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Dumwſc eus) ]. Dummheit,
Dumwmſtolz [. Dummheit.
Dünkelhaftigkeit |. Hochmut.
Dupanloup, Felix, Biſchof v. Orltans
u, Pädagog. I. Leben, D. wurde am 3. Jan,
1802 zu St-Feliz in Savoyen geboren u. ſtarb
den 11. Olt, 1878 auf Schloß Lacombe bei Gre-
noble, Nach Vollendung ſeiner Studien in Paris
erhielt er dort 1825 die Prieſterweihe. Paris
war ihm auch lange als Arbeit8ſeld vorbehalten.
Nacheinander Vikar in 3 Pfarreien, wandte er
ſich ſchon früh der Erziehung u. dem Unterrichte
zu. Am königlichen Hoſe gab er Prinzen Reli»
gionöunterricht, Durch eine Akademie des hl, 4
zinth übte er einen heilſamen Einfluß auf die
Jugend aus, 1837/45 leitete D. das Kleine
Seminar od. Erzbiſchöfliche Gymnaſium von St-
Nicola83-du»Chardonnet. Hier gehörte zu ſeinen
Schülern auch E. Renan, der ihn einen unver-
gleichlichen Erzieher nennt, 1841 hielt D. Vor»
lejungen an der Sorbonne über Beredſamtkeit.
Seit 1844 nahm er teil am Kampfe für Unter»
richtöſreiheit, der 1850 durch da3 Geſeßz Falloux
gelrönt wurde. Derſelbe Kampf führte ihn auf
da3 Gebiet der pädagogiſchen Schriftſtellerei, u.
er machte ſowohl durch kleinere Schriften wie durch
größere Werke viel von ſich reden. Nachdem er
I worden war, erſolgte 1849 ſeine Erhebung auf
den Bijſchojſtuhl von Orltans. Als Gaume (ſj. d.)
in dem Klaſſikerſtreite Schriftſtellern in Gymnaſien den Vorrang vor
heidniſchen anweiſen wollte, vertrat D. 1852 den
entgegengeſehten Standpunkt, Er geriet dadurc
in den Streit mit Veuillot3 Univers u. veran
laßte Gaumes8 Lettres a Mgr. Dupanloup
(„Brieſe an Biſchof D."). 1854 wurde D. Mit»
glied der Akademie, 1871 Abgeordneter, 1876
Senator. Geiſtreich, beredt, überaus eifrig ſür
da38, was ihm gut dünkte =- manche hielten die3
für auſdringlich =-, entſaltete D. eine erſtamnliche
Tätigkeit. Im Zuſammenhange mit ſeinen päd-
agogiſchen Jdealen betrieb er die allgemeine Be-
lebung des Chriſtentum3 im Volke, erſtrebte die
wiſſenſchaſtliche Hebung der Geiſtlichkeit, arbeitete
auf ſozial»caritativem Gebiete u. ſpann kirc politiſche Fäden. Obgleich ein Führer der Nicht-
opportuniſten auf dem Vatikaniſchen Konzil, nahm
er doch die Entſcheidung an u. verteidigte die
Rechte des Papſtes.
IT. Bedeutung in pädagogiſcher Beziehung.
Man braucht nicht jede Anjicht D.3 zu teilen u.
kann dennoch leicht die allgemeinen großen Ver-
dienſte dieſe3 Pädagogen u. ſeiner Schriſtſtellerei
anerkennen. C3 genügt, nur teilweiſe ſein Werk
Do l'education („Die Erziehung“) durchzuleſen.
D. behandelt anregend da3 geſamte Erziehung3»
UU, Unterricht3weſen, wobei er mit manchen guten
Anſchauungen ſeiner Zeit voranzeilte. Al38 Wahl»
ſpruch wird dem allgemeinen Teile vorgeſeßt :
Dummſc
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„Die Erziehung iſt ein Werk der Autorität u.
der Ehrfurcht,“ Der 1. Teil der „Erziehung“
wird in 3 Bänden dargelegt. Von den 5 Büchern
des 1, Bande3 betrachtet das 1. Buch die Er»
ziehung im allgemeinen, Was iſt eigentlich die
Erziehung? ſo fragt der Verfaſſer u, antwortet:
„Alle phyſiſchen, intellektuellen, moraliſchen u.
religiöſen Fähigleiten, aus denen die Natux u, die
Menſchenwürde des Kinde3 beſteht, zu pflegen, zu
üben, zu entwideln, zu kräſtigen u. zu verſeinern,
dieſen Fähigkeiten zu ihrer vollkommenen Ent»
widlung zu verhelfen, ſie zur ganzen Entfaltung
ihrer Kraft u. deren Äußerung zu bringen ; dur)
ſie den Menſchen zu bilden u. ihn auszurüſten,
während de3 irdiſchen Daſeins ſeinem Vaterlande
in den verſchiedenen geſellſchaſtlichen Stellungen,
zu denen ihn dieſes eines Tage3 berufen wird, zu
dienen ; endlid ihn durch die Veredlung u. Ver»
klärung des gegenwärligen Lebens auf das ewige
Leben vorzubereiten : dies iſt das Werk, dies das
Endziel der Erziehung." Das Geſetz der Arbeit
iſt das große Geſeß der menſchlichen Erziehung.
Das Haupttalent de8 Erzieher8 beſteht nach D.
darin, den Zögling mutig den Weg der Arbeit u.
des perſönlichen Fleißes betreten zu laſſen ; Arbeit
od. Leibesübung, die den Gliedern Kraft verleiht ;
Geiſtes8arbeit, die in ihm das Urteil, den Geſchmad,
die Denkkraſt, das Gedächtnis, das Vorſtellungs-
vermögen bildet; Arbeit des Herzen3, de3 Willens,
des Gewiſſens, die den Charakter ausbildet, gute
Neigungen entwicelt, tugendhafte Gewohnheiten
hervorbringt. Da3 Beibringen von Kenntniſſen
od, das Vollpſropfen damit iſt Unterricht, während
die Erziehung weſentlich in der Entwieklung der
menſchlichen Fähigkeiten beſteht, D. betont dieſen
Punkt, weil er zwar in der Theorie nie geleugnet
worden, aber in der Praxi38 jeden Tag auf da3
ſonderbarſie verkannt werde, Höher als höhere
Schulen iſt die große Schule des Lebens, D. warnt
vor der frühreifenden od. Treibhauserziehung. Er
beſpricht bei der Lehre vom Kinde die Achtung,
die man der Würde u. Freiheit ſeiner Natur
ſchuldet, Er redet von 4 Erziehungsmitteln : der
Religion, dem Unterrichte, der Diſziplin, der phy»
ſiſchen Pflege. Die verſchiedenen Erziehungöarten
werden lehrreich erörtert. Der 2. Band derſelben
„Erziehung“ verbreitet ſich zunächſt über Gott,
ſodann über den Vater, die Mutter, die Familie,
den Erzieher, das Kind u. das Geſeß der Ehr»
ſurcht, den Mitſchüler u. die öffentliche Erziehung.
Der 3. Band von D.3 allgemeiner „Erziehung“
beleuchtet die notwendigen Eigenſchaften de3 Vor»
ſteher3 u, der Lehrer, die Hauptſchwierigkeiten der
Erziehung des Kindes u, einige große Hilfsmittel
ſür die Wirkſamkeit, unter denen au die Spiele
betont werden. Al8 Schluß erſcheint das große
Mittel der Erziehung : immer bei den Kindern ſein,
ſich mit ihnen identifizieren, mit ihnen ſpielen u.
ſie ſpielen laſſen. =- Mit der ihm eignen Be»
geiſterung trat D. al38 Anwalt de3 weiblichen Ge-
jchlecht8 auf. Er verlangte eine gebührende all

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