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u, jo häufig das Prinzip in den Lehrplänen dieſer
Sculen ſchon ſeit mehr ais einem Jahrh. mit
ſchönen Worten formuliert wird, ebenſo ſelten iſt
je wirkliche Durchſührung der Theorie in dem
meißt ſtaatlich reglementierten, durch Lehrplan»,
Prüſungs» 11. Berechtigungsweſen nach der ſtoſſ»
Iih-»unterrichtlicen Seite beſchwerten deutſchen
Schulweſen, Der reinen Durchführung ſteht einſt-
weilen auch no< der Auſbau des ganzen Schul-
weſen3 im Wege. Als E.n werden meiſt reklamiert:
die Volksſchule (mit event, Vorſchule, Kleinkinder»
Ichule, Kindergarten), vielfach die Mittelſchulen
(in Norddeutſchland höhere Schulen genannt),
auch die ſüddeutſche Sonntagſchule u. deren Ab»
löſerin, die allgemeine Foribildungsſhule. An eine
Einheit der Auſſaſſung iſt weder bezüglich der
prinzipiellen Forderung noch bezüglich der prak»
tiſchen Durchführung zu denken, ſolang die An-
ſichten bezüglich des Weſens u. des Ziele8 der
Erziehung in dem Maße diſſerieren wie in der
Gegenwart, Auch die derzeitigen ſozialen u. wirt»
er Theorie vielſach hinderlich.
Die E., d. i. die Schule, die vor allem durch
den erziehenden Unterricht, aber auch durch andxe
Mittel die Erziehungsarbeit der Familie (od. An»
ſtalt) ergänzen will, nicht erſeßzen u, allein betreiben
kann, bilde die gemeinſame Grundlage für alle
Übrigen Schulen bis zu dem Alter (ca 13. Lebens»
jahr), in dem Einſicht, Anlage u, Neigung die
ausſicht3volle Zuwendung zu einer beſtimmten
Berufsklaſſe (handarbeitende u. kaufmänniſche,
Höhere techniſche, geiſtig führende Lehr- u, Beamien»
berufe) ermöglichen, Darauf bauen ſich auf Be»
ruſsöſchulen, die ſowohl das Wiſſen u. Können wie
auch die erziehliche Beeinfluſſung, die nicht fehlen
darf, für die Bedürfniſſe der Berufe ſpezialiſieren,
die gewerblichen, landwirtſchaftlichen, kaujmän-
niſchen Fortbildungsſchulen, die höhern od. Mittel»
ſchulen, welche die weitergehenden Vorkenntniſſe
für die Hochſchulen neben einer allgemein bilden-
en u. erzieheriſchen Beeinfluſſung vermitteln, ge-
ſpalten in realiſtiſche u. humaniſtiſche Abteilungen
mit Wahlfreiheit in Bezug auf Sprachen u.
Mathematik. Die Hochſchulen (für Forſcher»,
Lehr», Beamten», Ärzte», Künſtler» u, Krieger»
beruſje) vermitteln in erſter Linie Beruſswiſſen u.
»fönnen, ſollen aber auch Anregungen zur Selbſt»
erziehung bieten.
Die moderne Volksſchule ſtellt nur in ihrem
Unterbau jene allgemeine E. dar, ſpezialiſiert ſich
durch Abgabe eines Teile3 der Schüler, die oft nur
durch höhere ſoziale Stellung der Eltern hierzu
prädeſtiniert ſind, allzufrüh zur Heruſsſchule für
handarbeitende Stände, Die anſchließenden Fort»
bildungsſchulen treiben die Spezialiſierung neue»
ſtens mehrfach bi8 zur Jſolierung der Gewerbe. Die
Realſchule ſeht zu früh mit dem Vielerlei des für
möglichſt viele Berufe Nüßlichen ein, um E. ſein
zu können, Da38 Gymnaſium könnte ſeiner Be»
ſtimmung als Vorſchule für das Hochſchulſtudium
Erziehungs38ſ
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u, al3 höhere Bildungsſchule (zur Vermittlung
einer tiefern Einſicht in die hiſtoriſchen Grund-
lagen der gegenwärtigen Kultur an die Kandidaten
der führenden Beruſe) viel intenſiver u, in kürzerer
Zeit nachkommen, wenn ſeine Schiller die allge-
meine E, (Volksſchule) zuerſt ganz abſolvieren
müßten, Erzieheriſch könnte u, müßte e3 wirken
durch die gleich zu erwähnenden Mittel u, durch
eine ethiſche, niht bloß äſthetiſche Deutung u.
Wertung der Gegenwartökultur u. ihrer Grund»
(agen, Dies gilt auch für die übrigen höhern
Bildungsſchulen (für die weibliche Jugend). Als
Berufs» En ſollen aufgefaßt u, könnten durch»
geführt werden die an die abſolvierte allgemeine
E. ſich anſchließende, nur nac< Hauptberuſen
ſpezialiſierte Fortbildungsſchule, die Militär»
ſchulen, die Bolksſchullehrer » Bildungsanſtalten
n Ihrer biöherigen Geſtalt, Für den Cha»
rakter der Landerziehung8heime, der Anſtalten
für „Beilpädagogi! uſw. vgl, die betreffenden
el,
Der erziehende Unterricht (ſ. d.) allein kon»
ſtituiert die E, nicht vollkommen, Er muß begleitet
jein von einer erzieheriſchen Sculdiſziplin u.
Schulordnung, die den Altersöſiufen entſprechend
ſich modifizieren HNE EHT IIE RIN
Sculſtaat, Selbſtverwaltung, [. d.). Beide haben
zur Vorausſekung einen Erzieher-Lehrer (Klaſſen»
lehrer» u. Ordinariu8prinzip), der bei den Kleinen
al8 Mutter, bei den Größern als Vater, bei den
Reiſenden als Freund ſich gibt, der Fühlung
(Konferenzen, Elternabende, [. d.) mit den übrigen
Erziehungsfakioren (Familie od. Anſtalt u. even»
tuell Fachlehrern) hält, ſeine Schüler-Zöglinge
auch außer der Schulzeit kennt.
Bis3 zu einem ewiſſen Grade kann jede Schule
erzieheriſch wirken durch den gemeinſamen Unter-
richtüberhaupt (vgl. den Art. ErziehenderUnterricht,
Abſc Erweiterung de8 Familienleben8 u. Vorſtufe des
öffentlichen Lebens (Einordnung, Mitgefühl u.
Gemeinſinn), durch den ſaſt überall eingeſtellten
Religionsunterricht, durch Schulgottesdienſte,
Schulfeſte, Schulſpiele, Schulreiſen. Freilich
ſchließt alles Schulleben auch Geſahren für körper-
liche Geſundheit u. Charakter in ſich; leßtere3
durch ſchlechtes Beiſpiel od. direkte Verführung
von ſeiten verdorbener Mitſchüler, durch den Dru>
eines ſ ſtändni81oſe Behandlung von ſeiten ungeeigneter
Lehrer, Jedoch können dieſe Dinge bei entſprechen»
der Anleitung zu ebenſovielen Mitteln der Stäh»
lung de8 Charakter8 werden.
Niemal8 aber kann, das muß zum Schluſſe
nod) betont werden, die Schule, auch nicht die
vollkfommenſte E., die ganze Erziehung allein be»
ſorgen, aud die als „Arbeit8gemeinſchaft“ organi»
ſierte nicht, e8 müßte denn fein, daß ſie zu einer
vollkommenen Lebens8gemeinſchaft ſich fortent-
widelte u. ſo, das Weſen der Schule verlaſſend,
zur Erziehung3anſtalt würde, Zu wünſchen iſt

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