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Arbeitende, weil ſie ihnen einen angenehmen u,
erfriſchenden Wechſel zwiſchen geiſtiger u, körper»
licher Arbeit bietet,
Hier kommt hauptſächlich der Lehrer in Betracht;
einmal de3wegen, weil er meiſt über ein R
für einen Bienenſtand im Schulgarten verfügt,
anderſeits aber auch wegen der ihm anvertrauten
Zugend Jjelbſt, die er zu allen dabei notwendigen
Arbeiten herbeiziehen u, ſie dadurch theoretiſch u,
praftije) auf die einfachſte u. natürlichſte Weiſe in
en Betrieb der B. einführen kann. Wohl ihm,
wenn er möglichſt viel Geſchi> zu praktiſcher, manu»
eller Betätigung veſipt. Denn daz3 iſt zweiſello3
klar, daß die B. um jo eher 1, leichter einträglich
wird, je weniger von außen her beſchafft werden
muß. Kommt dann dazu noch eine kleine Werk»
ſtatt mit den nötigſten Werkzeugen, ſo iſt 10
gegen 1 zu wetten, daß e3 ſür die männliche junge
Welt eine wahre Luſt iſt, mit Hammer u. Säge
zu hantieren. Man muß die leuchtenden Augen
10/12jähriger Knaben geſehen haben, die unter
der ſachkundigen Leitung de3 Lehrer8 einen
Bienenkaſten herſtellen. Mag das Aus» u, Ab-
hobeln von Brettern u. Leiſten auch nicht gleich
tadello3 gelingen; da3 fällt bei der Herſtellung
eines Naſiens mit Strohwänden nicht ſonderlich
ins Gewicht, Die Bienen kümmern ſich nicht darum,
ob die Holzteile ſehr glatt abgehobelt ſind od. nicht.
Auch das Form» u. Größenverhälini8 der Waben
an u. für ſich iſt nicht ſo wichtig, wenn auch manche
Bienenzüchter heutigen Schlage3 hiervon alles Heil
erwarten, Von Bedeutung iſt vielmehr, daß die
einmal angenommene Wabenform u, -größe bei
allen auf demſelben Stande benuhten Wohnungen
ein u. dieſelbe iſt, e3 ſei denn, daß die verſchie»
denen, da u, dort gebräuchlichen Wohnungsſyſteme
zur Anſchauung gebracht werden ſollen.
Die Honigbiene, Imme, iſt ein Geſchöpf der
Wärme. Im Freien erſtarrt ſie ſchon bei einer
Temperatur von 6/8 * R; zwiſchen 15 u. 25 9R
entwickelt ſie ihre größte Leiſtungsſähigleit, ihren
regſten Sammeleiſer. Troßdem Überſteht ſie ſelbſt
den ſtrengſten Winter, weil im Stoke, wo das
Volk einen kugelähnlichen Winterknäuel bildet,
die Temperatur immer eine gewiſſe Höhe behält,
Wenn ſreilich ein relativ ſchwaches Volk in einer
undichten Wohnung ſißt u. zudem noch ungeeignete
Winternahrung hat, dann kann e38 vorkommen,
daß es zugrunde geht. De8halb muß der Züchter
ſchon im Auguſt auf die Einwinterung ſein Augen»
merk richten. Er muß ſorgen, daß die Wohnung
dicht, warmhaltig u, vor Mäuſen ſicher iſt, daß
der Wabenbau weder zu jung noch zu alt iſt,
ferner daß das Volk ſtark u, kräſtig iſt u. dazu
geeignete, ausreichende Winternahrung ſowie eine
gute u, geſunde Mutter hat, Triſſt das alles zu
u, ſteht die Wohnung unter Dach u. Fach auf
zugluſiſreiem Plaße, dann braucht der Bienen»
vater ſelbſt den ſchlimmſten Winter nicht zu fürchten,
Soll die neuere, die rationelle B. auch auf dem
Lande Eingang finden, dann muß eine geeignete
Bienenzucht,

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Berſönlichkeit die nötigen Unterweiſungen erteilen,
u. das iſt, wie bemerkt, der Lehrer, Er kann dies
um ſo leichter, je mehr Einfluß er auf ſeine Schüler
Y. durch dieſe auf deren Eltern hat, Wenn er in
allem mit gutem Beiſpiele vorangeht u, auch dafür
ſorgt, daß obige Forderungen pünktlich erfüllt
werden, dann muß die B, unter ſeiner verſtän»
digen Leitung erwünſchten Fortgang nehmen.
Auch die allmähliche Verbeſſerung derBienenweide,
die Anpflanzung ſolcher Futtergewächſe, die neben»
her noh gute Bienennahrung liefern (Weißklee,
Eſparſette, Raps, Buchweizen uſw.), wird auf
keine beſondere Schwierigkeit ſtoßen, wenn der
Landmann einſehen gelernt hat, daß hier nur ſein
eigner Gewinn in Frage ſteht.
Für den tlichtigen Lehrer wird es eine beſondere
Freude ſein, wenn er e3 dahin bringt, daß die Orts»
bewohner oft u. gern ſeinen Bienenſtand beſuchen,
wobei er dann Belehrungen geben kann über die
3 Bienenweſen, vor allem über die Bedeutung der
Königin, warum man dieſe früher Weiſel genannt
hat, wie alle Bienen de3 Stokes ihre Kinder ſeien,
wie nicht8 zuſammengehe, wenn die fehle, u.
wie ihre Kinder wehklagen u, ſie Überall ſuchen
würden, wenn ſie abhanden gekommen wäre. Wie
die Bienen als8dann, wenn ſie die alte Königin
nicht mehr fänden, eine neue zu beſchaffen ſuchten
uſw. Dann erſt die Tauſende von Arbeits-
bienen u. die Drohnen, die natürlichen u. künſt-
lichen Schwärme mit ihren Vor» u. Nachteilen,
die künſtliche Wabe u. deren Herſtellung. Es
gäbe zu berichten über die verſchiedenen Arten von
Bienenwohnungen, die tauſenderlei Geräte, die
Bienenſeinde uſw. Denn gleichwie die Bienen
uns Menſchen zu einem leuchtenden Vorbilde dienen
durch ihre Anhänglichkeit, ihren Opfermut, die ſie
ihrer Königin, ihrer Heimat, ihrem Staate bes
weiſen, ebenſo ſoll auch in uns die Liebe u. An-
vanglichfelt um Vaterlande wachgerufen ſowie
die Treue u. der Opferſinn genährt werden. Das
ſchönſte Beiſpiel von Fleiß geben uns aber ohne
Zweiſel die Arbeit8bienen, Sie beſißen zunächſt
eine wahrhaft bewundern8werte Orientierungs»
gabe, Von Hunderten von Bienenvölkern, die auf
einem größern Stande in mehrern langen Reihen
aufgeſtellt ſind u, die von außen auſ8 Haar
ſieh ähnlich ſehen, findet jede Biene, auch wenn
er Sto> von 50 000/60 000 Znſaſſen bewohnt
iſt, genau ihren Sto>. Wenn man erwägt, daß
die Biene von ihrem Sammeleiſer oft ſtunden
weit hinausgeführt wird, wenn in der Nähe irgend
welche Ausbeute nicht zu finden iſt, u. daß dieſe
underttauſende bei ihrer Nüdkehr durcheinander
wiederſinden, dann erſcheint dieſer ſo ſtark aus»
geprägte Ortöſinn wie ein Rätſel. Ja noch mehr.
Wird die Wohnung um Fingerbreite auf die
Seite geſchoben, dann fliegt die Biene immex zu
nächſt dorthin, wo ſrüher der Cingang war. Selbſt
dann, wenn die Biene den langen Winter über
nicht in8 Freie kam u, wenn ihre Wohnung

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