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de8 Innern, die ſich nach ethiſch>religiöſen Ge-
ſicht8punkten beſtimmt (ſ. Bildung).
VII, €. als Gegenſtand der Wiſſenſchaft u.
Nunjt, Reflexionen über die E. begegnen uns
ſchon auf frühen Kalturſtufen, bald in der Form
e8 Sprichworts, bald in der der Sentenz, bald in
der von Vorſchriſten, wie ſie die Neligion8urkunven
der Völker, jo auch die Bibel, enthalten. Zus
ſammenhängende Erörterungen des Gegenſtandes
treten zuerſt in Werken über Staat u, Geſellſchaft
auf; die einſchlägigen Partien von Platons
„Staat“ u. „Geſehen“ ſtehen an der Spiße der
pädagogiſchen Literatur. In beiden Werken ent=
wicelt er E.8ſyſteme, im „Staate“ vom Ges
ſichtöpunkte eines Jdealſtaate8, in den „Geſeßen“
mit mehr Rüdſicht auf die Zeitbedürfniſſe. In
lehterm Sinne iſt auch die Schlußpartie der Ari-
ſtoteliſchen „Politik“ gehalten. Die Reform der
E. durch das Chriſtentum (ſ. d.) zeitigte keine
größere pädagogiſche Literatur, erſt der Humani3-
mus (ſ. d.) führte im 15. u. 16. Jahrh. eine ſolche
herauf, in der aber das didaktiſche Intereſſe das
pädagogiſche überwiegt. Das 17. u, 18. Jahrh.
zeigt Anläufe zu E.öſyſtemen, die zwar keinen
durchgreifenden Erfolg hatten, aber das Intereſſe
auf die Jugendbildung lenkten. Eine wiſſenſchaft-
liche Haltung zeigen erſt die einſchlägigen Arbeiten
de3 19, Jahrh., in dem auch die hiſtoriſche Päd-
agogitk in Angriff genommen wurde. Die wachſende
Kenntnis der E.8geſchichte ließ das Intereſſe an
einem für alle Zeiten geltenden E.öſyſteme zurück-
treten ; die Auffaſſung griſſ Plaß, daß eine
„allgemeine Pädagogik“ ſowenig Gegenſtand der
Wiſſenſchaft ſei wie ein Jdealſtaat u. nur die
praktiſche, auf ein beſtimmtes Milieu bezogene
Pädagogik Berechtigung habe. Demgegenüber
iſt aber geltend zu machen, daß die Frage nach
dem Weſen u. der Aufgabe der E. Anſpruch au
eine Beantwortung durch die Wiſſenſchaft hat.
Mögen Anſchauungen u. Sitten wechſeln, das
Streben, dem Nahwuchſe das Errungene zu über=
liefern, bleibt u. ſoll durch die Wiſſenſchaft geklärt
u. verlieſt werden. Die praktiſche Pädagogik be-
antwortet nur die Frage: „Wie ſollen wir er-
ziehen?" Die allgemeine ſoll die andre beant=-
worten: „Wie ſollen wir erziehen?" Die
Pädagogik darf ihren normativen Charakter
nicht prei8geben, ſondern muß ſagen dürfen, was
mit der Jugend geſchehen ſoll, u. die bleibenden
darauf bezogenen Forderungen formulieren, unter=
ſtüßt von der durch die hiſtoriſche Pädagogik auf=
gewieſenen E,5weis8heit der Jahrhunderte; nur
dadurc erwirbt ſie das Necht, die in dem Gebiete
Arbeitenden zu beraten.
Die E.3praxis ſoll beruhen auf dem Wiſſen
von den bleibenden Normen u. den gegebenen Um-
ſtänden, welches Wiſſen de3 Ausbaue38 zu einem
Syſteme nicht bedarf; ſie muß aber auch auf einem
önnen beruhen, einer Technik, die in gewiſſem
Betracht in einer Kunſt gipfelt. Von einer „E.3=
kunſt" war im 18. Jahrh. viel die Rede; noch
Erziehung u, Unterricht -- Erziehungs3ſc
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Herbart verſteigt ſich dazu, von einem „E.3künſt=
ler" zu ſprechen, dem er ſeine Stelle zwiſchen dem
Dichter u. dem Philoſophen anweiſt (Pädag.
Schriften, hr8g. v. O. Willmann, Il 42); dann
müßte man den abſolvierten Zögling das E.8kunſt-
werk nennen, Das werdende Leben, vor das der
Erzieher geſtellt iſt, kann nur uneigentlich mit dem
Stoffe verglichen werden, wie ihn die bildende
Kunſt formt. Auch der Seelſorge, die ohne Frage
ein Können verlangt, wird man nicht das Prädikat
einer Kunſt aufdrängen. Es genügt in beiden
Fällen, wenn das Können einen idealen, über
die bloße Technik hinaus8hebenden Zug hat, worin
es mit dem des Künſtler8 eine gewiſſe Analogie
indet.
n Siteratur, Eine Zuſammenſtellung von De-
finitionen der E. gibt Gräfe in ſeiner „Allg. Pädag.“
1 (1855) 371. Zu der im vorſtehenden gegebenen
Darſtellung vgl. Willmanns „Didaktik“ (*1909;
Einl.) ſowie deſſen Artikel: „Die Fundamental-
begriffe der E.8wiſſenſchaft“, im 1. Jahrb. d. Ver.
f. volles bieten die „Theoret, Pädag. u. allg. Didaktik“
von W, Toiſcher (*1912; 11, 1 des Handbuchs der
E.8* u. Unterrichtölehre von Baumeiſter) yowie die
„vPädag. Grundfragen“ von F. Krus 8. T3. (1911).
. [O. Willmann.]
Erziehung u. Unterricht ſ. die Art.
Erziehung (Abſchn. VI) u. Bildung.
Erziehungslehreſ. Katholiſche Pädagogik,
Proteſtant. Pädagogik, Pädagogik (Geſchichte der),
Wiſſenſchaftliche Pädagogik al3 Forderung.
Erziehungsmittel ſ. Erziehung (Ab
ſ Erziehungsſchule, Nachfolgende ſteht in
innigſter Beziehung zum Art. Erziehender Unter-
richt, der zur Ergänzung de3 Folgenden nachzuſehen
iſt. Denn aller Unterricht iſt, wenigſtens in Deutſch=
f | land, zum weitaus größern Teile Schulunterricht,
die Theorie des erziehenden Unterrichts de3halb
auc ſtet3 zugleich die der CE.
I. Begriffsbeſtimmung. Da3 Schulleben hat
manche erzieheriſche Momente weſentlich an ſich,
u. inſofern wirkt jede Schule erziehlich. Al3 E.n
im eigentlichen Sinne bezeichnet indeſſen der
Sprachgebrauch nur jene Schulen, die als aus=
geſprochenen Hauptzwel> die Erziehung verfolgen,
deren Unterricht erziehender Unterricht iſt. Nicht
al3 E.n, ſondern al38 Erziehungsanſtalten mit
Anſtalt8ſchule bezeichnet man jene Inſtitute, die
eine eigne Schule haben, übrigens ſich aber in
ihren Lehrplänen meiſt öffentlichen Schulen akfoms=
modieren. Theoretiſch iſt die E. gegenüberzuſtellen
vor allem der Fach= u. Berufsſchule ſowie der
Bildung3= u, Gelehrtenſchule, während prak=
tiſch weder die eine noch - die andre Gruppe rein
vorkommt. Die neueſten Antitheſen Lern(Buch)-
u. Arbeit8(Tat)ſchule beziehen ſich nur auf metho=-
diſche Diſſerenzen. Für die Geſchichte der E. vgl.
den Art. Erziehender Unterricht, Abſchn. I1.
IL. Verwirklichung. So allgemein die Er-
kenntnis iſt, daß gewiſſe Schulen E.n ſein müſſen,

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