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rung des katholiſchen Katechi8mus“ (mit Religions»
geſchichte, 5 Bde, 1857/64), die zugleich dem
Unterrichte dex Kinder u. der Erwachſenen dienen
ſollte, Das ſe x brauchbare u, weitverbreitete
Wer? eignete ſich jedoch weniger für die Schule.
Darum ließ D. hierfür ſein „Kürzeres8 Handbuch
zum Religionsunterricht in den Elementarſchnlen"
erſcheinen (2 Bde, 1865/68). Als Antwort auf
verſchiedene Einwendungen gegen ſeinen Katechi8-
mu3 verfaßte er die theologiſch vortreffliche Schrift:
„Die vollkommene Liebe Gottes in ihrem Gegen-
ſabe zur unvollkommenen, dargeſtellt nach der
Lehre des hi, Thomas v. Aquin. Nebſt einigen
Erläuterungen zum Einverſtändniſſe in der Kate»
„Unterricht über die Andacht zu den allerheiligſten
Herzen Jeju u. Mariä u, über deren Bruder»
ſchajten, nebſt einigen bezüglichen Gebeten u.
Geſängen" (1842); „Gebetbüchlein für Verehrer
Mariä, enthaltend die notwendigſten Andacht3-
übungen eines katholiſchen Chriſten“ (1845);
Examen ad ugum Cleri, in gratiam praecipue
S3cCordotum gacra Exercitia obeuntium (Nez
genöburg u. Köthen ; 1. Aufl, anonym u. ohne
Jahr) ; „Manna od. Gebetbüchlein für die katho=
liſche Schuljugend“" (1851).
Literatur. I. Linden 38, J., Der mittlere
D.ſche Katehismus als Verſuch zur Löſung der
Katechismusfrage neu bearbeitet. Mit einer hiſtor.»
krit. Abhandlung Über denſelben al8 Vorw. (1900).
[I. Linden 38. J.]
Deiktiſche Lehrſorm |. Darſtellender
Unterricht ; vgl. auch die Art. Methode u. Vor-
maden.
Deismus8. I. Begriff. Die Bezeichnung D.
ſtammt aus dem 16. Jahrh. u. wurde zuerſt im
Gegenſaße zum Athei3mus gebraucht. Erſt als
die engliſche Neligionsphiloſophie im 17. Jahrh.
unter D. den allgemeingültigen, normalen u. ver=
nünftigen Gotte8glauben im Gegenſaße zur kir treuen dogmatiſchen Theologie verſtand, nahm die
orthodoxe Nichtung den Namen „Thei3mus“ für
ſich in Anſpruch. Allmählih bekam da8 Wort
den heutigen Sinn: die Lehre, daß Gott, nachdem
er die Welt geſchaffen, ſie vollkommen ihrer eig»
nen mechaniſchen Geſehmäßigkeit überließ, wobei
Wunder, Offenbarung, göttliche Vorſehung au3-
geſchloſſen ſind. Der eigentliche Grundgedanke
de3 hiſtoriſchen D. wird durch die von ſeinen Ver-
tretern ſelbſigewählte Bezeichnung Pros-thinkers
(Freidenker) unzweideutiger getroffen.
II. Der engliſche D. In ſeinen Hauptzügen
finden wir den D. bereit3 bei Herbert v. Cherbury
(7 1648) vor. Im damaligen England machte
ſich die individualiſtiſche Tendenz energiſch geltend.
Man ſtrebte nach einer natürlichen Begründung
der Wiſſenſchaft vor allem auch auf religiöſem
Gebiete u, ſuchte das religiöſe Leben von den
Dogmen zu beſreien u. an Stelle der einander
bekämpfenden poſitiven Religionen eine Vernunft»
Deiktiſche Lehrform -- Dei3mus.

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religion zu ſehen. Die Gleichſehung des Natür»-
lichen u. de8 Vernünſtigen --- ein Kennzeichen der
geſamten Auſklärung --- verband ſich von Anfang
an mit einer Zolemijchen Stellungnahme gegen
alles hiſtoriſch Gewordene, Bei der poſitiven Aus-
geſtaltung dieſer Vernunftreligion beruſt ſich Her»
bert v. Cherbury auf gewiſſe einfache u. natürliche
Wahrheiten, die allen Menſchen angeboren ſeien.
Die Polemik Loke8 (1632/1704) gegenüber der
Annahme angeborner Jdeen richtet fich auch gegen
Herbert v. Cherbury. Gleichwohl trat in der Weiter»
entwicklung de3 D. eine Verſchmelzung der Auf=
faſſung Herbert3 mit Anſichten Lo>es8 ein. Die
ſpätere Neligion3philoſophie ſtellte die zwiſchen
beiden ſchwebende Streitſrage zurük. Sie be
ſchränkte ſich immer mehr darauf, mit Lo>e die
Ableitbarkeit der religiöſen Grundwahrheiten aus
der bloßen Vernunft zu behaupten. Inſofern
damit da3 Beſtreben verbunden iſt, das religiöſe
Leben auf die derart konſtatierten Grundwahrheiten
einzuengen, ſehte der D, die Bemühungen der im
engliſchen Revolution3zeitalter auftretenden Rich-
tung der Latitudinarier ſort. Eine hervorragende
Rolle in der Weiterentwielung des D. ſpielt der
„Freidenker“ John Toland (1670/1722), Die
Freiheit, die er predigte, beſteht in der Abwerſung
jeglicher Autorität u. in der Unterwerfung aller
Dogmen unter das Urteil der individuellen Ver-
nunft. Mit der Forderung der Denkfreiheit hängt
ſeine Verteidigung einer weitgehenden Toleranz
zuſammen ; allerding38 bleibt er aus praktiſchen
Motiven inkonſequent genug, die eigentliche Denk=
freiheit nur den Gebildeten zu reſervieren. Seine
theoretiſchen Anſichten, in denen er ſich ſtark von
Locke beeinflußt zeigt, münden allmählich in einen
verſ zeit bedeutſamer iſt ſeine kritiſche Betätigung
gegenüber den poſitiven Dogmen de3 Chriſtentums
(Christianity not mysterious, Lond. 1696).
Zuſammen mit dem theologiſch=politiſchen Traktat
Spinoza3 (1670) wirkte dieſe Schrift ebenſo wie
die geiſtvollen u. wißigen Eſſay3 Shaſfte3bury3
(+ 1713) befruchtend auf die Entwieklung der
deutſchen Bibelkritik, In noch radikalerer Weiſe
vollzogen die ſpätern Deiſten, ein Anthony Collins
(1 1729) u. Matthew Tindal (f 1733), den Bruch
mit dem poſitiven Chriſtentum, an deſſen Stelle
fie eine nüchterne, moraliſierende Form der Verz
nunſtreligion zu ſeßen verſuchten, bi38 endlich durc)
Chubb (+ 1747) u. Morgan (+ 1748) die Ver=
ſchmelzung der engliſchen Moralphiloſophie mit
der engliſ vollzogen wurde. In dem Deiſten Lord Boling=
broke (+ 1751) tritt die Exkluſivität des engliſchen
Freidenkertums unverhohlen in der Form bewußter
Heuchelei auf. = Die zerſeßende Kritik eines David
Hume (+ 1776) gibt dem D. ſeine ſchärſſte For-
mulierung, Indem aber die Skepſis Hume3 ſich
aud) gegen die Grundlagen der deiſtiſchen Natur-
religion richtet, wird damit der Verfall des D. in
England eingeleitet.

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