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ſondern nur don krankhaften B.8ſ von einer Diſſoziation der Gedächtnisdispoſitionen
Uy. von einer mangelhaſten geiſtigen Verarbeitung
des Erſahrungsmaterial8 geredet werden kann,
Die Geſühlslage de3 krankhaſten Zuſtandes, die
von der normalen Lage weſentlich abweicht, be-
wirkt eine Gruppierung der Erlebniſſe um einen
ſcheinbar ſremden Einheit8punkt. Das krankhaſte
Ih iſt mit dem normalen identiſch, es hat nur
ein andre38 Ausſehen,
Literatur. J. Wolff, Das B. u. ſein Objekt | H
(1890); H. Höfſſding, Ee (*1908); A. Pſän»
der, Einſührung in d. Pſythologie (1904); Mercier,
en deutſch von Habrich (2 Bde, 19086 f);
agemann»Dyroff, Pſychologie (*1911); Geyſer,
Lehrb. d. allg. Pſychologie (?1912; reiche Biteratur-
angabe; klare 11, gründliche Darſtellung) ; derſ.,
Einführung in die Pſythologie der Denkvorgänge
(1900); E. Dürr, Die Lehre von der Aufmerkſam»
eit (1907); derſ., Einführung in d. Pädag. (1908);
3. BDeßhmer 8. J3., Die Grundlagen d. Seelen»
ſtörungen (1906); der]., Störungen im Seelenleben
(21907); WW. Hellpach, in Zeitſchr. für Pſychologie
XLVI1 (1908). Biel Neues zur D.vanalyje bietet
au< das Archiv |. d. ge]. Pſychologie (Meumann
Uu. Wirth). [Switalski.]
Bezirköſchulinſpektor ſ. Schulauſſicht.
Bipel, I. Grundjähliche Bedeutung der
B. für die Nirche. Als Chriſtus ſein Lehr» u,
Erzieheramt antrat, ſand er die altteſtamentliche
B. als Glaubens8quelle vor u. erkannte ſie als
inſpiriertes Wort Gotte8 an. Sowohl bei der
Belehrung ſeiner Jünger wie bei der Widerlegung
ſeiner Gegner ſtühte er ſic) darauf. Ausdrücklic
erklärt er, daß er nicht gekommen ſei, das Geſch
u. die Propheten aufzuheben, ſondern zu erfüllen.
„Wahrlich, ich ſage euch: Bi3 Himmel u. Erde
vergehen, wird nicht ein Strichlein od. ein Punkt
vom Geſehe vergehen, bis alle3 geſchicht“ (Mt
5
, 18).
Den Juden gegenüber, denen bis dahin die B.
anvertraut war, nahm er hierbei eine verſchiedene
Stellung ein, je nachdem er mit Prieſtern u. be-
rufenen Schriſtauslegern od. mit dem Volke zu
tun hatte. Nur jene ſragte er: „Was ſteht ge»
ſchrieben im Geſetze? Wie lieſeſt du?“ (Lk 10,
26.) Bei dem Volke dagegen ſeht er voraus, daß
es durch Hören zur Kenntnis de3 Geſehes ge»
kommen ſei. Dieſer Vorausſehung entſpricht die
Äußerung aus dem Volke: „Wir haben aus dem
Geſetze gehört, daß Chriſtus bleibt in Ewigkeit"
(Jo 12, 34).
Dieſen Unterſchied zwiſchen einer lehrenden,
zur maßgebenden Schriftauslegung berufenen, u.
einer hörenden Kirche in dem altteſtamentlichen
Bundesvolke beſtätigte Chriſtu8 ausdrüclich, in»
dem er zu dem Volke u. ſeinen Jüngern ſprad):
„Auf den Stuhl de3 Moſe3 haben ſich die Schriſt»
elehrten u. Phariſäer geſeßt. Alles alſo, was
ie immer euch ſagen, haltet u. tuet!“
(Mi 23, 2 3.) In ſeiner neuteſtamentlichen Welt»
kirche aber wollte er dieſen Unterſchied beibehalten
Bezirksſ
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wiſſen, Darum knüpſt er die Ausbreitung ſeine3
Reiche8 an die autoritative mündliche Verkündi»
gung de3 Evangeliums, „Gehet hin u, lehret alle
Bölker!“ (Mt 28, 19.) Nur die von ihm ge-
[open Apoſtel haben das Recht u. die Macht,
eine Lehre irrtum8lo3 zu predigen, Zu dieſem
zwecke werden ſie mit dem Beiſiande des Heiligen
eiſte8 ausgerüſtet, der ſie in alle Wahrheit ein-
führen u. ſie an alles erinnern wird, was immer
Spriſtus | nen geſagt hat (Jo 14, 26; 16, 13).
jerdurch wird ihrer lehramtlichen Predigt die
Autorität Chriſti ſelbſt verliehen. „Wer euch hört,
hört mich“ (Lk 10, 16). Indem Chriſtus auf
dieſe Weiſe durch das kirchliche Lehramt für alle
Zeit die Predigt de8 Evangeliums fortſeßt, kommt
ſein Wort zur vollen Geltung: „Einer iſt euer
Lehrer, Chriſtus“ (Mt 23, 10).
Von dieſem Bewußtſein der Autorität durch»
drungen, legten die Apoſtel die B. nach deim Vor-
bilde Chriſti aus u, forderten daſür unbedingt
gläubige Annahme. Dieſe Art der Heilsverkündi-
ung iſt ihnen ſo ſelbſiverſtändlich, daß Paulus
kündigung, die Verkündigung aber geſchieht durd)
das Wort Chriſti“ (Nöm 10, 17). Nicht durd
Scriſten iſt die Kirche gegründet worden, ſon-
dern durch da3 lebendige Wort.
Hieran geſchah auch keine Änderung, als all-
mühlid) der neuteſtamentliche Scriſtkanon aus
einer Neihe apoſtoliſcher Gelegenheitsſchriſten er»
wuchs u. als inſpiriertes Gotteswort dur< das
kirchliche Lehramt anerkannt wurde. Einige Apoſtel
ergänzten u. unterſtüßten durch dieſe Scriſten die
bereit8 angenommene Glaubenslehre in ihren Ge-
meinden. Vor dem 3. Jahrh. hat kaum eine
einzige Kirche das ganze Neue Teſtament beſeſſen.
So beſtand die Kirche jahrhundertelang in jugend»
licher Kraft, ohne daß die B. vollſtändig in den
Händen der einzelnen Chriſten geweſen wäre, Die
nachapoſtoliſche Kirche betrachtete das Alte wie
das Neue Teſtament al38 Glaunbens8quelle, ohne ans
zunehmen, daß alle von Chriſtus gelehrte Wahr-
heit darin enthalten ſei. Wie ehedem in der Syn»
agoge, ſo gehörte auch in der die öſſentliche Vorleſung der Heiligen Schriſt zum
Gottesdienſte. Die private Leſung der B. war
keine8wegs verboten, wurde jedoch nicht als not»
wendig angeſehen u. mußte in Abhängigkeit vom
kirchlichen Lehramte geſchehen. „Dieſer Ordnung“,
ſchreibt Irenäus (CO. haor, 3, 6. 4: Migne, P.
gr. VII 855), „folgt eine große Zahl ungebil-
deter Völker, die ohne Papier u, Tinte an Chri-
ſtus glauben u, ohne Papier u. Tinte in ihrem
Herzen das Heil geſchrieben haben u. darin die
alte Überlieferung (des Glaubens) ſorgfältig be-
wahren. Diejenigen, die ohne die Schrift den
Glauben empfangen haben, ſind der Sprache nach
Barbaren, in bezug auf Geſinnung u, Geſittung
gefallen ſie Gott durch den Glauben." Dieſe
grundſähliche Bedeutung der B, in der Kirche an-
erkennt jeder Katholik in dem vom Konzil von

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