587
dern Geiſtesgaben auch nur die Hälſte derſelben
ſich ſammelte, noc< immer verdiente, daß man
rühmend mit dem Finger auf ihn zeigte.“ B.
war für das Kurſürſtentum Bayern der Volls-
ſchulreformator de3 18. Jahrh.
Seine Pädagogik iſt zwar nicht ſelbſtändig,
ſondern eine Frucht der Aufklärungszeit u. des
Philanthropinismus ; er bewahrt aber, wie ſein
Vorbild Felbiger, den katholiſchen Standpunkt,
Dieerſte akademiſch-pädagogiſche Feſtrede 1768:
„Von der Wichtigkeit einer guten Einrichtung im
deutſchen Schulweſen“, iſt ganz von dem neuen
Geiſte durchweht. Er ſreut ſich, daß wir in jenen
Gegenden u. Zeiten leben, denen man mit allem
Rechte den ſchönen Namen der auſgeklärten gibt.
Gegen Aberglaube u. Vorurteile muß die Cx-
ziehung energiſch ankämpfen. Man ſorge, daß
er Jugend das Lernen nicht zu ſauer werde.
1770 erjchien jein „Plan der neuen Schnleinrich-
tung in den deutſchen Schulen nebſt einem Unter-
richt für Schullehrer, wie ſie dem kurfürſtlich
gnädigſten Beſehle gemäß in den deutſchen Schulen
lehren u. was ſie für Eigenſchaften haben ſollen".
Da3 iſt die erſte bayriſche Elementarpädagogik,
eine Anlehnung an Felbiger3 „Eigenſchaſten“ uſw.
Bei einer guten Schuleinrichtung kommt es ihm
hauptjächlich auf 3 Stücke an: 1. auf gute Lehr»
bücher ; 2. auf gute, tüchtige Lehrkräſte ; 3. auf eine
gute Lehrart. Die deutſchen Schulen werden in
6 Klaſſen eingeteilt; als Lehrauſgabe wird vorge»
ſchrieben: 1. Klaſſe: Buchſtaben kennen u. ſprechen;
2. Klaſſe : Leſen, die erſten Regeln der Sprachkunſt,
Anſang des Schreiben3; 3. Klaſſe: Förmliche
Schrijten ſchreiben; 4. Klaſſe: Regeln der deutſchen
Sprachkunſt ; 5. Klaſſe: Rechenkunſt ; 6. Klaſſe:
Anſangögründe der deutſchen Briefkunſt. Religion
in jeder Klaſſe. Für jede ſchrieb er Lehrbücher.
Seine Leſewerke bringen einen Fortſchritt, in-
dem der weltliche Spruch, ſelbſtverjaßte, gute
Gn u. die klaſſiſche Dichtung Eingang
inden.
Die Schulverbeſſerung begann in der Haupt-
ſtadt u. den Regierungäsſtädten, das Land folgte
nur ſchr langſam nach. In München errichtete er
eine ee die Lehrer hatten dort die neue
Lehrart zu ſtudieren u. mußten in Zukunft eine
Prüſung ablegen ; öffentliche Schulprüfungen mit
Preisverteilung wurden eingeſührt, Anſehen u.
Bezüge der Lehrer gehoben.
1774 erſchien ſeine bedeutendſte Schriſt: „Ge=
danken über die Erziehung u, den öffentlichen
Unterricht in Trivial-, Real» u. lateiniſchen Schu»
len“. Sie iſt die klaſſiſche Quelle für den ſüd»
deutſchen, katholiſchen Philanthropinismus mit
entſchiedener Wahrung des kirchlihen Stand»
punkte3 u. kräſtiger Betonung des realiſlüſchen
Unterricht3, eine pädagogiſch wertvolle Arbeit,
Die von ihm verſaßte „Verordnung ſür die
bürgerliche Erziehung in Stadt» u, Landſchulen“
(1778) unterſtellt die Volksſchulen der Orts8obrig»
keit, verlangt allgemeinen Schulbeſun<, legt den
Braunſchweig.

v88
Grund zur Sonntagſchule u, brachte eine gute
Neglung des Schulweſens.
Biteratur, Beiträge zu einer Schul» u. Ex-
ziehungsgeſch. in Bayern (1778; von Bucher u.
Yori) ; Ehrenrettung gegen dieſe Schrift von B.
(1778) ; Pragmat. Geſch, der Schulreformation in
Bayern (1783; nicht wie bisher angenommen von
B., ſondern von G. Steigenberger) ; Weſtenrieder,
Beiträge V (1794) ; Andreae , B.s Pädagogik
(Jahre8ber. d. Schuyllehrerſeminars Kaiſerölautern
1877 ; die beſte Arbeit über B.) ; Gückel, B. u. die
bayr. Schulen (1891); Wolfram, H. B. (18923
beide Arbeiten aus dem Münchner hiſt. Seminar) ;
Heigenmooſer, F. X. Hofmann (36. Beiheſt d. Mitt.
d. Geſellſch. für deutſche Erziehungs» u. Schulgeſch.,
1908 ; Methodenſtreit mit B.).
[3. Heigenmooſer.]
Braunſchweig (Schulweſen). Schon vor
den von dem Neſormator Bugenhagen (1531)
eingerichteten Schulen beſtanden in B. verſchiedene
Kloſter», Stadt» u, Schreibſchulen. Schulord-
nungen wurden erlaſſen von Herzog Julius
(1569) u. Herzog Karl (17538). Die Schulpflicht
beſteht jeit 1840, Das Volksſchulgeſetz v. 8. Dez.
1851 mit ſeinen mehrfachen Abänderungen wurde
neu gefaßt al8 Geſeß v. 27. Okt. 1898; zu
dieſem Geſeße traten noch verſchiedene Novellen.
Die Schulpflicht (Geſ. v. 28. Juli 1910) be-
ginnt (1, April) mit dem vollendeten 6. Jahre
(einſchließlich der Kinder, die das 6. Jahr bi3
80. Juni vollenden) u. endet mit Schluß des
auf die Vollendung des 14. Jahres folgenden
Winterhalbjahres, Eine Entlaſſung jüngerer Kin-
der (13?/; Jahr) iſt nur mit Dispenſation des
Negenten möglich. Die Schulpflicht iſt zu erfüllen
in den evangeliſch-lutheriſchen Gemeindeſchulen,
die in Landgemeinde-, Stadt» u. Bürgerſchulen
zerſallen. Die Mittel für die Schulunterhaltung
u. Lehrerbeſoldung werden beſchafft durch die
meiſt aus Stiſtungen zum Zwecke des Kirdhen-
dienſtes herrührenden Schuldotationen; ferner durch
Schulgeld (meiſt 4/5 X für das älteſte Kind, die
andern frei, mittlere Bürgerſchulen 24/40 27),
deſſen Säße für die Landgemeinden durch Geſeß,
für Stadt- u, Bürgerſchulen auf Antrag der Ge-
meindebehörde vom Konſiſtorium beſtimmt werden;
endlich durch Zuſchüſſe au8 der Gemeindekaſſe u.
durch Beihilſen aus dem Kloſterſonds (entſtandenbei
Auſhebung der Klöſter) u. aus dem Studienfond3
(von der ehemal. Univ. Helmſtedt), Die Landſchulen
unterſtehen hinſichtlich) der Unterrichtämethode u.
Sc Spezialinſpektion vereinigte Landſchulen einem
Schulinſpektor (regelmäßig der Superintendent);
eine Reihe Spezialinſpektionen einer der 6 Gene=
ralinſpektionen unter einem Generalſuperinten=
denten. Die Stadt» u. die Bürgerſchulen ſind
hinſichtlich der techniſ<-methodiſchen Leitung einem
vom Landesherrn ernannten Schuldirigenten bzw.
Schuldirektor (beſonder3 verlichener Titel) unter=
ſtellt, nur in der Stadt B. erwählt dieſen der
Magiſtrat. Im übrigen unterſtehen die ſtädtiſchen

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.