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de syllaba (Proſodie), de pedibus (Metrik),
do tonis (Afzent), do posituris (Interpunktion);
die 2. über die 8 Redeteile (wie die Lditio prior,
daher auch Editio 8ecunda od. Partes maiores
genannt, wovon ſpäter der ganze 2. Teil auch
D. maior hieß); die 3. über Sprach- u, Siil»-
fehler (doe barbarismo, do goloecismo, de co-
toris vitiis), „Ausnahmen“ der Laut» u, Formen»
lehre (do motaplasmo) u. Rhetorik (do schoma-
tibus, do tropis), Stofflich iſt D. von ältern
Grammatikern abhängig, ſein Eigentum iſt die
Inappe u. überſichtliche Darſtellung. Da3 Vuh
wurde de8halb ſchon im römiſchen Altertnme hoch»
geſchäßt ; Caſſiodoru3 (+ 580) lobt e3, weil es
ebenjowohl die Clementarſchüler (pueri) wie die
Jünger der Wiſſenſchaft (tirones) berückſichtige,
1. ergänzte e3 durch einige Abſchnitte aus dem
Grammatiker Sacerdo3. Schon im 4. Jahrh.
n. Chr. hatte der bekannte Vergilerklärer Servins
(Sergin8) eine für den Unterricht beſtimmte er»
weiterte Umarbeitung verfaßt ; andre Kommentare
ſchrieben Cledonins, der beſonders darauf aus»
ging, die gedrängte Ausdrucksweiſe des D. zu er»
läutern ; Pompejus, der eine beträchtlich erweiterte
Bearbeitung des 2, Teile3 verfaßte; Biſchof
Zulianus v. Toledo (F 680), der auch den Inhalt
des 2, Teile3 ſamt den Zuſäßen des Servius u.
Pompejus in katechetiſche Form brachte (nur teil»
weiſe hr3g.).
Dieſe Popularität des D. erhielt ſich auch
durch das ganze Mittelalter, in deſſen Unterricht3»
betriebe die lateiniſche Grammatik den wichtigſten
Teil des Triviums (der niedern Gruppe der 7
freien Künſte) bildete; al38 Aus8gang3punkt ſür
deren Erlernung diente ſtet3 der D. minor.
hatte ſein Werk ſür Schüler u. Leſer geſchrieben,
deren Mutterſprache das Lateiniſche war; er
konnte daher von einer vollſtändigen Auſzählung
der Tatjachen der Formenlehre abjehen (ſo gibt er
im EClementarteile al3 Paradigmen der Nominal»
ſlexion bloß magister, musa, scamnurg, Sacer-
dos, felix). Je weniger nun die Kenntni3 de3
Lateins bei den Lernenden vorausgeſeht werden
konnte, um ſo mehr mußte ſich das Bedürfnis
herausſtellen, dieſe Lücken zu ergänzen. Daraus
erllärt ſich die außerordentlich große Menge der
mittelalterlichen Bearbeitungen beſonder3 des D.
minor, die mit dem Texte ſo willkürlich verſuhren,
daß ſchon Beda (674/735) ſich darüber beklagte,
daß „der urſprüngliche u. unverſälſchte Text, wie
er vom Verfaſſer hr3g. wurde, nur no< in ganz
alten Exemplaren zu finden ſei“. Von ſolchen
Bearbeitungen ſeien erwähnt die „Gloſſen“ des
Remigiu3 v. Auxerre (f um 908) zur Ars minor
(hr3g. von W. Fox [1902]) u. die Ausgabe, die
Magiſter Erchanbert im 9. Jahrh. eigens ſür die
Zwecke der Freiſinger Domſchule veranſtaltete
(unveröffentlicht) ; um 800 hatte ſchon Smarag»
dus, Abt von St-Mihiel an der Maas, den Ver-
fuch gemacht, die heidniſchen Klaſſikerbeiſpiele
urch ſolche aus Dorfſſchule -- Dörpſe1ld.

900
erſehen, ein Verfahren, das freilich auf ſtarke
Oppoſition ſtieß, Außerdem gibt es viele mittel»
alterliche anonyme Kommentare zum D. minor, die
ſich zum Teil in den ſpihſindigſien Erörterungen
darüber ergehen, warum D. gerade ſo u. nicht
anders ſieh ansdrüc>e. In der Negel begnügte man
ſich mit dem, was der D. minor bot; der D.
maior (ſowie Pri8cianus) wurde nur von den»
jenigen benußt, die eine höhere Ausbildung in
der Grammatik anſtrebten. Bloß der 3. Teil
des D. maior madte eine Ausnahme, da er als
Grundlage für die ſtiliſtiſchen Übungen, die ſog.
dietamina, verwandt u. de8wegen aud) al8 Do-
nati Barbarismus öſter abgeſchrieben wurde,
Außerdem wurden D, maior u, Pri8cianu8 im
ſpätern Mittelalter durch die verſifizierten Lehr-
bücher des Alexander de Villa Dei (f. d.), Eber-
hardus Bethunenſis, Johanne8 de Garlandia
1. a,, die dem Zeitgeſhma>de mehr zuſagten,
zurückgedrängt, Jedoch der D. minor erhielt ſich
al8 Clementarbuch no< lange bis in die Neuzeit,
wie die vielen Inkunabelausgaben bezeugen, unter
denen ſich zahlreiche jeht als ſehr koſtbar geſchätte
Holztaſeldrucke befinden.
Literatur bei M. Schanz, Geſch. d. röm. Lit,
IV (1904 fj) 195 ſf; Text u. ältere Kommentare in
H. Keil8 Grammatici latini IV 1. V (1864 f), ſo»
wie in H. Hagens Supplementum. Vgl. ferner:
H. Keil, Univ.-Progr. von Erlangen (1868); F.
A, Specht, Geſch. des Unterrichtsweſ. in Deutſch-
land (1885). [H. Schentl.]
Dorfſſchule ſ. Einklaſſige Volksſchule.
Dörpfeld, 1. Lebensgang. Friedrich Wil-
helm D. wurde zu Sellſcheid bei Wermelskirchen
D. | (Bezirk Düſſeldorf) am 8. März 1824 geboren.
Der Vater war Meiſter in einer Hammerſchmiede
1. bewirtſchaſtete daneben ein kleine8 Afergut. Der
Knabe beſuchte zunächſt die einklaſſige Bezirk3=
ſchule zu Pohlhauſen, dann in Burg a. d. Wupper
die Schule des Lehrer3 vom Werth. Dieſer unter»
wies ihn neben dem planmäßigen Unterrichte im
Franzöſiſchen, in der Mathematik, im Zeichnen
u. in der Muſik. Von beſonderm Einfluſſe auf
die Geiſtesentwicklung D.8 war ſein Großvater
väterlicherſeits. Von Natur Philoſoph, beſaß
dieſer neben naturwiſſenſchaftlichen, aſtronomiſchen
u. hiſtoriſchen Schriſten philoſophiſche Werke der
Kantſchen Schule in volkstümlicher Darſtellung
u. unterhielt mit gleichgeſinnten Männern einen
Leſezirkel, in dem auc) philoſophiſche, welt- u.
zeitgeſchichtlihe Fragen erörtert wurden. Die
Teilnahme D.3 an dieſen Zuſammenkünften wedte
in ihm das Intereſſe an der Philoſophie u. die
Freude an dem Umgange mit Gleichſtrebenden.
15 Jahre alt, trat er in die Oberklaſſe der Prä-
parandenanſtalt zu Fild bei Mör3 ein, die der
Seminardirektor Franz Ludwig Zahn (5 1890) in
Mörs3 errichtet hatte. Nach Abſolvierung dieſer
Anſtalt wurde D. nach damaliger Sitte Hilſ3-
lehrer, u. zwar bei ſeinem ehemaligen Lehrer vom
Werth in Burg. Dieſer regte ſein natürliches

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