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Zileratur. I. Te Das innerl, Leben muß
vereinfacht u. wieder auf [. Grundlage zurükgeſührt
werden (? 1910, Über]. v. F. X. Kerer); F.
Muy, Chriſtl, Asketik (21909). [F. Keller.]
Erbitterung, Während die Gemütsauſ»
wallung, die wir Ärger (ſj. d.) nennen, ziemlich
raſch vorübergeht, gibt ſich in der E. eine nach»
haltigere Störung des ſeeliſchen Gleichgewichts
kund. Sie entſteht aus Reizungen, die entweder
durch beſondere Stärke od. durch mehrfache Wieder-
holung des Gemüts für längere Zeit gegen ihren
Urheber feindſelig ſtimmen. Dieſer Aſſekt kann
ſich ſchließlich bis zum Haß ſteigern,
Die E. iſi pädagogiſch von Bedeutung,
weil ſie die Erziehungöarbeit ſehr erſchweren kann.
Im vorſchulpflichtigen Alter u. Pipes in den
erſten Schülerjahren ſpielt ſie ſreilich als hemmen=-
de3 Erziehung3moment kaum eine Rolle, da nor-
male Kinder in dieſem Alter viel zu ſchnell ihre
Stimmungen wechſeln. Gefährlich wird die Ne-
gung erſt mit der zunehmenden Willenskraſt des
Menſchen u. beſonders in der Pubertätszeit,
Ein Zögling, der in E. gegen ſeinen Erzieher lebt,
iſt heilſamen ſeeliſchen Einwirkungen unzugänglich.
Er wird die beſigemeinten Abſichten entweder miß»
achten od. M gar im gegenteiligen Sinne anölegen
u. danach jein Verhalten einrichten. De3halb foll
man, wo ſich Zeichen der E. beim Schüler bemerk-
bar machen, nicht gleichgültig darüber hinwegſehen,
ſondern vor allem ihre Urſache zu ergründen ſuchen.
Ta3 wird manchmal ſchwer ſein, da ſich Bitterkeit
des Herzens vielfach mit Verſchloſſenheit paart.
Aber es liegt am Tage, daß in den meiſten der-
artigen Fällen die Urjahe der €. im Erzieher ſelbſt
zu ſuchen iſt. Dieſer möge daher zunächſt ſein
biöherige3 Verhalten gegen den Zögling einer
ſcharfen Selbſtkritik unterziehen u. dann eine Aus-
ſprache mit jenem herbeiführen. Nuhe u. Wohl-
wollen in Ton u. Gebärde ſind unerläßliche Vor-
ausſehungen einer etwaigen Verſöhnung des
ſcheinbar od. wirklich Gekränkten. Wo gute Worte
nicht helfen, können Heſtigkeit u. Drohungen erſt
recht nicht3 erreichen. De3halb laſſe man im Falle
eine3 erjten Mißlingens lieber die Zeit ihr heil»
jame3 Werk tun u. unterſtüße e8, wenn möglich,
durch ruhiges, freundliches Verhalten gegen den
Erbitterten,
Durch vorbeugende Maßregeln läßt ſich gegen
dieſe Gemütöverdüſterung auch nicht viel aus»
richten. C3 R gewiß von Wert, daß man das
Kind ſchon lehre, Regungen de3 Argers zu unter»
drücken u, ſich eine3 verträglichen u. nachgiebigen
Weſen3 zu befleißigen; aber in den Entwicklungs»
jahren gerät da8 Seelenleben de3 jungen Menſchen
auch durch wichtige Anläſſe leicht aus dem Gleich»
gewichte. In dieſer Periode muß daher die Be»
handlung des Zöglings eine beſonders behutſame
u. rücfſichtövolle ſein, Gegen den väterlichen
Freund wird der Jüngling geniiß ſeltener erbittert
ſein als gegen den rücſichtöloſen Tyrannen. So
erweiſt ſich auch hier wieder die Liebe, die nicht
Erbitterung =- Erbſünde.
X. | u, Zögling.

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das ihre ſucht, fe das, wa3 de3 Nächſten iſt,
al8 die beſie Führerin im Verkehre zwiſchen Erzieher
Das eben Geſagte gilt ebenſowohl für das
Vaterhaus wie für das Leben in öffentlichen Er»
jiehnngöanſtalten. Gerade Eltern können 3, B.
em heranwachſenden Sohne gegenüber oft nicht
den rechten Ton finden, Sie laſſen ſich durch ſein
eigentümliches, abſtoßendes u, eigenwilliges Weſen
reizen 11. ſchreiten dann zu Gewaltmaßregeln, die
den leicht Verlehbaren in E, bringen. Aus ihr
findet er ſich manc weil die Eltern im Bewußtſein ihre3 Necht8 kaum
etwas zu ſeiner Beruhigung tun werden, E3 gibt
Fälle, wo häufige E. durch falſche Behandlung
zu daternder Verbitterung de8 Jünglings u.
jehließlich zu einer Kataſtrophe geführt hat.
[H. Weimer.]
Erxblichkeit ſ. Vererbung,
Erbſünde, I. Das Weſen der E. Unter
E. verſtehen wir ſowohl die Tatſünde Adams als
des Hauptes u. Stammvater38 des Menſchen-
geſchlecht8, wie auch die Schuld u. Strafe, die
jedem Menſchen, der auf dem natürlichen Wege
von Adam abſtammt, als Folge jener Sünde
Adams anhaſtet. Die Lehre von der E., wonach
jeder Menſch vom Angenblie ſeiner Empfängnis
an Sünder iſt n. Gotte8 Strafe verdient, iſt eine
Grundwahrheit de3 der Vernunſt können wir ſie nicht finden u. be
greifen.
Die Tatſache der E. wird durch die Quellen
der übernatürlichen Oſſenbarung bezeugt ; u. zwar
zunächſt die Tatſünde Adams al3 ſchwerer Un=
gehorſam gegen Gott: Gn 3; Sir 10, 15;
Röm 5, 19. Der Übergang von Adams Sculd
u. Strafe auf alle ſeine natürlichen Nachkommen
wird ebenſo klar u. deutlich von Schrift u. Tra-
dition bezeugt. Vor allem in der berühmten,
anthentiſc) vom Tridentinum erklärten Stelle
Nöm 5, 12; dann auch an vielen andern Stellen,
wie P] 50, 7 ; Job 14, 4; Weish 2, 23; Cph
2, 3; 3o 1, 29; 3, 36. Die Tatſache der
Erbſchuld hat die Kirche zuerſt gegen Pelagius
(5. Jahrh.) u. ſeine Schule, gegen den Natio
nali8mus de3 Altertums, verteidigt. Auguſtinus
bezeichnete den Pelagiuns, der nicht8 von einer
Erbſchuld wiſſen, ſondern nur eine Schädigung
der Nachkommen Adam8 durch deſſen ſchlechtes
Beiſpiel gelten laſſen wollte, einen „neuen Häre-
tiker“. Beſonder3 wichtige Entſcheidungen ſind
die de3 2. Konzils von Mileve 416 (vgl. Den-
zinger » Bannwart, Bnehir, [1911] n. 101
bi8 108) 11. de3 Konzils von Orange 529 (ebd.
n. 174 ff). Daran anſchließend hat das Konzil
von Trient die Lehre von der E. in ihrer Forlpflan-
zung nochmals definiert (So8s8. V u. VI, 6. 1).
Danach iſt die E. zunächſt nicht eine bloße Zu-
rechnung der Schuld Adams, wie einige katho-
liſche Theologen, 3. B. Alb. Pighiu8 u. Ambr.
Catharinus, im 16. Jahrh, mitihrer Imputation8-

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