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kein erſreuliche3, dann läßt ſich auch von der Er»
zithung durch die D. nicht reden.
Es liegt durchaus im Intereſſe der Erziehung
der Ninder, daß dieſe nicht8 davon merten, daß die
Leiſtungen der D. bezahlt ſind. Das Kind hat eine
angeborne Chrfurcht vor dem I< des andern, E38
nimmt die Dienſte der Umgebung dankbar ent»
gegen, wie e3 ihm höchſte Freude iſt, andern ſich | P
nüßlich zu machen. Sobald es aber zu einer Arbeit
kommandiert wird, iſt alle Freude an diejer dahin;
e3 tut ſie nur läſſig u. verdroſſen. Dasſelbe Kind,
da3 no< eben der Mutter in der Küche aus ſreien
Stücen eifrig half, eben weil es ihr eine Liebe3»
tat erweiſen wollte, iſt ſofort umgewandelt, wenn
ihm die Arbeit beſohlen wird. Und ebenſo ent»
ſchwindet die Unbefangenheit, mit der e3 ſich
dort bedienen läßt, wo es fühlt, daß hingebende
Liebe die Kraft iſt, in demſelben Augenblie, wo
e3 erfährt, e3 habe ein Recht auf dieſe Leiſtungen.
Darum gelte die Negel : Laß deine Kinder, die ja
in Wirklichkeit nicht die Bezahlenden ſind, Dienſte
nur jo entgegennehmen, als wären ſie unverdiente
Güte, u. halte ſie an, ſie in gleichem Sinne zu
erwidern! Dann wird die Gewohnheit auc nach
ſpäterer Einſicht in die Wirklichkeit die rechte
bleiben, Hein Kind befiehlt, es bittet, u. kein
Kind bezahlt anders als mit Freundlichkeit u.
Dienſtwilligkeit. Auf dieſem Grundtone muß ſich
da3 Verhältnis der Kinder zu den D. aufbauen.
„Dann“, ſchreibt F. W. Foerſter mit Necht, „wird
man es an nicht mehr zu fürchten brauchen, daß
die D. die Kinder mit Roheiten anſte>en, die dem
Geiſte de3 Hauſfe3 entgegen ſind. Die D. werden
dann eine heilige Scheu vor dem Geiſte des
Hauſes haben, Sie werden ihn innerlieh aner-
kennen, da ſie den Segen edler Bildung täglich
in ihrer eignen Behandlung ſpüren. So gelingt
e3 ſeinfühlender Menſchlichkeit, an Stelle der alten
Autorität neue Gefühle ſreier Ehrerbietung ins
Leben zu rufen u. damit die Kinderſeelen vor Ver»
giſtung zu ſchüßen, während die engherzigen Ver-
treter der Unterwürfigkeit u. der Unmündigleit den
Haun der Noheit u. Gemeinheit um ſo unauſf-
haltſamer in ihre Kinderſtuben dringen ſehen, je
größer die Schranken ſind, die fie aufrichten
zwiſchen ſich u. denen, die ſie bedienen“ (a. a. O.
259).
Ein dunkler Punkt, der ſoeben in dem Zitate
ſchon angedentet wurde, bedarf ſreilid) noh eine3
bejondern Worte3: da3 ſind die ſittlichen
Geſahren, die, zumal in heutiger Zeit, auch
in den idealſten Häuſern den Kindern von den
D. drohen können. Gar nicht ſo ſelten ſind die
Fülle, in denen dieje durch Verführung der
&Knaben ihrer Dienſtherrſchaft ſchwercs Leid be-
reitet haben. Darum iſt es vor allem notwendig,
die Schlafräume der eignen Kinder ſowohl wie
die der D. zu überwachen u. anch ſonſt den Ver-
fehr beider unauffällig im Auge zu behalten,
Kommt e3 doch vor, daß die D. das Anögehen
halberwachſener Söhne u. Töchter zur Abend-
Dienſtentlaſſung -- Dienſtſertigkeit.

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od. gar zur Nachtzeit dur< Offnen od. Offen»
Iaſſen von Türen u. Fenſtern begünſtigen, Zu
100M Lobſprüche ſeitens der Kinder au die D.
ollten die Eltern 0 u. aufmerkſam machen.
Auch ſet hier der ſträſlichen Handlungsweiſe
mander Kindermädchen gedacht, von denen Alban
Stolz in Übereinſtimmung mit andern erfahrenen
ädagogen in ſeiner „Erziehungskunſt" (21911,
S. 106) ſchreibt : „Schon in früher Kindheit wird
die unreine Gelüſtigkeit dur künſtlich gewet, indem ſie das ſchreiende Kind
dadur< zu beruhigen ſuchen, daß ſie abſichtlich
wollüſtigen Kißel in ihm erweeen. Dies int das
Kind ſpäter ſelbſt, u. daraus entwickelt ſich dann
die geile Pflanze der geheimen Sünde.“ Man
ſei de3halb nicht zu vertrauensſelig. Allzu großer
Optimi8mus könnte den eignen Kindern das Bei-
jammenſein mit den D. zu einem wahren Ver-
hängnis werden laſſen. [I. Bötſch.]
Dienſtentlaſſung |. Diſziplinarverſahren.
Dienſtſertigkeit (Gefälligkeit), 1. Weſen
1. Notwendigkeit, Dienſtfertig iſt derjenige, der
ſie13 bereit (fertig) iſt, einem andern einen Dienſt
zu erweiſen. Von einer Gefälligkeit ſpricht man,
wenn es ſich um eine geringſügige Leiſtung handelt,
an welcher der andre Geſallen findet; häufig iſt
ein ſolcher Dienſt erbeten od. vorher angekündigt
worden, Die D. iſt eine Seite der Nächſtenliebe
(j. d.). Dieſe äußert ſic; entweder dadurch, daß
man jemand eine Gabe verabreicht, od. daß
man ihm einen Dienſt erweiſt. Im erſten Falle
hilft man mit ſeiner Habe, im zweiten mit feiner
Perſon. Bereits das Kind muß ſich der D.
befleißigen u. lernen, ſeine Perſon dafür einzu-
ſehen. Von Natur iſt es dazu wenig geneigt, da
es die Dienſte, die andre ihm leiſten, als eine
Sache zu betrachten pflegt, die e3 zu fordern hat.
Bei der Erziehung zur D. ijt nun wohl darauf
zu achten, daß dieſe nicht au3 falſchen Beweg-
gründen entſpringe. Nicht ſelten iſt z. B., daß
da3 Kind ſich durc) ſeine D. lediglich das Wohl-
gefallen ſeines Erzicher3 erwerben will. Iſt dieſer
aufmerkſam genug, ſo wird er dieſe Aungendienerei
(vgl. Streberei) bald durchſchauen u. ſeine Maß»
nahmen danach treſſen, Der rechte Beweggrund
zur D. iſt die Liebe, Läßt ſich dieſe auc nicht
befehlen, jo kann man Jean Panl dod) nicht zu-
ſtimmen, wenn er behauptet: „Ihr verſälſcht die
Liebe, indem ihr deren äußere Zeichen gebietet.“
Es iſt vielmehr zu erwarten, daß durch die zu=
nächſt mehr äußerliche Übung der Liebe ſchließlich
dieſe ſelbſt im Herzen der Kinder nach u. nach
hervorgerufen wird, zumal wenn der Erzieher bei
paſſenden Gelegenheiten immer wieder darauf
hinweiſt, daß nur diejenige D. einen ſittlichen
Wert hat, die aus herzlichem Mitgeſühl mit andern
hervorgeht. Hat ſic) auf dieſe Weiſe das Kind
von früh auf an die echte D. gewöhnt, ſo wird
das ſpäter auch im Verkehre wohltuend fühlbar
werden, In der Gegenwart klagt man nicht mit
Unrecht, daß die Geneigtheit zur D. ſtark im

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