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Kiänſte u. Handwerke, Brandverhütungslehre, Lehr-
u. Latechiſiermethode, Erziehungskunſt, franzöſiſche
Sprache. 1816 wurde die wiedereröffnete Nor
malſchule zum Kgl, Lehrerſeminar erhoben u. D.
zu deſjen Direktor ernannt, welche Stellung er
bis 1824 bekleidete, unterſtüßt von tüchtigen Mit=
arbeitern, wie Stieldorf u. Muhl, ſie) zum Teil
anlehnend an Peſtalozzis Methode. Im Jahre
1824 wurde er Domkapitular, Domprediger u.
biſchöflicher Nat, was er bis zu ſeinem am 3. März
1837 erfolgten Tode blieb, nebenher immer nod)
theoretiſch u. praktiſch in der Erziehung tätig.
Durch ſtaatliche Lehrerſeminare überflüſſig ge-
worden, wurde D.3 Stiſtung, das Trierer Hilfs3=
ſeminar, 1841 aufgehoben.
II. Die pädagogiſche Bedeutung D.3 liegt
nicht in der Bahnung origineller Wege. Viel=
mehr ſchließt er ſich an Männer wie Felbiger, Over=
berg, Sailer, Nochow, Peſtalozzi an. Dem Bei=
ſpiele der drei erſtern folgend, war er aber im Unter-
ſchiede von den meiſt ungläubigen Pädagogen der
Auſklärungszeit ein durchaus poſitiv gläubiger
Pädagog. Dazu geſellte ſich ein warmer Patrio=
tiömus. Als lebenskundiger Theolog ſuchte er die
Kinder zu ſtrenger Gewiſſenhaſtigkeit zu erziehen.
Deshalb bemühte er fich vor allem, den Willen
dur) zwe>mäßigen Unterricht, Gewöhnung an
genaue tägliche Pflichterfüllung u. zweckmäßige
Belohnungen u. Strafen auszubilden.
III. Werke. D. entfaltete eine reiche ſchriſt=
ſtelleriſche Tätigkeit durc als 70 Scriften erbaulicher, landwirtſchaftlicher
u. pädagogiſcher Art. In leßterer Hinſicht ſind zu
erwähnen: „Lektion8plan de3 Kgl. Schullehrer=
ſeminarinms zu St Mattheis bei Trier“ (1816);
„Die ſittliche Crziehung der Kinder in den (Ele=
mentarſchulen“ (1819); „Abhandlung über die
zweckmäßigſten Strafen u. Belohnungen in Ele=
mentarſchulen“ (1818, 21821),
Literatur. J. Nießen u. P. Mertes, Viktor
Joſ. D., der trierſc [3. B. Sägmüller.]
Dezimalre Diagnoſe pſyhiſcher Erkrankungen. Je
rechtzeitiger bei einer pſychiſchen Erkrankung eine
fachärztlihe Behandlung eingeleitet wird, deſto
günſtiger find die Heilung3ausſichten. Daraus
ergibt ſich die Wichtigkeit der Kenntnis der erſten
Anzeichen der Pſychojen beim Kinde von ſelbſt.
1. Jun den Jahren bis zur Pubertät ſind
pſychiſche Erkrankungen ſeltener. Entſprechend dem
nod) nicht entwickelten Seelenleben treten auch die
nicht deutlich genug hervor. (E3 fehlt auch an
ſtörenden Neizen, wie ſie ſich im ſpätern Leben
häufen (Sorgen, Exzeſſe uſw.). Wo nicht erbliche
Belaſtung den Ausbruch pſychiſcher Krankheiten
veranlaßt, wa3 in den meiſten Fällen zutrifft,
bieten immerhin JInſektionskrankheiten, intellek=
tuelle Überanſtrengungen, fehlerhafte Erziehung,
Dezimalrechnung -- Diagnoſe pſychiſcher Erkrankungen.

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Schre>en, Kopfverlezungen uſw. Anlaß zu Gehirn»
prozeſſen, die zu mehr od. minder großer Beein=
trächtigung des pſychiſchen Leben8 von der geiſtigen
Schwäche bi8 zur Verblödung uſw. führen können.
=- Die Kinderſeele beſißt eine große Erregbarkeit
infolge geringerer Ausbildung der hemmenden
Einflüſſe im Nervenſyſtem (Soltmann). Dennoch
ermöglicht die unerſchöpflihe Spannkraft der
kindlichen Gewebe raſchen u. vollen Ausgleich der
Störungen, ſo daß viele Schädigungen nur vorüber=
gehenden Schaden ſtiften u. au8heilen (Kraepelin).
II. Die Pubertötsjahre bieten erhöhte Ge-
fahren zum Ausbruch einer Pſychoſe. Auch hier
hat als Urſache die erbliche Belaſtung die größte
Bedeutung. E38 kommen aber außerdem häufig
Onanie, bei Mädchen bis dahin unwirkjame Lage=
fehler der Geſchle erregungen auf da3 Großhirn u. nachfolgender
Blutarmut u. Bleichſucht hinzu. Zu raſches all
gemeines Wachstum u. Entwilung3hemmungen
des Schädels wirken ebenfalls mit. Infolge aller
dieſer Momente wird die urſprünglich ſ u. leiſtung3unfähige Anlage gegenüber den ge
ſteigerten Anforderungen mehr u. mehr verſagen
u. erkennbarer hervortreten.
UI. Bedeutung der Erkennungszeichen. Nicht
da3 Cinzelſymptom entſcheidet, ſondern der geſeß-
mäßige Zuſammenhang. Die Symptome gewinnen
alſo nur Bedeutung, wenn die Veränderung ſich
weder aus Temperament, Charakter u. ſonſtigen
Eigenſchaften, kurz aus der Perſönlichkeit de3
Kindes, noch aus Erziehung3umſtänden u. frühern
Lebenöſchikfalen erklären laſſen. In einem ſolchen
Falle iſt z. B. das biöher gutgeartete Kind wie
umgewandelt u. zeigt Neigung zu allerhand Unz
gehörigkeiten. Cine Kenntnis der Individualität
iſt aljo zur D. pſychiſcher Erkrankungen notwen=
dige Vorausſezung. Ferner ſind die Symptome
nicht ihrem Inhalte nach, ſondern nach ihrer
Motivierung abzuſchäzen. Motivloſe od. unge
nügend motivierte Veränderungen (unbegründete
Heiterkeit od. maßloſe u. langdauernde Traurig=
keit) ſind einer krankhaſten Unterlage verdächtig.
Wo anſcheinend keine Urſache zu finden iſt, liegt
angeborne od. erworbene Dispoſition vor. Cbenſo
iſt öſtere Wiederkehr od. grote8ker Wechſel von
Stimmungen od. auch das Zuſammenfallen mit
körperlichen Zuſtänden (Periode) zu beachten.
IV. Die ſpeziellen Erkennungszeichen einer
fich entwickelnden Pſychoſe ſind körperlicher u.
ſeeliſcher Art. Die anatomiſchen Degeneration32
zeichen (vgl. Belaſtung, erbliche) weiſen bereits
auf die Möglichkeit gleichzeitiger geiſtiger Entwi>k2
lungähemmungen (Jmbezillität, Jdiotie, [. d.) mit
u. ohne Cpilepſie ſowie auch anderweitiger dis8=
harmoniſcher Entwicklung hin. Lettere gibt ſich
am häufigſten in hochgradiger Reizbarkeit de3
Gemütes, verbunden mit Angſt= u. Zwang8zu=
ſtänden, u. ſogar im Selbſtmorddrang au bei
Kindern zu erkennen. Von den übrigen Störungen
körperlichen Wohlbeſinden3 ſind langdauernde

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