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Wandlungen durchmachen u. beſonder3 in ihrem
Wortſchaß eine Unmenge von Neubildungen er-
fahren mußte, iſt ſelbſiverſtändlich. Cbenſo be-
eiſlich iſt es aber anderſeits auc<, daß der
umani38mus, der die Wiederbelebung de3 klaſ»
ſchen Altertums auf ſeine Fahne geſchrieben
Hatte, gegen eine ſolche Weiterbildung der Sprache
Front machen u. den Kampf gegen den Wiſſen»
I auf da8 Hauptlehrbuch der mittelalterlichen La»
tinität, das Doctrinalo, ausdehnen mußte. Nur
darf dabei nicht überſehen werden, daß die von
dem Humani8mus gebotenen u. laut angeprieſenen
Erſaßmittel, anſänglich wenigſtens, von dem als
barbariſch u. einfältig verſchrienen Doctrinals
ihrer ganzen Anlage u. Ausführung nach ſich nur
wenig unterſchieden. Auch verdient die Tatſache
Hervorgehoben zu werden, daß die in dem Doo-
trina!s zuerſt ſyſtematiſch durc der Syntax, nachdem ſie von den Humaniſten
beſeitigt worden war, ohne daß dieſe etwas Beſs»
ſere38 an deren Stelle zu ſchen vermochten, im
18. Jahrh, ſtillſchweigend wieder hervorgeholt
worden iſt u, bis auf den heutigen Tag in unſern
Schulgrämmatiken beibehalten wird. = Vgl.
Reichling, Das Doetrinalo des A, de Villa Dei
(M. G. P. XII [1893]). [D. Neichling.]
Alexxandriniſche Katehetenſchuyle.
L. Überſicht. Unter den altchriſtlichen Katecheten-
ſchulen (ſ. d.), die, zumal in der morgenländiſchen
Kirche, zur Unterweiſung der Katechumenen (|. d.)
u. zur Heranbildung der Katecheten beſtimmt
waren, ſteht am höchſten die A. K. Die von Alex»
ander d. Gr. im Nildelta angelegte Stadt Alex»
andria wurde bald der Verbindungspunkt zweier
Welten, die Brücke zwiſchen Orient u. Olzident.
Beſonder3 als Neſidenz der Ptolemäer entwicelte
ſie ſich zu ſolcher Macht u. Blüte, daß ſie zeit»
weilig ſelbſt Athen überflügelte. Auch nach dem
Untergange der Ptolemäer, zur Römerzeit, blieb
ſie Sammelpunkt aller wiſſenſchaſtlichen Beſtre»
bungen, zumal der weiteſtgehenden philoſophiſchen
uy. philologiſchen Bemühungen. Da Alexandria
gleichfalls der Mittelpunkt des Welthandels wurde,
Hatten ſich die Juden ſchnell zahlreich dort ver»
breitet; ſie erhielten hier im 3. vorchriſtlichen
Jahrh. in der Septuaginta eine bald weltbe-
rühmte Bibelüberjeßung, u. ihr Philoſoph Philon,
ein Zeitgenoſſe Chriſti, erwarb dem Judenvolke
weithin neues Anſehen. Das Chriſtentum wurde
der Tradition na< durch den Evangeliſten Mar»-
ns in Alexandria eingeführt, u, der Apologet
Athenagoras ſoll ſchon eine Schule hier gegründet
haben, die den gnoſtiſchen Irrtümer bekämpfte. Jedenfalls er-
hielt die Stadt mit ihren reichen Bildungsmitteln,
dem friedlichen Verkehr u. regen Gedankenaus»
tauſche zwiſchen Heiden, Juden u. Chriſten ſrüh-
zeitig eine Schule für die Katechnmenen (Euſe-
bins, Hist, ecc, 5, 10; 6, 3). Bald richtete
ſich aber die Schultätigkeit weniger auf die Unter»
Alexandriniſche Katechetenſc
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weiſung der Ungetauften al8 auf grundjäßliche
Widerlegung der dem Chriſtentum entgegen»
ſtehenden heidniſchen, jüdiſchen, gnoſtiſchen Welt-
anſchanungen 1. demgemäß auf Heranbildung
tüchtiger einer wijſenſchaftlich»theologiſchen Anſtalt, die
unter Auſſicht des Biſchoſ8 ſtehend das geſamte
Wiſjen der Zeit in ſich auſnahm u. zur Begrün-
dung 1. Verteidigung dex bar machte.
113. Sthulbetrieb. Über den Unterricht8betricb
geben Kunde die no< erhaltenen Schriftwerke der
veiden bedeutendſten Vorſteher Klemens u. Ori-
genes, beſonder8 aber die „Lobrede", die „Gregor
der Wundertäter“ (218/273?) bei ſeinem Ab-
ſchiede von Origenes auf ſeinen Lehrer hielt
(ec. 7/15). Die Saule ſtand jedem Bekenntnis
ojſen, u. der Unterricht wurde vermutlich meiſt
unentgeltlich erteilt, Wahrſcheinlich iſt, daß die
Schüler nicht in öſſentlichen Lehrgebänden, ſon-
dern in Privatwohnungen unterrichtet wurden.
Der Unterricht ergab ſich na< dem BVildungs-
ſtande der zu Unterrichtenden; eine beſtimmte
Eig der Hatechumenen, wie ſie ſpäter
vielſac< üblich wurde, gab es zunächſt noc
nicht. Die Anfänger u. Ungebildeten lernten
nur die Anfangs8gründe u. notwendigſten Glau-
benöſtüce ; die Gebildeten wurden dialektiſch ge-
NOM u. zum Verſtändnis der teller wie auc< der heidniſchen Philoſophen
geführt. Nur Epikur, der als Urheber aller
Gottloſigkeit galt, war aus8geſchloſſen. Grund=
legend war in allem die Lehre der Bibel, die aber
vielfach allegoriſch erklärt wurde. In dieſem
Geiſte einer freien die Schule während der Tätigkeit ihrer beden=
tendſten Vorſteher: Paatänus8, Klemens, Ori-
genes. Sie alle lehrten u. ſchrieben in grie=
nur noch in lateiniſchen Überſehungen erhalten.
III. Sehrer. 1. Pantänu8, möglicherweiſe
auf Sizilien geboren, wurde um 180 Vorſteher
der Schule. Er galt in allen philoſophiſchen Sy=
ſtemen gleid) bewandert, wird aber gewöhnlid als
Anhänger der ſtoiſchen Schule angeſehen. Über
ſchriftſtelleriſche Tätigkeit iſt von ihm nicht3 be-
kannt, doch ſoll er nac< Euſebius u. Hieronymus
„mündlich u. ſchriftlich die Schäße der göttlichen
Lehren erklärt" u. Erklärungen zu den heiligen
Scriſten verſaßt haben. Klemen3, der ihn in
Naypten kennen lernte, nennt ihn, wohl wegen
ſeiner fleißigen Amtswaltung, „die ſiziliſche Biene“
u. machte ſeinen philoſophiſchen Wanderfahrten
ein Ende, um immer bei Pantänus8 bleiben zu
können. Klemens u. auc< Origenes genoſſen ſeinen
Unterricht. Er machte 190 auf Bitten ſeines
Biſchofs Demetrius eine Miſſionsreiſe u. ſtarb,
nachdem er Klemens u. Origenes ſchon längſt als
Lehrer in ſeine Schule aufgenommen hatte, zwis-
ſchen 200 u. 211.

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