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von dem zu wollen, wa3 es ſeiner innerſten Natur
nach wollen ſollte, wa8 nicht8 andres heißt als:
Dieſe3 Weſen will vermöge ſeiner Natur da3
Gegenteil dieſer Natur? Das Widerſinnige dieſes
Gedanken3 ſpringt in die Augen.“ Auch Schleier-
madher iſt zu erwähnen, der durch ſeine rationali»
ſiſche Erklärung der E. viele Pädagogen beein»
ſlußte. Er ſaßt die E. auf als das dem kindlichen
Alter natürliche, aber der ſittlichen Beſtimmung
des Menſchen entgegenſtehende Übergewicht der
ſinnlichen Seite über die ſittliche, des Fleiſches
über den Geiſt (Pädag, Schriſten, hr8g. von Plaß
[?1876], 438 F).
Dieſem allem gegenüber wird ſich die Pädagogik immer bewußt bleiben, daß ſie mit rein
natürlichen Kräſten ihr Wer? nicht vollenden kann.
Denn der Menſch hat kein rein natürliches Ziel,
keine bloß irdiſche Vollendung zu erreichen. Nach»
dem es durch die Menſc liches Endziel zu erreichen, hat die agogi? vor allem mitzuwirken, daß der Menſch
dieſe3 Heil3 teilhaſt u. ſo von dex C. beſreit wird.
Als8 Au3gangsöpunkt der arbeit wird darum der Empfang der Taufe an»
geſehen. Dort wo, wie in der Heidenmiſſion, ſchon
vor dem Cmpfſange der Taufe arbeit zu leiſten iſt, bildet die ſreiwirkende gött-
liche Gnade, die den Katecbnmenen zur Tauſe
vorbereitet, den Ausgang3punkt. Da durch die
Taufe der Menſch ein Glied der Kirche wird, ſo
iſt damit auch ſchon ausgeſprochen, daß die Er=
zichungsarbeit nicht getrennt von der Kirche od.
im Gegenjahe zu ihr ausgeübt werden darf. Denn
das hieße den Menſchen von ſeiner höchſten Be»
ſtimmung u. Vollendung losreißen. Die Erzie»
hung muß in ihrem Kerne immer eine religiöſe
bleiben, eine, die den Menſchen zu Gott führt u.
mit Gott vereint. Ahnlich wie ihr Ausgangs8punkt
die übernatürliche Gnade Gottes iſt, ſo muß anch
die ganze Erziehungöarbeit von dieſer getragen,
auf ſie geſtüht werden, auch dort, wo die Erziehung
mit natürlichen Mitteln arbeitet u. rechnet.
Die ſrei von dem durch den pädagogiſchen Naturalis»
mu3 großgezogenen Intellektualiömu8, der ein»-
ſeitigen Verſtandesbildung, ein Fehler, in den
bereit3 die antike griechiſche Pädagogik gefallen
war. Danach wäre das Wiſſen ſchon Tugend.
Die vornehmſte Bedingung der Verſittlichung u.
Beglückung des Menſchen wäre die Auſhellung
ſeines Verſtandes: Aviſklärung! Das „polyma-
thiſche“ Streben, das Vollpfropfen des kindlichen
Verſtandes mit mannigſachent Fenntniſſen 1. Fer»
tigkeiten drückte diejer Bädagogik der Auſklärung
den Stempel auf. Dagegen muß die Erziehungswiſſenſchaft hinweiſen auf die Wichtig»
leit der Gemüt8» u. Willenöbildung. Der Wille,
auch der durch die Tauſe geheiligte u. übernatürlich
gefräftigte Wille, der aber ſeiner Natur nach noch
geſchwächt u. verwundet iſt, hat einen ſchweren
Erdkunde -- Eremitenſ
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Stand gegenüber dem von der E, im Menſchen
zurücbleibenden „Zunder der Sünde“, der Bes
gierlichkeit. Dieſe iſt auch ohne äußere Verführung
eine ſtändige Gefahr zum Falle, zur Sünde für
den jreien Willen, Daher gilt e8, durc< Erziehung
den Willen zu kräſtigen, zu ſtärken für ſeine Auf»
gabe; die Beherrichung der Beglerlichkeit. Der
Renſch muß erſt zur wahren ſittlichen Freiheit
erzogen werden, damit er ſich ſelbſtändig für das
Gute entſcheide troß der Gegenſähe von innen u.
außen. Daraus ergibt ſich die große Bedeutung
der Zucht (DRP), der Willensübungen
(Askeſe) dur< Gehorſam, Selbſtverleugnung,
Abtötung uſw. Wahre Erziehungsarbeit braucht
notwendig eine geſeß» u, maßgebende Autorität,
die unbeſtechlich, unerſchütterlich den Menſchen
gegenüberlritt. Der ewigen Autorität huldigte
Chriſtus, der „gehorſam war bis zum Tode“ u,
dadurd) eben die Macht der EC. überwand. Er kam,
nicht um das Geſeß der höchſten Autorität auf»
zuheben, ſondern um es zu erfüllen. Daher führt
der Weg zur Freiheit der Kinder Gottes durc) das
Geſez hindurd, nicht drüber hinweg. Und ſo
iſt das Wort de8 Apoſtel8 (Gal 3, 24): „Das
Geſet iſt der Zuchtmeiſter auf Chriſtus hin“, zu»
gleich auch der tieſſte Ausdruek für die Unerſetlich-
keit von autoritativ ausgeübter Zucht gegenüber
dem durch die EC. geſchwächten Menſchen zur Er-
reichung des Erziehungszieles.
Literatur. C. Krieg, Lehrb. d. Pädag. (31905);
O. Willmann, Didaktik (*1909); A. Stolz, Er-
ziehungskunſt (281911); F. W. Foerſter, Schule u.
Charakter (111912); derſ., Autorität u. Freiheit
(34910). [F. Keller.]
ExrDdkunde |. Geographie.
Eremitenſc neueſten Forſchungen in dec Schulgeſchichte des
18. Jahrh. Erwähnung, da ſie nicht eine ver-
einzelte Erſcheimmg, ſondern ein Schulſyſtem
darſtellen. Die Eremiten, auch Klausner, Wald»
brüder, Einſiedler genannt, gehörten als Tertiarier
verſchiedenen Orden, meiſt den Franziskanern,
Dominikanern od. Auguſtinern an, od. ſie ſchloſſen
ſich als Laienbrüder unter Auſſicht eines Biſchofs,
geleitet durd) einen Altvater, zu einer Kongregation
zuſammen, nach einer beſtimmten Negel, wie der
des 3, Ordens vom hl. Franziskus, lebend. Die
meiſten führten in ihren Klauſen ein von der
Welt abgewandtes, dem Gebete u. der Betrach»
tung gewidmetes Leben u. erhielten ſic) von der
Mildtätigkeit der Mitmenſchen. Gegen dieſe
Klausner richteten ſich die Angriſſe des auſge=
klärten Zeitalters, u, zwar oft nicht mit Unrecht.
Dod gebührt demjenigen Teile von ihnen, der
ſich in Kirche u. Schule nüßlich zu machen ſuchte,
eine Ehrenrettung.
In Öſterreich treten die Schuleremiten ver»
einzelt auf ; im Viertel Ober-Manhartsberg finden
wir zur Zeit der Säkulariſation in 8 Gemeinden
Eremiten, die als Medner u. Lehrer dienten ; im

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