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Gewicht auf die Erkundung de3 Vorleben38 der
Schul» u, Anſtaltökinder. Zu dieſem Zweitle
werden von ſeiten der Schul» u, Anſtaltsleitungen
eigne Fragebogen ausgearbeitet u. an die Eltern
der Zöglinge zur Beantwortung geſchi>t. Die
Fragen betreſſen im allgemeinen die körperliche
Uu. ſeeliſche Entwieklung der Kinder ſeit ihrer Ge-
burt; e8 wird geforſcht nach dem Verlaufe der
Geburt (normal od, anormal?), nach vorgekom»
menen Erkrankungen u, deren Nachwirkungen,
nach Vererbungserſcheinungen, Geſundheit8ver»
Hältniſſen der nähern Verwandtſchaft, nach Be»
ſchaffenheit der Sinne, der geiſtigen Anlagen, der
Lieblingsbeſchäftigungen, der ſittlichen u. geiſtigen
Vorzlige od. Mängel, Solche Fragen können zur
Beurteilung dem Lehrer u, Erzieher ſchäßbare
Winke geben, wenn ſie ſachgemäß beantwortet
werden, Nun iſi fri bekannt, daß die Eltern
nicht immer die objeltivſten Beurteiler ihrer eignen
Kinder u. die Erinnerungsausjagen oft recht
wenig zuverläſſig ſind- Aber immerhin bieten
auch dürftige Winke dem geſchulten Pädagogen
wenigſten3 einige Anhalt8punkte, von denen aus
die weitere Beobachtung ſoriſchreiten kann, Den
Vorzug haben ſchriftliche Anfragen an die Eltern,
damit dieſe ihre Antworten ruhiger überdenken
können u, den Aufregungen mündlicher Beſpre»
Ttalt nicht ſo ausgeſeßt ſind u. daher auch weniger
urückhaltend u fein brauchen. Die Frageſtellung
Terbt bleibt eine Taktſache, ebenſo wie die Ver-
wertung der erhaltenen Auskunſt. Keinesfalls
darf leßtere dazu benußt werden, die Kinder vor
ihren Kameraden in der einen od. andern Weiſe
bloßzuſtellen, Die Angelegenheit muß Vertrauens»
ſache ſtin, Auch dürfen etwaige Angaben Über
ſittliche Schwächen u, Verirrungen nicht die Ver»
anlaſſung zu ſtändigem Mißtrauen ſein, Der
Lehrer u, Erzieher muß ſich ſtet8 vor Augen
halten, daß da8 jugend Individuum in voller
Entwicklung ſteht u, de8halb immer noh eine
Wendung zum Beſſern machen kann, Solche
Fehlerangaben müſſen im Gegenteil den Päd»
agogen auſmuniern, die vielfach ſo ganz über-
ſehene poſitive Erziehung einzuleiten, die ſich mit
er Heilung de3 Fehlers befaßt. Gut wird es
jew wenn die E. von Zeit zu Zeit durch Aus»
endung eine3 neuen Bogen3 ergänzt werden,
Dieſe Ergänzungen bilden dann treſilichen An»
Halt zum Bergleiche mit dem frühern u. dem neuen
Entwitlungsſtadium. Cmpfehlenswert dürſte es
ſein, den Litern gleichzeitig mit dem Fragebogen
ein Merkblatt zu geben mit einer leichtverſtänd»
lichen Anleitung zur Kunſt der elementaren päd»
agogiſchen Beobachtung (über das Wo, Wann,
Wie der Beobachtung). Erhöhten Wert erlangen
die E., wenn ſeiten8 der Schule u. Anſtalt dann
Uu. wann eine Benachrichtigung an die Eltern er-
geht über die Sc an den Kindern mit dem Erſuchen, die Eltern
möchten nadforichen u, überlegen, inwieweit dieſe
Elterngewalt

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Beobachtungen begründet od. unbegründet ſind,
inwieweit ſich ungünſtige Beobachtungen durch
Beſſerung der häuslichen Verhältniſſe umgeſtalten
ließen (z. B. durc< Einſchränkung der Vergnü»
gungen, Beſchaffung hinlänglicher Schlaſfenszeit,
Enthallung von Genußgiſten), Auf dieſe Weiſe
würden die E, das ſo notwendige freundſchaftliche
Band zwiſchen Haus u. Schule od. Anſtalt zu
müpfen recht geeignet ſein. Auch für die Eltern»
abende (ſ. d.) könnten die E, ein wertvolle3 Dis»
kuſſion8material bilden,
Siteratur, Gute Unterlagen [. e. Fragebogen
bieten: I. Trüper, Perſonalienbuch (*1911); E.
Martinak, Weſen u. Aufgabe einer Schülerkunde
(1907 ; Beitr. 3. Kinderforſchung u. Heilerziehung
H]! 25); H. Goldbaum, Das Buh der Mutter.
Anleitung 3. Beobachtg d. geiſt. Entwiklg d. Kin-
des 1, d. erſten Sebenöjahren (1911),
[Joſ. Weber.]
Eltexngewalt, 1. Begriff u, Grenzen
der E, Die E. iſt die von Gott den Eltern über
die Kinder zu deren Wohl verliehene Macht (Au-
torität), Natürliche Träger der E. ſind während
der Lebzeiten beider Eltern Vater u. Mutter in
ehelicher Ordnung ; wenn der Vater ſtirbt od. ſeine
Gewalt erliſcht, iſt es die Mutter allein, Die E.
als ſitilich»rechtliches Verhältnis zu den Kindern
wird begründet durch die Erzeugung, d. h. da-
durch, daß die Eltern dem Kinde in der Ehe
unter göttlicher Mitwirkung das Leben ſchenken,
Eltern, die mit Durchbrechung der ſittlichzrecht-
lichen Ordnung im Ehebruche od. im ledigen
Stande Kinder zeugen, haben nicht in vollem
Umfange die E. Über dieſe, ſondern nur in dem
Maße, als ihnen die Recht3ordnung eine ſolche
Gewalt zum Beſten der unter dem elterlichen
Rechtsbruche leidenden Kinder zuerkennt,
Die E. iſt wie jede ſittlich-rechtlich übergeord»
nete Gewalt in der menſchlichen Geſellſchaft ein
Ausfluß der göttlichen Gewalt, „Denn es gibt
keine Gewalt außer von Gott" (Röm 18, 1). Die
E. iſt ein Werk der göttlichen Vorſehung, die hier
wie auch ſonſt ſich der geſchöpſlihen Kräfte be-
dient, um ihre Wohltaten zu ſpenden, Auch von
der E. gilt de8halb das Apoſtelwort in bezug auf
das Kind: „Sie iſt Gottes Dienerin, dir zum
Beſten“ (ebd. 13, 4). Sie iſt alſo etwas andres
als die Patrin potostas des heidniſchyrömiſchen
Rechts, des heidniſchen Rechtöbildungen , die vielfach in die
perjonliche Rechtsſphäre des Kinde3 übergreifen u.
ieſe teilweiſe völlig mißachten, Die E. hat nicht
bloß ihre Macht, ſondern auch ihre Abgrenzung
von Gott, Ihre natürlichen Grenzen, die nicht
verrlidt werden dürfen, ſind einerſeits da8 Über»
geordnete göttliche Recht u. anderſeits das neben»
u. Untergeordnete Necht des Kinde3 (vgl, d. Art.
Naturrecht), Die LE. iſt ſomit kein abſolutes un»
beſchränkte3 Recht. Wo ſie in Gegenjaß tritt zu
dem göttlichen Geſeke, da gilt auch ihr gegenüber
der Saß: „Man muß Gott mehr gehorchen als

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