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Schwinden ſei, Namentlich auf Reiſen iſt das
in erſchre>endem Maße an dem Verhalten der
Menſchen zu beobachten.
11, Die Anleitung zur D. muß im Eltern-
hauſe ſchon früh beginnen. Da3 tägliche Leben
bietet Gelegenheiten hierzu in Hülle u, Fülle.
Die meiſten Mütter leiten denm auch ſchon im
eignen Intereſſe zur D. anz denn wenn die Kinder
ihren Geſchwiſtern helfen, wird auch die Mutter
ſelbſt unterſtüßt. Dod darf ſich dieſe Übung nicht
auf da8 Elternhaus beſchränken; auch auf der
Straße u. in ſremden Häuſern ſollen ſich die
Kinder dienſtfertig zeigen u. dazu von den Eltern
dur Belehrung u. beſonder3 durch da3 Beiſpiel
angeregt werden. Leßteres geſchieht vor allem da=
durch, daß in Gegenwart der Kinder alle liebloſen
Reden über den Nächſten unterlaſſen werden ; denn
dieſe zerſtören die Wurzel der D., die Liebe.
Kommt dann noh hinzu, daß die Eltern ſich bei
der nächſten Gelegenheit vor den Augen der Kinder
den Verläſterten gegenüber troßdem unbefangen,
liebenöwürdig u. dienſtbefliſſen zeigen, ſo heißt
das die Kinder zu lieblojen Heuchlern erziehen.
Ebenſo dürfen die Eltern nicht vergeſſen, daß die
D. im Herzen der Kinder erſti>t wird, wenn man
aus Ungeduld od. übler Laune ihre Dienſte zurück
weiſt. Sind dieſe tatſächlich nicht angebracht, ſo
lehne man ſie freundlich unter Anerkennung des
guten Willens ab. Was3 das Verhältni38 der
Kinder zu den Dienſtboten (ſ. d.) angeht, ſo ver=
ſteht ſich von ſelbſt, daß ſie dieſen nicht die Ar-
beiten abnehmen, für die ſie in Dienſt ge=
nommen ſind u, die ſie ſelbſt verrichten können.
Daneben gibt es jedoch Gelegenheiten genug, auch
dieſen Gliedern des Hausſtande3 einen Dienſt zu
erweiſen, u. keine vernünſtige Mutter wird das zu
verhindern ſuchen, =- Über die D. in der Schule
vgl. den Art. Dienſtleiſtungen der Schulkinder.
[H. Brück.]
Dienſtleiſtungen der Schulkinder. Es
ſei hier zunächſt hervorgehoben, daß den Lehrern
wohl überall eine Benußung von Schulkindern zu
D. im eignen Nuhßen, ſei e3 außerhalb od, während
der Schulzeit, ſtrengſtens unterſagt iſt. Der preu-
ſiſche Miniſterialerlaß v. 7. Sept. 1900 beſtimmt :
„Jn Ausnahmefällen iſt es zuläſſig, daß ein Lehrer,
namentlich auf dem Lande, eine dringende Haus-
od, Feldarbeit, die er ohne Heranziehung ſremder
Arbeitskräfte nicht bewältigen kann, in ort8üblicher
Weiſe u. gegen Gewährung de3 ort3üblichen Ar-
beitslohnes in ſchulfreier Zeit von ſolchen Kindern
ausführen läßt, deren Eltern ſich vorher ausdrück=
lich mit einer Verwendung ihrer Kinder zu einer
beſtimmten Arbeit für den Lehrer einverſlanden
ertlärt haben.“
Wenn wir hier alſo von D. der Sculfinder
ſprechen, jo ſind ſol leben ergibt, voraus8geſeßt, daß ſie im Intereſſe der
Erziehung liegen. Auf jeden Fall iſt das Kind zur
Dienſtbereitſchaft zu erziehen. Das ſagt ſchon Over-
berg mit folgenden Worten : „Mangel an Gefällig-
Dienſtleiſtungen der Schulkinder -- Dienſtwohnung.

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keit u, Dienſtfertigkeit ſtiſtet unter den Menſchen
viel Unheil an. Kinder müſſen deshalb in der Ge-
ſälligkeit u. Dienſtwilligkeit fleißig u. frühzeitig
geübt werden“ (Anweiſung, Au8g. von Ganſen
[1888], 68). Er ſagt auch, wie das geſchehen
könne : „Viele Gelegenheit bietet ſich dazu freilich
in der Schule nicht; indeſſen gibt es hier einige,
z- B. daß ein Hind dem andern ſein Buch leiht,
daß einer den andern zurechtweiſt, ihm mit Be=
willigung des Lehrer3 hilft, ſeine Lektion beſſer zu
lernen, für ihn einen Gang tut, für ihn etwas
beſtellt“ (ebd. 69), Daneben gibt e8 aber auch
D. im Intereſſe der Schule ſelbſt, wie das Herbei-
holen u. Wegbringen von Lehrmitteln, das Rei»
nigen der Schultafeln, das Anſpißen der Kreide,
das AuSteilen u. Einſammeln der Hefte u. ähn=
liche Handreichungen. Aber auch zu perſönlichen
D. muß da3 Kind herangezogen werden. Und ich
meine, ſolche dürfte es außer der Schulzeit auch
dem Lehrer leiſten. Warum ſoll e3 nicht für ihn
eine Beſtellung machen, einen Brief zur Poſt
tragen, für ihn etwas holen? EC3 kommt nur
darauf an, daß die Kinder in richtiger Weiſe hier=
zu angeleitet werden. Sie müjjen dieſe kleinen
Gefälligkeiten gewiſſermaßen als eine Belohnung
ſür Fleiß u. Wohlverhalten u. al3 einen Ver=
trauensbeweis betrachten lernen. Hin u. wieder
möge man ſelbſt einen weniger guten Schüler
heranziehen, um ihm zu zeigen, daß man aud
ſeiner gedenkt u. ihm wohl will. Man ruſt da=
dur die ſchlummernden guten Anlagen wach u.
iſt ihm behilflich, daß er den Weg de3 Guten
wiederfindet. Wo es an der Übung ſelbſt fehlt,
da muß die Belehrung (ſ. d.) eintreten. In den
Geſinnungsfäcern bietet ſieh) wiederholt Gelegen=
heit, auf die Schönheit der Dienſtbefliſſenheit u.
die Häßlichkeit der Ungefälligkeit hinzuweiſen.
Daß der Lehrer für etwaige Unfälle der Kinder
bei jolchen D., geſchehen ſie für die Schule od.
für ſeine Perſon, haftbar gemacht werden kann,
jei nur angeführt (vgl. Haſtpflicht). DeShalb iſt
Vorſicht u. Auſſicht notwendig. [J. Pötſch.]
Dienſtwohnung, 1. Begriff u. Zweck
der D. Die D. für Lehrer iſt eine Wohnung, die
ſich im Schulgebäude od. in einem andern der
Gemeinde gehörigen Hauſe befindet, die kom=
petenzmäßig mit einer beſtimmten Schulſtelle ver-
bunden u. dem Stelleninhaber im Intereſſe des
Dienſte3 überwieſen iſt. Der Nußung8wert der
D. iſt alſo ein notwendiger Teil des Dienſt=
einkommens. Die Schaffung von D.en wird durch
da3 dienſtliche Intereſſe beſtimmt u. geſordert.
Bei größern Schulen iſt e3 für die Aufrecht-
erhaltung der Ordnung, für die Beauſſichtigung
de3 Gebäude3 u. der zugehörigen Stücke not=
wendig, daß wenigſten3 ein Lehrer darin wohnt.
Auf dem Lande, wo es zudem oft an geeigneten
Mietwohnungen fehlt, ſoll namentlich der junge
Volksſchullehrer nicht ſogleich bei ſeinem Dienſt-
antritte genötigt ſein, ſich im Wirt8hauſe Unter-
funft zu ſuchen.

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