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Ausdruk. Für den Menſchen iſt die D. daher
eine unabweis8bare Pflicht u. eine der edelſten
Tugenden ; für den vornehm Denkenden, der nie-
mand etwas ſchuldig bleiben will, iſt ſie ein
innere8, dringendes Bedürſni8, Die göttliche
Oſſfenbarung beſtätigt u, erläutert da38 Naturgeſeß.
Bitter klagt Gott über die Jsraeliten, Chriſtus
über die neun Ansſäßigen (Lk 17, 17) wegen
ihre8 Undankes, Die D. iſt zugleich eine Quelle
des reichſten Segens. Sie iſt ein ebenſo ſchöner
wie mächtiger Beweggrund, auch die übrigen
Pflichten gegen die Wohltäter (Gott, Eltern, Er-
zieher, Kirche, Vaterland) treu u. freudig zu er-
füllen. Wie der Undank verleßt u. verbittert, ſo
weckt die D. Freude u. Freundlichkeit im Herzen
des Empfängers wie de8 Gebers u. regt zu weitern
guten Werken an. Sie iſt ein feſte38, ethiſches
Band, wodurd) das Kind mit den Eltern, der Zög»-
ling mit dem Erzieher, der Arme mit dem Reichen,
der Untergebene mit dem Vorgeſeßten, der Arbeiter
mit dem Arbeitgeber in der edelſten Weiſe ſich
verbunden fühlt, Des8halb iſt die D. beſonder3 in
unſrer Zeit, in der das ſoziale Leben immer reicher
ſich geſtaltet u. doch immer ſchwerer bedroht wird,
für Familie, Kirche u. Staat von der größten
Wichtigkeit. Darum müſſen nicht nur alle Er-
zieher die D. in den Herzen der Kinder zu wecken
VU. zu pflegen ſuchen, auch die Theorie der Päd»=
agogik ſollte ſich eingehender mit dieſer Tugend
beſchäftigen, al8 e3 meiſt üblich iſt; beides iſt
um ſo notwendiger, weil nac) dem nur allzu
bekannten Sprichwort Undank der Welt Lohn iſt.
III. Pflege der D. Das ſicherſte Mittel, die
Kinder für die D. zu gewinnen, iſt die Weckung
einer dankbaren Liebe zu Gott, ihrem höchſten
Wohltäter. Wie leicht werden nicht bei Kindern
die Dankesbezeigungen zu klug berechneten Bitten
um neue Gaben! Hat man doch das Wort ge=
prägt: „Die Kinder ſind ohne Aus8nahme die
größten Egoiſten“ (Niemeyer). Daher reichen die
rein natürlichen Beweggründe zur D. nicht aus;
der Hinweis auf ihre nüßlichen Folgen iſt nur zu
jehr geeignet, dieſen Egoi8mus zu fördern; die
Betonung ihrer ſittlihen Schönheit wird leicht
Eitelfeit u. Hochmut wecken. De3halb erinnere
man die Kinder oft u. eindringlich an die ſelbſtloſe
Liebe de3 unendlichen Gottes, an die ſich opfernde,
ja ſich verzehrende Liebe de3 Gekreuzigten. Die
Kirche bietet uns dazu an ihren Feſten, in ihrem
Gotle8dienſte , bei der Spendung der heiligen
Sakramente ſaſt beſtändig die paſſendſte Veran
laſſung; durc die Verwertung dieſer Gelegen-
heiten wird es dem Erzieher ſicher gelingen, in
den Kinderherzen eine reine, uneigennühige D.
für ſo ſelbſtloje Wohltaten zu entzünden ; in der
dankbaren Liebe zu Gott u. zum Erlöſer findet
dann die D. gegen Eltern, Erzieher u. Wohl-
täter, die Stellvertreter Gotte3, die ihnen um
ſeinetwillen Gutes erweiſen, ſowie gegen Familie,
Staat u. Kirche, die Gotte8 Stiftungen ſind, die
Feſteſte Begründung.
Kexikon der Pädagogik. 1.

Darſtellende Geometrie.

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Auf dieſer übernatürlichen Grundlage baue man
nun weiter auf. Man erläutere den Kindern klar
u, anſchaulich das Wort des Apoſtel3: „Was haſt
du, das du nicht empfangen haſt?" (1 Kor 4, 7.)
Die Kinder überſehen ſo gern empfangene Wohl-
taten; ſie erbli>ken in dieſen häufig nur Gaben,
die ihnen zukommen; die anerkannten Wohltaten
vergeſſen ſie oft in kürzeſter Zeit. Daher zeige man
ihnen nach F. W. Foerſter3 Methode (Jugendlehre
3741) an einzelnen konkreten Beiſpielen, daß ſie
ſaſt alle8 andern zu verdanken haben; ſie müſſen
es fühlen u. empfinden : D. iſt Bildung u. Edel-
mut, Pflicht u. ſegensreiche Tugend ; Undank aber
iſt ungebildet u. niedrig, häßlic u. widernatürlich.
Auch durch Beiſpiele aus dem Leben der Tiere
(31, 3) od. wilder Völker kann man dieſe Säße
veranſchaulichen.
Mit der Belehrung verbinde ſich das Vorbild
der Erzieher. Wenn da3 Kind von Jugend auf
in ſeiner Umgebung das Beiſpiel aufrichtiger D.
vor Augen hat, wird es ſie bald hochſchäßen,
lieben u. üben lernen. Der Erzieher ſorge aber
dafür, daß ſeine Danke8worte nicht bloß de3 Vor=
bildes wegen geſprochen werden; dieſe Abſicht
würde von dem Kinde bald durchſchaut u. vereitelt
werden. Die vorbildliche D. der Eltern u. Lehrer
erſtre>e ſich auf alle, auch auf Untergebene u.
Dienſtboten. Cbenſo ſpreche man dem Kinde für
freiwillige Dienſtleiſtungen ſchlicht u. herzlich ſeine
Freude u. Anerkennung au3; an ſich ſelbſt empfindet
es am deutlichſten das Edle u. Beglückende der D.
Auch der Zögling muß ſrühzeitig zur Übung der
D. angeleitet u. angehalten werden. Doch ſpreche
der Erzieher von dem ihm ſelbſt gebührenden Danke
im allgemeinen nur dann, wenn dieſe Pflicht gegen
ihn verleht wird; die Forderung des Danke3
könnte dem Zöglinge ſelbſtſüchtig erſcheinen u. die
Hodachtung u. Liebe, die Seele der wahren D.,
erſtifen. Man begnüge ſich aber nicht mit ver=
ſtändniäloſen, mechaniſchen Dankes8formeln, ſon=
dern dringe ernſt auf D. durch Gehorſam, gutes
Benehmen, Fleiß u. ſreudige Gegendienſte. Die
gewöhnlichſten Urſachen de3 Undank3 ſind Hoch-
mut u. Anmaßung; darum bekämpfe man alles,
wa3 dieſe in den Kindern wecken könnte. Vor
allem mögen allzu häufige u. zu reiche Geſchenke
unterlaſſen werden, da dieſe die Kinder leicht daran
gewöhnen, in den Gaben etwas Selbſtverſtänd-
liche3 zu erbli>en, für das D. nicht nötig ſei.
[F. Sc Darſtellende Geometrie, 1. Begriſſ8-
erklärung u. Auſgabe der d. G. D.G. iſt der-
jenige Teil der Geometrie, der durch Zeichnung
räumliche Gebilde ſo wiedergibt, daß ſie dadurc
in allen der mathematiſchen Auffaſſung zugäng=
lichen Einzelheiten erkennbar werden. Sie gibt
alſo eine Abbildung der körperlichen Figur,
aber nicht eine räumliche, wie das Modell,
ſondern eine zeichneriſche, in einer Ebene befind=-
liche. Die wichtigſte u. zugleich allgemein bekannte
Wiedergabe eines Naumgebilde3 durch Zeichnung
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