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Gymnaſien wurde die Beſchäftigung mit mhd,
Sprache erſt 1862 eingebürgert, aber ſhon 1882
wieder abgeſchaſſt; durc< R. Hildebrand lebhaſt ver-
teidigt, wurde ſie durch die ſpätern Lehrpläne, auch
die von 1901, wieder freigegeben, d. Hh. in das Be»
lieben der Lehrer geſtellt, Damit kann wenigſtens
die deulſche Sprache, auch in ihrer geſchichtlichen
Entwiellung, den Schülern der obern Klaſſen
wieder nahegebracht werden. Auf Grund der na»
mentlich im 19. Jahrh. entwidkelten vergleichenden
Sprachwiſſenſchaſt (vgl. Brugmann u, Delbrück,
Grundriß der vergleichenden Grammatik der indo»
germaniſchen Sprachen [5 Bde, 21897/1900])
iſt ein kurzer Überblick über den indogermaniſchen
(idg.) Sprachſtamm, d. h. die Sprachen der Inder,
erſer, Griechen, Lateiner, Kelten, Slawen u.
ermanen, zu geben u. die wichtigſten Geſehe der
hauptſächlich von J. Grimm entdeten germani»
ſchen Lantverſchiebung darzulegen. Die Geſeße,
wie Umjormung der idg. Tenues (p, t, k) zu Me»
diae (b, d, g) od. -- je nac ſche3 Geſeß 1877) --- zu Spiranten (ſ, th, <),
ferner Verſchiebung der idg. Mediae zu Tenne3 |P
U. der idg. Aſpiratae (bh, dh, gh; griechiſch: 9, 0,
-) zu germaniſchen Mediae, ſind an ausreichenden,
aber einfachen Beiſpielen klarzumachen. Cs ſolgt
die Belehrung über die ahd. Lautverſchiebung.
(Die germaniſchen Tenues p, t, k werden ſpäteſtens
Prien 600/700 n. Chr. entweder zu Doppel»
piranten [ſſ, ſſ, < (hh)) od. zu entſprechenden
Aſirikaten [p], 3, k<) weiterentwielt.) An der | (
Hand dieſes Geſehes gelangt der Schüler ohne
weiteres zu einer deutlichen Unterſcheidung der
Hoh» u. niederdeutſchen, alſo der wichtigſten deut-
ſchen Mundarten. Zm weitern Verlaufe de3 Un»
terricht8 iſt der Ablaut, der Umlaut, die Brechung
zu wiederholen u. diesmal, aber nur kurz, ſprach»
geſchichtlich zu vertieſen. Dann wird das entgegen»
ſtrebende Wies der Analogie, das nach Ausglei-
Erſt auſ dieſer Grundlage kann der Bedeutung3»
wandel an paſſenden Beiſpielen verfolgt u. vor
allem die Verengung, Erweiterung u. Übertragung
beſtimmter Vorſtellungen u. Begriffe endgültig
klargemacht werden. Hierhin gehört ſchließlich
eine geſchichtliche Betrachtung der Lehn» u. Fremd»
wörter (ſ. d.), die, an ſich durchweg intereſſant,
auch für fulturgeſchichtliche Erkenntniſſe ausgiebig
u. ſruchtbar verwendet werden kann (vgl. beſon«
der3: F. Seiler, Die Entwicklung der deutſchen
Kultur im Spiegel de3 deutſchen Lehmwortes
[1. Tl 21905; 2. Tl 21907; 3. Tl 1910]).
Dieſe geſchic der Würdigung der kaiſerlichen u. kurſächſiſchen
Kanzleiſprache wie der Bibelüberſehung Luthers
in ihrer bejondern Bedeutung ſür die Entſtehung
der nhd. Schriſtſprache ihren Abſchluß finden
müſſen. (Das ſür Oberjekunda in etwa erforder»
liche Stoffgebiet hat N. Lehmann zuſammengeſtellt ;
vgl. Überſicht über die Entwi“lung der deutſchen
Sprache u, Literatur, für die obern Klaſſen höherer
Deworg.

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Lehranſtalten [?1910].) Zur Ergänzung des hier
Geſagten vgl, die Art, Auſſah in höhern Schulen,
Deklamation, Lektüre, Literaturgeſchichte, Sprache,
Sprachwiſſenſchaft u. Sprachunterricht.
iteratnx, Vgl. außer den im Texte er-
wähnten Werken: G. Wendt, Grundriß d. dentſchen
Sahlehre (2? 1907); G. Klee, Ausgeſührter Lehrplan
Ihr d. deutſchen Unterr. (1891); O. Lyon, Handb.
. deutſchen Sprache ]. höh, Schulen (3. T1 2391412;
2, ZU 71907); W. Wilmanns, Deutſche Gramm,
(8 Abt,, 21897/1909, 1. Abt, *1911); NR. Lehmann,
Der diſch. Unterr. (*?1909); Bauer»Duden, Grund»
züge der nhd. Grammatik |. höh. Bildungsanſtalten
yu. zur Selbſtbelehrung für Gebildete nebſt einem
Anhang über deutſche Rechtſhreibung (**1905);
Sütterlin u, Wgag, Deutſche Sprachlehre |. höh.
Lehranſtalten (*1910); v. Sanden, Deutſche Sprach»
lehre |. höh. Schulen (111911); 3. Lochner, Deutſche
Schulgrammatik f. höh. Lehranſtalten (1907); O.
Vienſing, Deutſche Gramm, f. höh. Schulen (81907;
Hier vor alſem praktiſch brauchbare Wortbildungs-
lehre, die kurz, aber gut behandelt iſt). -- Zur
Geſchichte un, Etymologie der deutſchen Sprache u.
ihrer Dialekte vgl.: H. Paul, Prinzipien d. Sprach»
eſchichte (*1909) 5 O. Weiſe, Unſre Mutterſprache,
ihr Werden u. ihr Weſen (71909; vom Allg. Deut«-
ſchen Sprachver. beſ. ausgezeichnet) ; O. Behaghel,
Die deutſche Sprache (81911); derſ., Geſch. der
deutſch. Sprache (21914; in H. Pauls Grundriß
der gerin. Philologie 1) ; F. Kluge, Von Luther bis
Leſſing (*1904); derſ., Unſer Deutſch (1910) ; derſ.,
Etymolog, Wörterbuch (71910); F. Stürmer, Die
Etymologie im Sprachunterr. der höhern Schulen
1906). [A. Maier.]
Dewora, Viktor Joſeph. 1. LebenZß-
gang. Viktor Joſeph D. wurde am 21. Juni
1774 zu Hadamar geboren. Nach Beſuch der
Volksſchule in der Heimat, Vorbildung zu den
höhern Studien durch ſeinen Oheim, den Ex=
jeſniten Clar, u. Gymnaſialſtudien in Koblenz
erhielt er bei den damaligen unruhigen Zeiten
infolge der franzöſiſchen Nevolution ſeine theo-
logiſche Ausbildung in Trier, Mainz, Würzburg
u. zuleßt in Fulda, wo er am 23. Sept, 1797
zum Prieſter geweiht wurde. Nachdem er 10
Jahre lang an verſchiedenen Orten Hilſ3geiſtlicher
geweſen war, bekam er 1808 die Vorſtadtpfarrei
St Matthia3 in Trier. Mit ganzer Kraſt der
Seelſorge hingegeben, ſuchte er auch die Schule
zu dieſem Zwecke zu benußen, fand aber, daß der
Lehrerſtand für ſeinen Beruf ganz ungenügend
vorgebildet, u. daß nac ſeminar3 inſolge der Krieg3wirren eine baldige
Beſſerung hierin nicht zu erwarten ſei. So hielt
er denn ſeit 1810, mit Unterbrechung während der
Krieg3jahre 1813/15, in jeinem Pſarrhauſje mit
Sc ſender Beteiligung, zunehmender Gunſt des Publi-
kum3 u. nachſolgenderUnterſtüßungſeitenöderpreu-
ſiſchen Negierung, nachdem Trier 1814 Preußen
zugeſallen war, Normalkurje über Leſen, Schön-
u. Rechtſchreiben, Aufſahmachen, Kopf» u, Tafel»
rechnen, bibliſche Geſchichte, Sittenlehre, Landwirt»
ſchaft, Nettung von Scheintoten, Kenntnis der

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