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ſuchungen. Alles, was der Schüler ſicht od. zu
ſehen glaubt, muß er zu Papier bringen, weil nur
dadurch zu beurteilen iſt, ob er richtig geſehen hat.
Wenn nötig, muß der Schüler wiederholt das
Präparat betrachten, bi8 er fich das Bild feſt ein=
geprägt hat. Neben den eignen Zeichnungen, die
am wertvollſten ſind, benüht der botaniſche Unter-
richt no< Bildwerke, die in großer Anzahl u.
vielfach in muſtergültiger Form, z. B. die Schmeil-
ſchen Bilder, ihm zur Verfügung ſtehen (vgl. Bil=
er im Unterricht). Beſonder3 bei Pflanzen, die,
wie die ausländiſchen, nicht leicht zur Hand ſind,
haben ſolche Bilder ihren Wert ; bei leicht erreich-
baren Pflanzen ſollten ſie vor der Natur zurück
treten u. nur zur Ergänzung herangezogen werden.
Gelegentlich werden auch) ſtereoſkopiſche Bilder,
beſonders ſolche von überſeeiſchen Pflanzen, be=
nußt, doch iſt das Schen ſchwierig für untere
Klaſſen u. die Verwendung de3 Stereoſkops ſehr
zeitraubend, wenn nicht eine genügende Anzahl
derſelben vorhanden iſt. Cbenſo ſind Abbildungen
bei mikroſkopiſchen Betrachtungen unbedingt nötig.
In frühern Zeiten, als die Syſtematik den Haupt-
beſtandteil der B. au8machte, war e8 für den
Schüler unbedingt nötig, ſich ein Herbarium
(j. d.) anzulegen. Heute iſt man nicht jo ſehr von
deſſen Nußen überzeugt ; man vermeidet e3 ſogar,
den Schülern Anleitung zur Herſtellung zu geben,
da dieſe viel häusliche Arbeit erfordert.
IV. Lehrbücher. Eine Angelegenheit, die für
den botaniſchen Unterricht von großer Bedeutung
iſt, iſt die ſog. Lehrbuchfrage. An den meiſten
höhern Lehranſtalten ſind Lehrbücher eingeführt
(höchſtens in der unterſten Klaſſe verzichtet man
darauſ), u. das mit Nec iſt in der Hand des Schüler3 bei dem meiſt reichen
Inhalte nicht bloß ein Lehr=, ſondern auch ein
Lejebuch, zu dem er auch freiwillig greifen ſoll,
um ſich über dieſe od. jene Pflanze Auskunſt zu
holen, Der Lehrer darf ſich freilich nicht krampf-=
haſt an dieſes Hilfsmittel halten, ſondern muß
eine geeignete Auswahl daraus treffen. Ob ein
ſolches Lehrbuch in einzelne Kurſe zerlegt od. als
Ganzes den Schülern in die Hand gegeben wer=-
den joll, darüber gehen die Anſichten ſehr aus-
einander. Für eine Teilung ſpricht wohl die
Billigkeit eines einzelnen Bändchen3; die Koſten
werden auf dieſe Weiſe auf mehrere Jahre ver-=
teilt. Dagegen hat die Zerlegung den großen
Nachteil, daß es ſchr ſchwierig iſt, eine Pflanze
in einem fo zerſtückelten Buche zu finden. Für
den ſpätern Gebrauch iſt jedenfalls ein einheitliches
Buch vorzuziehen. Daß ein ſol B., mit einer Beſtimmungstabelle verſehen, nicht
zum Beſtimmen von Pflanzen benußt werden ſoll,
wird allgemein gefordert. Denn zu jeder Be=-
ſtimmungstabelle gehört eine gewiſſe Handlichkeit.
Literatur. „Natur u. Schule", Zeitſchrift,
hr38g. von Landsberg, S jortgeſeßt al8 „Monatshefte für den naturkundl.
Unterricht aller Shulgattungen", hr8g. von Lands»
Braun.

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berg u. Schmid (Teubner) ; Shmeil, Lehrb. der B.
(1911; betont beſ. die biolog. Seite) ; Smalian,
Leitfaden der Pflanzenkunde (5 Tle, 1908f) ; derſ.,
Grundzüge der Pflanzenkunde (2 Tle, 21910);
Kraß u. Landois, Lehrbuch der B. (71907: mehr
ſyſtematiſch aufgebaut) ; Clauſen, Pflanzenphyſiolog.
Verſuche u. Demonſtrationen für d. Schule (21910);
Schleichert, Anleitung zu botan. Beobachtungen u.
pflanzenphyſiologiſ Kienit«Gerloff, Methodik de8 botan. Unterr.
(1904) ; Landsberg, Didaktik des botan. Unterr.
(1910); Schönichen, 80 Schemabilder aus der
Lebenögeſchichte der Blüte (1902) ; Wünſche, Die
Pflanzen Deutſchland3 (21909) ; Schmeil-Fitſchen,
Flora von Deutſchland (?1911; nac< dem Linn6s
jehen Syſtem eingerichtet). [S. Rudolf.]
Braun, Heinrich, bayriſcher Shulmann.
I. Yeben8gang. B. wurde am 17. März 1732
als Sohn eine3 Bäekers in Troſtberg (Ober=
bayern) geboren, genoß ſeine Ausbildung in Salz-
burg u. trat dann in da3 Benediktinerkloſter Tes
gernſee ein. Als Profeſſor der Dichtlunſt am
Gymnaſium in Freiſing, dann der Theologie am
Heimatſtiſte tätig, wendete er ſich ſpäter Arbeiten
aus der deutſchen Sprache u. Literatur zu. 1765
erfolgte ſeine Ernennung zum Mitgliede der Kgl.
Bayr. Akademie d. Wiſſ. u. öffentlichen Lehrer der
deutſchen Sprach=, Dicht= u, Redekunſt an dieſer.
Hervorragende Lehrgabe u, wertvolle Scriſten
begründeten ſeinen Nuhm. Kurfürſt May 111.
erkannte ſeine Verdienſte an dur< Ernennung
zum Kanonikus am Frauenſtiſte 1767, zum Geiſt=
lichen Nat u. Schulkommiſſär 1768. An die
Spiße des bayriſchen Volksſchulweſen3 geſtellt,
war er nun als Organiſator 1. Schriftſteller un=
ermüdlich tätig. Jm Kampfe mit F. X. Hof=
mann, dem Wiedererfinder der Lautiermethode,
hielt er zähe am Buchſtabieren feſt u. erwie3 ſich
feine8weg3 edel u. einſichtsvoll. Durch Herrſch=
ſucht u. Eitelkeit zog er fich die Feindſchaft gleich=
ſtrebender Männer zu; 1773 erfolgte ſeine Ent=
hebung al3 Schulfommiſſär. Infolge ſeiner Ge=
ſc Direktor der ſämtlichen Lyzeen, Gymnaſien, der
Stadt= u. Landſchulen in Bayern emporzu=-
ſ blieb nur bis 1781 in Kraſt, wo dieſe an die
Kloſtergeiſtlichen übergingen ; die Verordnung für
die bürgerliche Erziehung der Stadt= u. Land=
ſchulen von 1778 aber war ein paar Dezennien
die Grundlage für die Volksſchulen. 1781 trat
B. verbittert von feinen Ämtern zurück, literariſch
tätig bi3 zu ſeinem am 8. Nov. 1792 in München
erfolgten Tode.
1. Pädagogiſche Bedeutung, Werke. „B.
muß man die Ehre laſſen, daß er das meiſte zur
Verbeſſerung der deutſchen Screib= u. Lehrart in
Bayern u. angrenzenden Gegenden beigetragen
hat“, ſehreibt der gleichzeitige Akademiker Finauer.
Und ſein Zeitgenoſſe, der bayriſche Geſchicht
ſchreiber Weſtenrieder, urteilt: „B. hat ſo viele
Verdienſte um un3, daß der, welcher mit glänzen=

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