r
59
untermiſcht, ohne ſich doc< darin zu erſchöpfen.
Während der Eitle durch ſchlecht verhehlte3 Haſchen
nach ſremdem Beifall, der ſich Zierende durc ſein
umſtändliches Gebaren eine gewiſſe Schwäche ver-
rät, fühlt ſich der Aſſektierte jeines imponierenden
Eindruc3 ſicher ; er iſt alſo auch von ſtarker Ein-
bildung, ja von Dünlelhaſtigkeit beſeſſen. Wer
aber jein ganzes Verhalten nur nach dem äußern
Schein einrichtet, der wird unwahrhaſtig u. ver»
logen ; u, ebenſo verfällt er dem Fehler übergroßer
Eigenliebe. Alle3 da3 ſind Gründe, die dem Er-
zieher den Kampf gegen a. B. zur Pflicht machen.
Fallen doch die Keime zu dieſem jhon in das
jugendliche Herz. Jede3 geſunde Kind hat eine
tarke Empfänglichkeit für alle3 äußerlich Ein»
rucl3volle. Die andachtsvolle Haltung der beten»
den Mutter iſt ihm da3 ſinnfällige Kennzeichen
der Frömmigkeit. Wird es nicht verſucht ſein,
darin auch ihr Wejen zu ſehen? Von ſolcher
falſchen "ufjafſung zum aſſeltiert ſrommen Ge»
baren de3 Sinde3 ſelber iſt nur ein Schritt,
Die Neigung zu a. B. wächſt aber beſonders in
den Entwickllung3jahren. Die ſchwungvolle Geſte
des Nedner3, de3 Schauſpieler3, die Gewalt ihrer
mit voller Empfindung aus8geſtrömten Worte, die
imponierende Haltung de3 Oſſizier3, das elegante
Benehmen der vornehmen Dame, da3 Beſtehende
der modiſchen Kleidung: alle3 da3 wirkt auf reif
werdende junge Menſchen, bei denen die geſchlecht»
liche Geſallſucht den unbewußten Unterton ihre3
Benehmens bildet, mit zwingender Macht u. reizt
zur Nachahmung.
Dieſem Alter gegenüber iſt e3 die beſondere
Pflicht des Erzieher3, auf den Gegenſaß von
Schein u. Wirklichkeit, auf da38 Verlogene bloß
äußerlichen Tuns, auf die Gefährlichkeit aller
Eſſekthaſcherei hinzuweiſevy, Und da mit Worten
weniger erzogen werden kann al3 mit der Tat u.
dem Beiſpiel, ſo verlange er nicht nur Schlicht»
heit u. Wahrhaſtigkeit im Reden u. Handeln ſeiner
Zöglinge, ſondern biete vor allem ſelber das Bei-
jpiel eines Menſchen, deſſen Denken, Tun u, Neden
Auſrichtigkeit u. Selbſtloſigkeit verraten.
Zöglinge, die bereit3 Spuren a. B.3 zeigen,
ſtelle man nicht durch Spott od. Hohn vor andern
bloß. Aſſektierte Menſchen ſind meiſt ſchr empfind»
lich, u. in gereiztem Zuſtand iſt niemand für er»
ziehliche Einwirkung empfänglich. Humorvolle
Behandlung des einzelnen Falles kann dagegen
wirkungsvoll ſein, weil ſie Erbitterung im Zög»=
linge nicht auſkommen läßt u. do< das Gefühl
für da3 Lächerliche des eignen Gebaren3 wedt.
Am ratſjamſten iſt jedoch eine Ausſprache unter
vier Augen. So kann man rüchaltlos auf das
Unwahre dieſes Weſen3 hinweiſen u. dem Aſſek-
tierten die Selbſttäuſchung klarmachen, in der er
ſich befindet, wenn ec glaubt, andern zu imponieren
durch ein Benehmen, das in Wirklichkeit andrer
Leute Spott herausfordert, [9. Weimer.]
'Affektſtörungen, verbunden mit den die
Affekte ſtet3 begleitenden motoriſchen, vaſomoto»-
Afſektſtörungen.

3
60
riſchen, hautelektriſchen u, weite jeh Erſchei»
nungen, treten ſelten für ſich allein, jondern meiſt
nur al8 Andru einer abnormen Reaktions8weiſe
des Gehirns auf Grund anderweitiger pſychiſch»
nervöſer Krankheiten auf. Bei den Beziehungen der
Aſſekte zu den Geſühlen u. Trieben, ſowie dieſer 8
die Gemütsſeite de3 Seelenlebens darſtellenden Vor»
gänge zu den Vorſtellungen ſinden auch bei deren
Störungen zahlreiche Wechſelbeziehungen derſelben
untereinander ſtatt, Die Anomalien der Affekte,
die wieder in Luſt- n. Unluſtaſſekte zu trennen ſind,
können in poſitiver od. negativer Nichtung in ab-
normer Steigerung od. Herabjehung liegen. Die
leßtere, häufig die Folge eine8 herabgeſehten Emp-
ſindungsövermögens u. begleitet von allgemeiner
gemütlicher Abjtumpfung, kann zu einem völligen
Aſſektmangel führen. Häufig findet man
eine jolc zuſtänden gewiſſer Verblödungsprozeſſe. Aber auc
im Beginne ſolcher Zuſtände jugendlicher Perſonen,
bei der ſog. Hebephrenie, dem Jugendirreſein,
wird zuweilen eine auffällige Stumpfheit u. ein
weitgehender Aſſektmangel beobachtet. Viel häufiger
jedoch al3 eine Herabſehung findet ſich eine Stei
gerung der Aſſekte. Hier finden fließende
Ibergänge zwiſchen dem phyſiologiſchen Aſſelt u.
den ſog. aſſektiven Irreſein8formen, den depreſſiven
u. expanſiven Aſſekten de3 maniſch depreſſiven
Irreſein3 ſtatt. Da3 Krankhafte zeigt ſich hier in
der abnormen IE u. Dauer der Aſſekte im
Vergleich zu der äußern Urſache, da ſie zuweilen
ſogar völlig endogen (infolge Anlage) ohne jede
äußere Urſache auſtreten. Auch eine Perverſion
ſindet ſich öſter3, inſofern ſich an ein ſonſt luſt»
betontes Ereignis ein ſ kann u. umgekehrt. Am häuſigſten ſind Aſſekte
depreſſiven Charakters, ſchmerzliche u. Angſt-
aſſekte ſowie Zornausbrüche, Bei beſonderer
Stärke der Erkrankung kann eine ſolche ſenſorielle
u. pſychiſche Überempfindlichkeit vorhanden ſein,
daß ſelbſt einſa intenſivſten Aſſekte bi3 zum Verluſte des Bewuſßt«
ſeinöu, Konvulſionen hervorrufen können. Während
man ſrüher geneigt war, eine iſolierte habituelle
abnorme Gemütserregbarkeit anzunehmen, u. dar»
aus eine eigne Krankheit (lracundia morboga =
Jähzorn) gemacht hat, iſt jeht die allgemeine
Meinung, daß der abnorme Neaktionömodus de3
Gehirns ſtet3 al8 Zeichen einer tiefern Erkrankung
anzuſehen iſt. Er weiſt ſtet3 auf ein dur< Anämie,
Alkoholmißbrauch od. durch ſchwere Inſulte (Hirn=
krankheit, Kopfverlehung), od. ſerner von einer
ſchweren Neuroſe (erbliche Belaſtung, Epilepſie,
Hyſterie, Neuraſthenie, Pſychopathie) geſc od. in der Anlage defekte3 (Jdiotie, Imbezillität)
Gehirn hin.
Im jugendlichen Alter ſind e3 neben der Jdiotie
u. Imbezillität in erſter Neihe die hyſteriſche u.
epileptiſche Konſtitution u. die mit dieſer mancherlei
Ähnlichkeiten aufweiſende pſychopathijche Minder-
wertigkeit, die ſich durch häufige intenſive Affekte

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.