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meln ſollte, Liebevolles Beſragen unter vier Augen
wird vielleicht zum Segen für die arme Familie
yy. den Lehrer fib. Über die Form der ſchriſt-
lichen €. kann die höhere Lehranſtalt Anordnungen
freſſen entſprechend den beſtehenden geſeßlichen
Vorſthriſten über den Schulbeſuch; ſür die Volks»
ſchulen ſind derartige Beſtimmungen gut, oſt aber
nicht durchſührbar. [S. P. Widmann.]
Entiwikkelnder Unterricht, Entwickelnd
kann jeder Unterricht heißen, der zur Entſaltung
der Seelenkräſte de3 Lernenden beiträgt, aber im
engern Sinne iſt e3 der die Intelligenz bildende,
welcher die denkende Bearbeitung d»8 Lehrſtoſſes
in Gang ſedt, die nun ebenfall8 ein Entfalten,
Entwiekeln heißen kann, nicht wie jene ein pſycho»
logiſches, ſondern ein logiſches. Die Didaktik hat
den Ausdruck in lehterm Sinne zu verwenden u,
dabei die Anſſaſjung der 2'iien 1. der Philoſophen von der Intelligenz zugrunde zu
legen. Nach diejer iſt eine zweiſache Betätigung
der Intelligenz zu unterſcheiden: die des Ver»
ſtandes u. die der Vernunft. Den Verſtand
jaßten jene Denker al3 ein geiſtiges Sehen, die
Vernunft als ein innere8 Sprechen. Jener betätigt
ſich wieder doppelt: er gewinnt über Mannig»
ſaltigkeit des Wahrnehmung8- u. Erfahrungs»
ſtofſes einen Überbli> u. auf Grund davon einen
Einblick in das Bleibende, Weſentliche desſelben,
in das Weſen, womit er ſich die Frage: Was?
beantwortet u. Begriffe bildet. Die Vermmſt da-
gegen zerlegt, darin der Sprache gleich, Kenntnis»
nhalte u, verfährt daher diskurſiv, aber ſie ſchließt
auch die Begriſſe zuſammen, indem ſie Grund
u. Urſache aufjucht u. die Frage: Warum? be
antwortet. Auf dieſe Betätigungen der Intelligenz
gehen die logiſchen Operationen zurück: auf die
überblikende die Induktion, auf die einblikende,
das Weſen beſtimmende die Definition, auf die
zerlegende die mehrſachen Formen der Cintkeilung,
auf die begründende der Schluß u. Beweis, Dieſe
Operationen bezeichnen das vierſache Verfahren
des e, U.3. Die Ausbildung der Induktion u. De»
ſinition iſt ſchon Gegenſtand alter Verſuche, u.
zwar an Sokrates" Namen geknüpft. Im Lehr»
betriebe iſt die „ſokratiſche Methode“ mit ihrer
dialogiſchen Form nur beſchränkt anwendbar ; der
Lehrer hat aber induktiv zu verfahren, indem er
unter Mitwirkung der Schüler Gegenſtände od.
Tatſachen vergleicht u. das Gemeinſame heraus»
hebt, wodurch unbeſtimmte Geſamtvorſtellungen
zu Begriſſen gellärt werden. So bei allen empi»
riſchen Lehrſächern : der Naturgeſchichte, Geo»
graphie, Geſchichte, aber auch im Sprachunterrichte,
wo die Regel geſunden werden kann.
Auf da3 Bedürſni3 nach Definitionen kann der
Lehrer durch die Frage : „Was iſt das eigent»
lich?“ führen. C3 iſt dies die Frage nach dem
Weſen, u. zu beantworten durch den nächſthöhern
Begriſſ u. das beſondere Merkmal. Definitionen
gewöhnen an Genauigkeit der Terminologie, auf
die im Unterrichte ſtrenger gehalten werden ſollte,
Entwidkelnder Unterricht -- Entwidlungs8perioden,

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al38 gemeinhin geſchieht, Auf höhern Stufen ſind
Definitionen als Themata für Auſſähe zu ver-
wenden, aber mit vorbereitender Denkübung,
Die Arten der Einteilung ſind die Diviſion,
die Anordnung u. die Dispoſition, Eine gute
logiſ teilungsgründe, durch die Syſteme entſtehen: ſo
in der Grammatik, wo die Formen unter eine
Mehrzahl von Begriffen fallen, was im Para»
digma veranſchaulicht wird. Zur Voräbung ſür
die Dispoſition (ſ. d.) ſind die Formeln der alten
Nhetoriker: „Wer, was, wo, womit, warum, wie
1. wann“, 1.* „Wer, was, warum, dagegen, Ahn»
liches, Beiſpiele, Belege“ (die Chrie, |. d.), ver-
wendbar, dürfen aber nicht al8 Shablonen dienen,
vielmehr muß die Entwicklung des Themas die
Einteilnng hergeben.
Schluß u. Beweis ſind entweder begrün»
dend od. folgernd ; beim Begründen wird vom
Gegebenen (der Tatſache, dem Beſondern) zum
Grande (der Urſache, dem Allgemeinen) vorge»
dringen ; beim Folgern werden dem Grunde durch
Anwendungen od. nähere Beſtimmungen Erkennt-
niſſe abgewonnen. Das Begründen iſt eine auſ»
ſteigende, analytiſche (d. i. heranslöſende), das
Folgern eine abſteigende, ſynthetiſche (d. i. zu-
fügende, ableitende) Denkbewegung (ſ. Analyſe
u. Syntheſe), N1s Ableitung (lat. derivatio, her-
genommen von dem Herableiten de3 Waſſers aus
der Quelle) wird das Folgern als Deduktion
bezeichnet, die dann dem entgegengeſehten Vor-
gehen: der Induktion, zur Seite geſtellt wird.
Das ergiebigſte Feld der Schlußbildung u. Beweis»
führung iſt die Mathematik, beſonders die mathe-
matiſche Geographie. Als Leitlinien der Entwi-
lung haben beide Operationen aber aud) in der
Auſſaßhübung ihre Stelle (vgl. Dialektik).
Literatur. O. Willmann, Didaktik (1909)
838 85 11. 86; derſ., Philoſ, Propädeutik. 1: Pogik
(71905) 88 1--4 1, 18, [OD. Willmann.]
Entwilungsperioden, I. Wichtigkeit
ihrer Kennini8 u. Methoden ihrer Beobach-
tung. Bei ſeiner Geburt trägt jeder Menſch die
Anlage zu alledem in ſich, was er in der Zukunſt
ſein wird. Körperliche3 u. geiſtiges Wachstum
iſt nur eine Lebensentſaltung. Erzieher u. Lehrer
müſſen mit dem Gange dieſer Entwieklung u.
mit den ECigentümlichkeiten ihrer einzelnen Sta-
dien vertraut ſein. Nur ſo können die der
Eigenart de38 jeweiligen Alter8 entſprechenden
Mittel der Erziehung angewandt werden, nur ſo
kann ſich die Pſychologie de8 Unterrichtäöſtoffes
decken mit der Pſychologie des Schüler3. Auch in
ſrühern Zeiten war man ſich dieſer oſſenkundigen
Wahrheit wohl bewußt. Zeugnis hierfür lieſern
Scriſten u. a. von Ariſtoteles, Maphens8 Vegius,
Boſſuet, Schwarz, Sailer, Mad. Ne>er de Sauſ»
jure, Jean Paul, Fröbel, Aud in der Praxis
wurde hierauf Rücſicht genommen. Benediktiner
u. Jeſuiten hatten ihre Schüler in verſchiedene
Alteröflaſſen geteilt, die eigne Spielpläße beſaßen,

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