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Kreisamte Krems waren 5, wovon 2 im Kirchen= |
dienſte, 3 im Schulamte tätig waren.
Auch in der Augs8burger, Salzburger, geoſſauer
u. Negensburger Diözeſe ſowie der von Chiemſee,
wohl auch ander81wo, gab es ſchon friih einzelne
Schuleremiten. Jm Bistume Greiſing, wo ſie in
größerer Zahl lebten, ſchloſſen ſie ſich bchuſs
Beſſerung ihres Standes 1686 zu einer Kon
gregation zuſammen, u. das Ordinariat veran-
laßte, als 1. Punkt in die Saßungen auſzunehmen:
„Die Unterweiſung der armen Bauernjugend in
Gegenden, wo keine Schulen ſich befinden.“ Das
war ſehr verdienſivoll u. ehrt das ſchulſreundliche
Ordinariat Freiſing in hohem Maße. 1713
wurden neue Statuten für das „Inſtitut der ere-
mitiſchen Kongregation im Bistume Freiſing“ ge-
nehmigt. Man gründete für die Schuleremiten
ein eigne3 Noviziat 1721 zu St Emmeram
bei Oberſöhring-Mündhen u. 1763 auf dem Kal-
varienberge zu Tölz ſogar eine Lehrerbildungs=
anſtalt zu einer Zeit, in der es noch nirgends
Lehrerſeminare gab. Bei „Tölz“ wird der Zwe
alſo bezeichnet : „Das Abrichten zum Sculhalten
in Dörfern, die einen verheirateten Lehrer nicht
unterhalten können.“ Unterricht erhielten ſie in
den Noviziaten im Lejen, Schreiben, Rechnen,
Choralſingen u. Orgelſpiel außer der Neligion.
Das Sculhalten wurde in St Emmeram an der
dortigen, von tüchtigen Cremiten geleiteten Schule
erlernt, Später bildete St Emmeram die Unter=,
Tölz die Oberſtuſe in der Heranbildung dieſer
Dorſlehrer.
Die Zahl der Schuleremiten war in Altbayern
im 18. Jahrh. viel größer, als man biSher wußte ;
ſie betrug in Oberbayern 81, Niederbayern u. Ober-
pfalz 45, zuſammen 126. Näheres berichtet die
unten bezeichnete Schrift de8 Verfaſſer3., Ein Bei=
ſpiel daraus möge hier folgen: „Schwarzla> bei
Brannenburg“, B.=A. Roſenheim. 1715 zog
der Eremit Matthias Stettner dort ein; mit
ihm beginnt die Schule bei dieſer Wallfahrt u.
abgelegenen Einöde. Die Grafen von Prey=
ſing, eifrige Schulfreunde, veranlaßten, daß
die Eremiten hier Sc Stettner wegen Nachläſſigkeit im Schuldienſte
entſeßt. An ſeine Stelle trat Frater Barth, Wald=
Ichüß. Dieſer brave Schulmann ſchrieb eine ſehr
ſchöne Handſchrift, verſtand das Feinanſtreichen
u. Vergolden, das Bilderdrucken u. ZUuminieren
u. war wegen ſeines ſoliden Charakter3 geehrt u.
beliebt. 1744 wurde er mit rühmlichen Zeugs
niſſen entlaſſen, weil der Pfarrer von Holzhauſen
darauf drang, daß der Eremit auch die Orgel
jpielen könne. Bruder Luka3 erhielt den Dienſt
mit 20 fl. Beſoldung aus der Amtskaſſe, 15 kr.
Schulgeld von jedem Kinde pro Vierteljahr, 6 kr.
jür jede Meſſe auf Schwarzlac> u. der Schloßkapelle
Brannenburg, Dieſer Eremit ſowie die 2 ſolgen=
den blieben wegen der vielen Arbeit u. des ge=
ringen Bezuge3 nur 1 Jahr. Es folgte 1744
Frater Viltorin Lunglmaier, der 4 Jahre blieb.
Eremitenſchulen.

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Seine Anweiſung lautet: „Fleißig die Schule
abwarten, ſolche täglich zu einer gewiſſen Stund
anfangen u. enden, die Jugend im Leſen, Schreiben,
Nechnen, auch alle Samstag im hriſtlichen Glauben
aus dem Katechi8mus emſig inſtruieren, denſelben
ihre Fehler mit Manier unterſagen u. nach der
Geſtalt der Sachen ernſtlich abſtrafen, in u. außer
der Schule keine Täuſjchlereien, Rauſch, Zank,
Raufereien geſtatten, die Kinder zur Gottesfurcht,
Zucht, Ehrbarkeit u, Andacht gewöhnen u. all
dem nachkommen, was8 die im Dru> erlaſſene
Schul- u. Zuchtordnung des (1733) in ſich begreift.“
Nach mehrern andern ECremiten erſchien 1763
einer beſonderer Art : Max v. Hartmann, der den
Tjährigen Krieg als Rittmeiſter durchgemacht
hatte u. dann al3 Klau8ner Gott dienen u. der
Bildung der ländlichen Jugend ſich widmen
wollte. Der Graf gab ihm gern die Schulſtelle,
die er 8 Jahre behielt. Da jeht ein gebildeter,
geſchidter u. fleißiger Schulhalter auſgeſtellt war,
beſahl die Herrſchaft, daß alle Kinder von
Brannenburg die Schule auf der S
beſuchen müßten. 1784 hörte ſie auf, da Brannen=
burg u. Holzhauſen eigne Lehrer erhielten.
Bei der Auſhebung (1804) der bayriſchen E.
(die öſterreichiſchen wurden ſchon 17832 beſeitigt)
gab es 71 gerichtliche Klauſen in Bayern, 37 hof=
märkiſche od. magiſtratiſche, 11 fundierte, u. 122
Cremiten, von denen 92 Kirchendiener od. Lehrer,
27 Profeſſioniſten u, Künſtler waren. In der
Diözeſe Freiſing lebten 64, Negensburg 39,
Augsburg 11, Paſſau 3, Salzburg (bayr. Ge=
biet) 3. =- Wir finden die E. nicht in größern
Pfarrdörfern, ſondern in kleinen, abgelegenen Ort=
ſchaften, bei Filialkirchen, einſamen Kapellen u.
Wallfahrtöpläßen, namentlich in Gebirg3gegen=
den. Tauſende von Kindern wären ohne ſie ganz
ohne Schulunterricht geblieben -- darin liegt ihr
Verdienſt.
Die Gründung dieſer Schulen iſt eine ſehr
mannigſaltige. Sie wurden errichtet von Fürſten
(Wilhelm V., Max Cmanuel), ſc Adligen (Grafen Preyſing, Törring, Hollſtein,
Hörwart, Heimhanſen, Herren v. Ruſſin, Mandel,
Cloſen uſw.), Klöſtern (Weyarn, Chiemſee, Te=
gernſee uſw.), Ortſchaften (Neichenhall, Deggen=
dorf, Aſcholding, Hohentann uſw.) u. Privat=
perſonen (Nockher=Tölz, Mayer-Egmating, Haf=
ner=-Vagen), die meiſten von den Ort8pfarrern.
Die Aufſicht führten die Gerichte u. die
geiſtlichen Behörden : der Ortöpfarrer, der Alt-=
vater, der jährlich alle Klanſen viſitierte, das Or=
dinariat. Die Kapitelverſammlungen waren eine
Diſziplinarbehörde. Meijt iſt dex unterrichtende
Eremit zugleich Mes8ner, Organiſt u. Kantor.
Unter ihnen fanden ſich hie u. da auch gute Muſiker;
do) wird bei den meiſten Orgelſpiel u. Choral-
fingen recht primitiv geweſen ſein,
Die Schullokale müſſen wir uns ſeh:
dürftig vorſtellen : eine Stube in einem Bauern:
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