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b. G. auch eine au8gedehntere Kenntnis
der heiligen Bücher bewirken, eine kleine
Schulbibel ſein, die zum ſpätern fleißigen Leſen in
der größern Hausbibel anregt u. anleitet ? Dieſe
Frage hat in den zulebt erſchienenen bibliſchen
Geſchichtsbüchern von Eder u, Stieglih (früher
ichon von Mathias) ihre Löſung in bejahendem
Sinne geſunden. Die verſchiedenen Ziele wirken
natürli) außer auf die Behandlung au auf die
V. Aus8wahl u. Anordnung der bibliſchen
Erzählungen in den Geſchicht8büchern ein. Ein
gewihle Kanon dieſer ſteht ſchon zwar ſeit längerer
Zeit ſeſt; aber in ihrem Umfange u. ihrer Reihen»
folge ſowie in der Auswahl der über dieſen Nahmen
hinausgehenden Erzählungen zeigt ſich eine große
Verſchiedenheit, je nachdem das moraliſche Mo-
ment (wie in den ältern bibliſchen Geſchicht3-
büchern der Aufklärungszeit), od. die hronologiſche
Ordnung (Schuſter), od. der pragmatiſche Geſichts-
punkt (Galura, Hirſcher, Barthel), od. die Unter-
ſtüßung des Katechiumus (Knecht), od. die Erweite-
rung der Bibelkenntnis (Eder) beſonders berüc>-
ſichtigt wird. Bezüglich der Auſnahme der ſonn-
u. feittäglichen Cvangelien herrſcht verſchiedene
Praxis: die meiſten Geſchichtsbücher haben ſie in
den Text aufgenommen, einzelne geben ſie in Bei-
lagen, Knecht hat ſich zur Aufnahme aller nicht
entſchließen können.
VI. Über die Stellung der b. G. zum Kate-
' die eine (nachdrücklich vertreten von Knecht u.
Schöberl) vindiziert die Leitung u, Führung im
Religionsunterrichte dem Katechimus, die andre
(von Schubert verſochten) verlangt, daß die Kate-
gange eingegliedert werden ſollen. Der Vermitt-
lungsvorſchlag Göttler3 geht dahin, daß die Hege-
monie auf der Unterſtufe der b. G., auf der
Oberſtufe dem Katechiamus gebühren ſolle. Die
befriedigende Ausgleichung wird wohl in dem
taktiſchen Grundſaße geſunden werden können, daß
beide Teile auf der Unterſtufe vereinigt werden,
auf der Mittel» u. Oberſtufe aber getrennt (frei-
lich in enger Fühlung) marſchieren u. zuſammen
ſchlagen.
Literatur. Vgl. zu den im Artikel bereits
genannten Werken noc<: Sc<öberl, Lehrb. d. kath.
RKatechetik (1890); Bürgel, Geſch. des Religions-
unterrichts in d. kathol. Volk8ſhule (1890, in Kehr,
Geſch. der Methodik des deutſchen Volksſchulunter-
richts V1*); derj., Handb. d. Geſch. u. Methodik des
Neligionßunterr. (1909). [F. W. Bürgel.]
Bienenzucht, Die B. wird häufig u. mit
Necht die Poeſie der Landwirtſchaft genannt, denn
ſie vereinigt in ſich reale wie ideale Zwecke u. Ziele,
Der Name iſt wohl neuern Datums. Da3 Mittel»
alter kennt nur das Zeidelweſen. Von einer B.
konnte in früherer Zeit auch wohl kaum die Rede
ſein, weil da8 innere Leben des Bienenvolk3 vor
Erfindung der beweglichen Wabe faſt ganz un-
bekannt war.
Bienenzucht.

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Von jeher hat das Leben u. Treiben dieſes
fleinen Sonnenvögel höchſte intereſſiert. Wir dürfen uns de3halb nicht
wundern, wenn ihr Tun u. Treiben, ihr ſprich-
wörtlich gewordener Fleiß von Dichtern aller
Nationen beſungen werden. Freilich kainen da=
dur bie Kenntniſſe über das innere Leben de3
Bienenvolke3 aus den Kinderſchuhen nicht heraus.
Das änderte ſich erſt um die Mitte des 19. Jahrh.,
als der ſchleſiſche Pſarrer Dzierzon (1811/1906)
durch eingelegte u. mit Vorbau verſehene Stäbchen
da3 Herausnehmen u. unverſehrte Wiederzurück-
bringen der Bienenwabe ermöglichte. Seit dieſer
Zeit folgte eine Entde>ung der andern, u. die
B. nahm einen ungeahnten Auſſchwung. Sog.
Großbienenzüchter gab e8 früher nur in der
Lüneburger Heide u, vereinzelt noch in Mittels
deutſchland ; jeht ſind ſie überall zu finden. Wenn
die B. früher bei den primitiven Kenntniſſen ſchon
imſtande war, ihren Mann zu ernähren, ſo iſt da8
in unſrer Zeit noch in viel höherm Grade der
Fall. Jn dieſer Hinſicht ſchreibt Dzierzon, daß
ihm ſeine B, 2*/,mal ſoviel eingetragen habe
als ſeine Pfarrſtelle, Immerhin gehört dazu die
erforderliche Intelligenz verbunden mit theoretiſcher
u. praktijcher Sachkenntni38 ſowie annehmbare
Trachtverhältniſſe. Wichtiger aber no B. für die Beſruchtung der Blüten ; man hat be=
rechnet, daß der Nußen eines Bienenſto>e3 nach
dieſer Nichtung die Summe von 40 X bedeute.
Obwohl aber der Wert der B. in ideeller wie
materieller Hinſicht ſchr höc< anzuſchlagen iſt, hat
ſie doc< erſt von da ab raſchere Fortſchritte gez
macht, als man anfing, allerort8 Vereine zu grün=
den u. dieſe aus Staatsmitteln zu unterſtüßen.
Wenn nun aud) durch Fleiß u. erweiterte Kennt
niſſe die Zahl der Bienenvölker erfreulicherweiſe
ſich mehrte, ſo war e3 die Nuhr, die in manchen
Jahren Tauſende von Stöen vernichtete, ſo daß
oft Jahre vergingen, bi8 die Lücken wieder aus=-
gefüllt waren. Aber auch dieſem Übel wurde vor=
gebeugt durch die Ende der 1880er Jahre von
Lehrer Freudenſtein gemachte Entde>ung, daß die
Nuhr durch kandierte3 Winterfutter erzeugt werde.
Nimmt man dieſe3 dem Bienenvolke herau3 u.
gibt ihm dafür eine paſſende Zuckerlöſung, dann
iſt die Gefahr des Kandieren8 u. des Au8bruch3
der Ruhr beſeitigt. Leider naht aber ſchon ein
andrer, noch viel geſährlicherer Feind: die Bienen=
peſt, genannt Faulbrut, Ob dieſe3 große Übel
durd) Belehrung, geſeßliche Maßnahmen (ein Gez
ſehentwurf wurde im Frühjahr 1912 im Neichs8=
amt des Jnnern für die kommende Seſſion de3
Reichstag3 fertiggeſtellt) od. hemiſche Präparate
beſeitigt werden kann, ſteht vorläufig no dahin.
Aber derartige Fährlichkeiten, die ſich mehr od.
weniger in allen landwirtſchaftlichen Gebieten
finden, dürſen uns nicht abhalten, der B. fort=
geſeßt unſer Intereſſe zuzuwenden; denn ſie eignet
fich als Nebenbeſchäſtigung --- ganz abgeſehen
von ihrer Einträglichkeit --- beſonder8 für geiſtig

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