeitigt, aus
denen die genannten Untugenden hervorgehen :
faljches Selbſtgefühl, Eitelkeit, Mangel an Ge-
meinſinn, Ungehorſam. Das wird ihr gelingen,
wenn das heranwachſende Geſchlecht mehr an ſeine
Pflicht als an ſein Recht erinnert u. dem gefähr=
lichen Nimbu38 des Goetheſchen Ausſpruches als
irrtumsloſer Wahrheit entrückt wird: „Höchſtes
Glück der Erdenkinder iſt nur die Perſönlichkeit.“
Denn wahre B, mißkennt eine Jugend, die per=
ſönliche, ſittliche Freiheit mit Zügelloſigkeit u.
ſchrankenloſer Unabhängigkeit verwechſelt u. in der
Unterordnung der eignen Meinung unter die
beſſere Einſicht der andern, zumal der geſeßlichen
Autorität, ſittliche Schwäche, Untreue gegen fich
jelbſt, Charakterloſigkeit, in der Einordnung in
ein vernünſtig geleitetes Ganzes Minderung der
perſönlichen Würde erbliät.
Es kann nicht ſchwer halten, die Jugend zu
überzeugen, daß B. nicht mit Erſtarrung, geiſtigem
Tod, ſittlichem Stilleben , Ablehnung jedes ge-
ſunden Fortſchrittes auf ſozialpolitiſchem Gebiete
zu verwechſeln iſt. „Das ec aus dem Alten, Vergangenheit muß unſre Zu=
kunft gründen“ (A. W. Schlegel). Cben dieſe
Keime geſunder Weiterbildung ſichern den unzer=
ſtörbaren Fortbeſtand de38 Altbewährten, des „Be=
harrenden“, weil ſie die natürliche Gleichwertig=
keit des Neuen aus dem Alten herleiten, alſo ein
natürliches Necht u. den organiſchen Zuſammens=-
hang beider aufzeigen. Wahre B. iſt ſtetiger Auf=
ſtieg zur Vollkommenheit. Denn
„Alles Menſchliche muß erſt werden u. wachſen u.

reifen,
Und von Geſtalt zu Geſtalt führt an die bildende
Zeit“ (Sc [A. Wagner.]
Beherrſchung ſ. Selbſtbeherrſchung.
Behutſamxpeit ſ. Vorſicht.
Behütung der Kinder ſj. Beauſſichtigung,
Fürſorgeerziehung.
Beichtbücher (Beichtſpiegel). 1. Beicht-
bücher, auch „Bußbücher“ genannt, ſind alte
Sammlungen kirchlicher Vorſchriften u. Grund
ſäße für die Behandlung der Sünder beim Buß-
gericht der Kirche. Sie gehören etwa ſeit dem
7. Jahrh. zu den kirchlichen Amts8büchern des
Seelſorgers. Hervorgegangen ſind ſie aus den
Bußkanone38 der alten Synoden u. aus den Buß»
briefen einzelner berühmter Theologen, wie etwa
de8 Gregor Thaumaturgo8 od. des Gregor v.

Beherrſ
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Nyſſa über die Handhabung der Bußdiſziplin.
Berühmte Bußbücher dieſer Art find 3. B. die
Bußordnung de38 hl. Patrizius (um 546) für Ir=
land, de3 Griechen Theodor, Erzbiſchofs v. Canter»
bury (f 690), für die angelſächſiſche Kirche, des
Hrabanus Maurus (um 841 begonnen). Schon
im 9. u. dann vor allem im 10. Jahrh. erhob ſich
eine ſ weitgehenden Laxi8mus huldigten. Viele Synoden
beſchäftigten ſich mit den ſchlechten u. unzuver=
läſſigen Werken dieſer Art, Das führte zum all
mählichen Verſchwinden der B., zumal auc die
alte Bußdiſziplin außer Gebrauch kam.
Die B. wurden abgelöſt durch die Summaso
de poeniteontia, praktiſche Unterweiſungen für
die Beichtväter in mehr ſyſtematiſcher Ordnung.
Dieſe wuchſen ſich aus zu den Darſtellungen der
gegen Ende de3 12, Jahrh. „Beichtformeln“ od.
auch „Beichttaſeln“ auf, die ſich ſpäter dur den
Druck weit verbreiteten. E38 waren kurze Anlei»
tungen zur Ablegung der Beichte, beſonders zur
Erforſchung de38 Gewiſſens, Das Schema dafür
waren in der 1. Hälfte des Mittelalter3 die 7
(od. 8) Wurzelſünden, ſpäter dann der Dekalog.
Erweitert wurden dieſe Beichtformeln im 15. u.
16. Jahrh. zu „Beichtbüchlein“. Aus der Zeit
von 1450 bis 1520 laſſen ſich noc ſchiedene Ausgaben nachweiſen. Dieſe Beicht=
formeln, =tafeln u. =büchlein enthalten zur Ges
wiſſenöerforſchung bereit3 den Beichtſpiegel,
eine Aufzählung der am häufigſten vorkommenden
Sünden. Gewöhnlich war er in Frageform ge=
faßt, wie er ſich noch jeßt in den meiſten Gebet=
bern (u. zwar in der Ordnung der 10 Gebote)
findet.
11. Der gedruckte Beichtſpiegel als Erleichte=
rung für die Gewiſſenöerforſchung iſt gegenwärtig
ein faum noch entbehrliches Hilf3mittel für den
Beichtunterri „das Hinabſteigen in die Tiefen de38 eignen
Herzens“ nicht durd< einen „ſ Mechani8mus“ erſeßt werden. Das rechtfertigt
aber nicht die Verwerfung der Benußung eine3
Beichtſpiegel8. Allerdings darf der Katechet nicht
ohne vorherige Anleitung zum Gebrauche ihn den
Kindern in die Hand geben. Der Kinder-Beicht=
ſpiegel ſoll in erſter Linie ein Hilfsmittel für den
Unterricht u. erſt an zweiter Stelle eine Hilfe für
die nächſte Vorbereitung auf die Beichte ſein.
Keinesſall3 darf er im Beichtſſuhl abgeleſen wer»
den. Am beſten wird der Beichtſpiegel in der
Ordnung der 10 Gebote aufgebaut. Dazu kommen
Fragen über die leßte Beichte, über die Kirhen=
gebote u. die 7 Hauptſünden. Deren Erforſchung
iſt de3halb wichtig, weil ſie anleitet zur Aufde>ung
der Hauptleidenſhaſt, der Wurzel der übrigen
Sünden, u. weil beſonder3 die Unmäßigkeit u.
die Trägheit ſonſt leicht überſehen werden. Der
Veichtſpiegel muß ſich in all dieſem an den Kate-

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