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den Gymnaſien. War alſo ſeit der Mitte des
19. Jahrh. der B. an beiden Schulgattungen
auch ein gewiſſer Naum zugewieſen, ſo ſpielte ſie
doc) wie die meiſten naturwiſſenſchaſtlichen Fächer
bis in die neueſte Zeit im Unterricht eine ſehr
beſcheidene Nolle. Das lag, wie ſchon geſagt, zum
nicht geringſten Teil an dem Mangel an geeig»
neten Lehrkräften. Dieſciu Mißſtande wurde teil-
weiſe abgeholfen durd Änderung der Prüfungs»
ordnungen, indem man eine mathematiſch-phyſi-
ialiſche u. eine Auch haben die Univerſitäten ſich den Bedürfniſſen
der Schule beſonder3 dur) Errichtung von Semi-
naren mehr u. mehr angepaßt. Auf der andern
Seite ſteht dem botaniſchen Unterrichte verhältnis»
mäßig wenig Zeit zur Verſügung.
1. Stunden- u, Stoſſverteilung. In Preußen
iſt B. auf 4 Jahreskurſe verteilt, ſowohl an
Gymnaſien wie an Nealanſtalten. In einigen
andern deutſchen Staaten, wie in Baden, iſt der
Unterricht auf die 5 untern Klaſſen verteilt, u.
zwar ſind ihm zuſammen mit Zoologie wöchentlich
2 Stunden zugewieſen. Das Winterhalbjahr ſteht
der Zoologie, das Sommerhalbjahr der B. zur
Verfügung. Aber gerade die obern Klaſſen, wo
der Schüler eigentlich erſt mit richtigem Ver=-
ſtändnis das Leben der Pflanze betrachten kann
u. auch eine beſſere bildung beſißt, ſind von dieſem Unterrichte aus
geſchloſſen. Glücklicherweiſe hat ſich hierin in
neuerer Zeit ein Wandel vollzogen, indem an
manchen Anſtalten die B. zuſammen mit Zoologie
al3 ſog. biologiſcher Unterricht (ſ. d.) in den obern
Klaſſen eingeführt iſt, allerdings meiſt nicht ob=
ligatoriſch. Die Erfolge find bi3 jekt ſo zufrieden=
ſtellend, daß durch den Erlaß v. 10. Nov. 1910
die Einführung dieſes Unterrichts in den obern
Klaſſen an allen Schulen befürwortet wird.
In Oſterreich findet nac) dem Lehrplane von
1908 in der 1. u. 2. Klaſſe aller Schulgattungen,
ſowohl in den 7 klaſſigen Real= wie in den 8klaſſigen
humaniſtiſchen Schulen, ein 4monatiger Unterricht
in B. ſtatt. Während er in der 3. u. 4. Klaſſe
ſehlt, wird am Gymnaſium in der 5. Klaſſe ein
Sſtündiger botaniſch = phyſiologiſcher Kur3 ein
Semeſter hindurd gegeben. An den andern An-
ſtalten wird in dieſer Klaſſe das ganze Jahr hin-
durc ein Zſtündiger Unterricht in B. erteilt, wo=-
mit dieſes Lehrfach abſchließt; nur in der 8. Klaſſe
des Nealgymnaſium3 wird noch ein weitere3 Halb=
jahr B. getrieben. Daneben finden an einzelnen
Schulen auch botaniſch-biologiſche Übungen ſtatt,
-- Neben Öſterreich zeigt auch Schweden einen
der Naturgeſchichte günſtigen Lehrplan. Für die
6klaſſigen Nealſchulen, deren 5 erſte Klaſſen den
Unterbau ſür das 4klaſſige Gymnaſium u. da3 Neal=
gymnaſium bilden, gibt die Verordnung von 1906
im Sommerhalbjahr den erſten3Klaſſen 2Stunden,
der 4. affe einen Utündigen, der 5. u. 6. wieder
einen ſtündigen Unterricht in B.--In der Schweiz
hat jeder Kanton einen eignen Lehrplan, ſo daß
Botanik in höhern Schulen.

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e3 ſchwer iſt, hier einen einheitlichen Überbli> zu
geben. Doch auc< da wird im Sommer viel B.
getrieben, wie denn an vielen Anſtalten der bio=
logiſche Unterricht eingeführt iſt.
111. Methodik des botaniſchen Unterrichts.
Zn keinem Unterricht8zweige iſt das praktiſch»
heuriſtiſche Verfahren ſo durchgeführt wie gerade
in der B, Nirgends ſteht aud) das nötige Unter-
ſjuchung3material ſo bequem u. ſo reichlich wie hier
zur Verfügung. Im Klaſſenunterrichte kann ohne
jede Schwierigkeit jedem Schüler jederzeit ein
Pflanzenexemplar in die Hand gegeben werden.
Mit Nadel u. Meſſer, vielleicht auch noch mit einer
Lupe wird die Pflanze eingehend unterſucht u.
zergliedert. Im erſten Jahre8kurſe werden einige
Pflanzen der verſchiedenſten Familien mit leicht
erkennbaren Blütenſtänden ausführlich dur ſprochen u. beſchrieben. Der Hauptwert auf dieſer
unterſten Stufe iſt auf die äußern Formen von
Wurzel, Stengel, Blatt u. Blüten zu legen. Ebenſo
gehört die Kenntnis der wichtigſten Baumarten
hierher. Im zweiten Kurſe wird in gleicher Weiſe
eine Anzahl Pflanzen durc aber auf deren Ähnlichkeit u. Verſchiedenheiten
hingewieſen u. ſchon einzelne Gruppierungen in
Familien verſucht. Bereit3 hier tritt mehr die
biologiſ fluß der Standorte auf Größe u. Blattbildung,
leichtere Beſtäubung3vorrichtungen, Wind= u.
Inſektenblütler, Samenbildung u. =verbreitung
finden hier beſondere Berücſichtigung. Im 3.
Lehrgange werden Pflanzen mit nicht ganz leichtem
Blütenbau, wie Noggen als Vertreter der Gräſer,
Nadelhölzer, behandelt ſowie die Gruppierung der
Pflanzen nach den wichtigſten Familien geübt.
Neben den biologiſchen Erörterungen, welche die
Seele des Unterricht3 bilden müſſen, kommt hier
alſo auch die Syſtematik zur Geltung. Keimungs=
verſuche geben die Unterſchiede von Monokotyle=
donen u. Dikotyledonen, jo daß gegen Ende de3
Kurſe3 mit Erfolg Beſtimmung3übungen gemacht
werden können. Im vierten Kurſe ſind beſonder3
die niedern Pflanzen ſowie die wichtigſten Kulturz
pflanzen zu betrachten. Die Beſtimmungsübungen
werden fortgeführt. Daneben werden jeßt auch
anatomiſc ſuche gezeigt, in erſter Linie die Ernährungsweiſe
der Pflanze. Iſt ein 5. Kur3 vorhanden, ſo
bleiben die anatomiſch =phyſiologiſchen Unter=
ſuchungen dieſem vorbehalten, während der 4. Jahr=
gang einer eingehendern Beſprechung der niedern
Pflanzen, beſonder3 auch der Pilze, gewidmet wird.
Die Pflanzengeographie bleibt meiſt dem geo=
graphiſchen Unterrichte vorbehalten. Bezüglich
der Stoffau38wahl in den obern Klaſſen iſt dem
Lehrer volle Freiheit gelaſſen. Je na ſeiner
Neigung wird in dieſem ſog. biologiſchen Unter=
richt alſo mehr die zoologiſche od. die botaniſche
Seite Berücjichtigung finden. Den Kernpunkt
der botaniſchen Übungen auf dieſer Stufe bilden
pflanzenphyſiologiſ 19*

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