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ſuchungen an niedern Pflanzen. Cbenſo werden
phyſikaliſche u, Pflanzen, wie Ernährung, Waſſerauſnahme u.
Verbranch, unterſucht, An der Hand de8 Mikro»
ſfope3 werden die Kenntniſſe über den Zellenauſbau
ermittelt, doch treten die mikroſkopiſchen Unter»
ſuchungen mehr in den Hintergrund. Die Ergeb»
niſſe der Laboratorinmöarbeit ſind jeweils in der
freien Natur zu prüfen u. zu erweitern. Auf dieſe
Stuſe gehört auch die Geſchichte der Pflanzen»
welt ſowie Erläuterungen über da3 Leben u. die
Bedeutung großer Botaniker, wie Linne, Darwin,
A. v. Humboldt. Daneben ſind in den obern
Klaſſen gelegentlich wieder Beſtimmungsübungen
vorzunehmen. Denn dieſe ſind ein wichtiges Hilſs8-
mittel für den botaniſchen Unterricht, beſonder3
in den untern Klaſjen. Dabei iſt e3 nötig, daß
jeder Schüler ein Beſtimmungs3buch in der Hand
hat; entweder ſchaſſt er ſich ſelbſt ein ſolc od. die Schule ſtellt eine Anzahl Beſtimmungs»
tabellen zur Verſügung. Für den Anfang mag
wohl ein Exemplar in der Hand de3 Lehrers
genügen. Feſte Vorſchriſten darüber, ob dieſe
Übungen nach dem natürlichen od. nach dem
Linnejſchen Syſteme vorgenommen werden ſollen,
ſind nicht gegeben; jedoch wird an den meiſten
Anſtalten das Beſtimmen nach dem natürlichen
Syſtem bevorzugt. Nach der üblichen Unterrichts»
methode, in der von Anſang an auf die ver»
wandtſchaftlichen Beziehungen der Pflanzen Nück-
ſicht genommen wird, iſt die Beſtimmung nac
em natürlichen Syſtem pädagogiſch richtiger,
wenn auc) ſelbſt bedeutende Schulmänner an dem
Linntſchen Syſtem der leichtern Beſtimmungs»
möglichkeit wegen feſthalten. Doch iſt dabei zu
bedenken, daß eine Anzahl von Pflanzen äußerſt
ſchwer ſowohl nach dem Linneſchen wie auch nach
dem natürlichen Syſtem zu beſtimmen ſind. Dieſen
Schwierigkeiten wird man weder bei dem einen
no Der Klaſſenunterricht wird beſonders unterſtüßt
Uu. gefördert durch Ausflüge u. Unterricht im
Freien (vgl. Exkurſionen). Beſonder3 auf der
Unterſtuſe, wo die Kinder allgemein noc< ſo wenig
u beobachten verſtehen, daß ſie ſelbſt an auſ-
fallenden Erſcheinungen achtlo3 vorübergehen, iſt
as nötig. Darüber iſt man wohl ganz einig,
taß der Unterricht im Freien für die B. das
Jdeal wäre. Sind die Schüler in dieſer Weiſe
öſter im Freien unterrichtet, ſo werden ſie bald
veranlaßt, ſelbjt Spaziergänge zu machen 1. auf
Entde>kungen u. Beobachtungen auszugehen.
Wichtig iſt, daß ſolche Schnlausflüge planvoll u.
jede3zmal zur Erledigung einer beſtimmten Auſ-
gabe ausgeführt werden. Alle Beobachtungen u.
Reſultate ſind dann beim nächſten Klaſſemmter-
richte zu beſprechen, zu ordnen 1. zu ergänzen. Un-
bekannte Pflanzen werden ſelbſtverſtändlich an
Ort u, Stelle beſtimmt. Um richtige Erfolge zu
erzielen, iſt aber nötig, denſelben Standort zu den
verſchiedenſten Jahreözeiten aufzuſuchen, um Ver»
Botanik in höhern Schulen,

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änderungen u. Fortſchritte der Pflanzen feſtſtellen
zu können. Beſonder3 ſind dieſe Ausflüge auc
im erſten Frühlinge zur Beobachtung der Knoſpung
od. im Herbſte zur Unterſcheidung der verſchiedenen
Früchte zu unternehmen. Ja ſelbſt der Winter
bietet Intereſſantes genug, 3. B. die Kenntnis der
verſchiedenſten unbelaubten Bänme, um ſolche
Ausflüge zu unternehmen. Durch nichts wird
ſicher die Freunde an der Natur ſo ſehr geſördert
wie durch richtig ausgeſührte Schülerausſlüge.
Schwierigkeiten für den Lehrer bieten nur ſehr
große Klaſſen. Am beſten werden dieſe geteilt u.
die Exlurjionen in 2 od. 8 Gruppen ansgeſührt.
Nicht jo leicht ſind ſolche Ausflüge an den
Schulen in Großſtädten auszuführen. Da hat
an ihre Stelle teilweiſe ver Beſuch de3 botaniſchen
Gartens od. des Schulgartens zu treten. Solche
Schulgärten beſißen ſchon eine Neihe von Groß»
ſtädten. Ihre Koſten ſind, von der einmaligen
An8gabe bei der Neuanlage abgeſehen, nicht ſo
groß, beſonders wenn man bedenkt, daß ein ſolcher
Schulgarten zugleich mehrern Schulen zur Ver-
fügung ſteht. Für manche reicht die Summe von
800 XA! jöhrlid) ganz gut aus, beſonder3 wenn
viele Arbeiten in ihnen von den Schülern ſelbſt
ansgeſührt werden. Bei der Anlage eines Schul-
gartens (ſ. d.) tritt natürlich die Syſtematik in
den Hintergrund. Die Lebens8gemeinſchaſten u.
biologiſchen Gruppen bilden den Hauptbeſtandteil.
Auf dieſe Weiſe lernt der Schüler Erſcheinungen
im Pflanzenleben, zu denen der Klaſſenunterricht
oſt längere Zeit braucht, mit einem Blicke über-
ſehen. Daneben hat der Garten in Großſtädten
ſür den Klaſſenunterricht das nötige Material zu
liefern. In Kleinſtadtſchulen werden abwechſelnd
ſür jede Stunde etwa 2 Schüler beauſtragt, die
vom Lehrer genau beſtimmten Pflanzen zu be=
ſchaffen, u. zwar für jeden Schüler je 1 Exemplar.
Von großer Wichtigkeit für den Unterricht in
B. iſt das Zeichnen. Dabei handelt es ſid
nicht etwa um Herſtellung von naturgetreuen Ab=
bildungen, ſondern die Zeichnungen dürfen jeweils
nur das enthalten, was gerade geſchen werden
ſoll. E3 können alſo nur ſchematiſierte Zeichnungen
in Betracht kommen. Sie müſſen ſo einfach ge
halten ſein, daß ſie mit wenigen Strichen jederzeit
u. binnen kurzem wieder ausgeführt werden können,
u. daß auch der ungeſchiäteſte Schüler ſie fertig
bringt u. ſeine Freude daran hat. Jeder von
ihnen muß am Schluſſe des botaniſchen Unterricht3
imſtande ſein, die wichtigſten Wurzel=, Stengels,
Blatt» u. Blütenformen ſowie ihre Stellung u.
die Blütenſtände aus dem Gedächtnis zu zeichnen.
Von großer Wichtigkeit iſt auch da3 Zeichnen der
Blütendiagramme. An der Hand einer Blüte wer=
den von den wichtigſten Pflanzenfamilien die
Läng8- u. Querſchnitte gezeichnet, wa3 nad)
einiger Übung leicht gelingt. Dabei wirken die
Farbſtiſte jehr anſchaulich u. bereiten den Schülern
viele Freude. Beſonder38 wichtig, ja unbedingt
nötig iſt das Zeichnen bei mikroſkopiſchen Unter-

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