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2, Titu8 Flavius Klemens8, wahrſchein-
lich zu Athen von heidniſchen Eltern geboren,
machte weite Studienreiſen nach Unteritalien,
Syrien, Paläſtina u. zuleßt nach Ägypten, wo er
ſich ſogar in die Geheimniſſe des griechiſchen
Myſterienweſens ſoll haben einweihen laſſen. Der
fromme, gelehrte Pantänus führte den mit Weit
u. Wiſſen unzuſriedenen Geiſt des raſtloſen For-
ſcher3 zur Ruhe u. gewann ihn für das Chriſten-
tum. „Klemen3 v. Alexandria" wurde Prieſter
u. war mit Pantänus ſeit etwa 190 an der A. K,.
tätig. Um 200, nach dem Tode ſeines Meiſters,
übernahm er die Leitung der Schule. Unter der
Verfolgung de8 Septimiu8 Severu8 wurde er
zur Flucht gedrängt u. floh) na Zilizien. Zn Jeruſalem gründete er eine neue
Schule. Vermutlich ſtarb er hier nach 215.
Seine Lehrtüchtigkeit, prieſterliche Heiligkeit u.
reiche ſchriftſtelleriſche Tätigkeit hatten ihn ſchon
zeitlebens weithin berühmt gemacht. Seine Haupts-
werke bilden eine zuſammengehörende Dreiheit :
„Der Mahner an die Heiden“ verlangt die Ab=
legung des Heidentum8; „Der Pädagog“ ſchildert
den Heiland al8 Erzieher der Menſchheit; „Die
Teppiche“ ſollen in zwangloſer Folge den ge-
reiſtern Schülern --- den -- eine tiefere wiſſenſchaftliche Auffaſſung der
andern Schriſten des Klemen3 wird da3 Büchlein
„Welcher Neiche wird ſelig?“ beſonders gelobt;
es ſchildert die Geſahren des Reichtums u. predigt
ſeine richtige Anwendung. Troß ſeiner trenkirh-
lichen Geſinnung u. ſeines heiligmäßigen Lebens
hat Klemen3 bei der Darſtellung der Lehrbegriffe manche heidniſche Auffaſſungen nicht
vollſtändig überwunden. Doch bleibt ſein Ruhm
unumſtritten, ſeine Schriften ſind noch heute für
die Pädagogik bedeutungsvoll, u. der „Umriß
eines Lebensideal3“, den er in ſeinem „Pädagog“
(3, 11) gibt, beſteht noc jeßt als gültig u. zeigt
des Verſaſſer8 ernſte pädagogiſche Beſtrebungen
1. ſeeleneiſrige Bemühungen. Die Hauptbedeu-
tung des Klemens für die Pädagogik liegt darin,
daß er das geſamte Wiſſen ſeiner Zeit in den
Dienſt der religiöſen Unterweijung ſtellte, u. daß
er ſodann in feinem erzieheriſchen Verſtändniſſe
den Lehrſtoff u. die Lehrart ganz nach der Bil-
dung u. Faſſungskraft ſeiner Schüler richtete.
8. Origenes, der Schüler u. Nachfolger des
Klemens, war der Sohn des Märtyrer3 Leonidas,
Mit 18 Jahren übernahm der junge Lehrer ſchon
die Leitung der Schule, u. unter ihm erreichte ſie
bald ihre höchſte Blüte. In Wort u. Schrift,
zur Tag= u. Nachtzeit arbeitete „der Mann von
Stahl“, der „Adamantiu8“, in ſeinem ſchweren
Amte, u. er ſoll gar ſeinen Körper verſtümmelt
haben, um ſich ungeſtört u. unangefeindet ſeinem
heiligen Berufe hingeben zu können. Späterhin
überließ er jungen Lehrern den Unterricht der
Anfänger u. behielt für ſich ſelbſt bloß die
Unterweiſung der Fortgeſchrittenern, zumal der

Alexandriniſc
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„IJriſtlichen Gnoſtiker.“ Als Gelehrter von Nuf
bejuchte er den neuplatoniſchen Philoſophen Am-
monius Sakfas u. ſtudierte ſeine Lehre, um ſie
widerlegen zu können ; er machte Miſſion8=
reiſen in gefährdete Gemeinden u. widerlegte
manche Irrlehre in Arabien u. Afrika, die dem
Chriſtentum verhängni8voll zu werden drohte.
Die Kaiſerin Julia Mammöa berief den be=
rühmten Mann nad Antiochien u. ließ ſich Vor-
träge von ihm halten. Als der raſtloſe Gelehrte
auf einer Neiſe nach Jeruſalem ſich von einem
befreundeten Biſchof auf deſſen Drängen zum
Prieſter weihen ließ, verſtieß er dadurch, ohne e8
zu wollen, gegen die beſtehenden kirchlichen Geſeke
U. zog ſich die Cxkommunikation ſeines Heimats-
biſchoſ8 zu, ohne deſſen Willen die Weihe nicht
ſtatthaben durfte. Das wurde für Origenes die
Quelle mancher Leiden u. vieler Anfeindungen.
Doch blieb der wahrhaft kirchlich geſinnte Mann
unerjchütterlich in ſeinem Glauben u. unermüdlich
in ſeinem Seeleneifer, obgleich ſeine Neider u.
Feinde oſt lieblos u, gehäſſig gegen ihn handelten.
Zn der Deziſhen Verfolgung wurde Origenes
eingeferfert u. grauſam gemartert; er ſtarb an
den Folgen der Marterqualen in Tyrus 254,
Origenes iſt der größte u. vielſeitigſte von allen
Gelehrten der griechiſchen Kirche, Seine ſchrift-
ſtelleriſche Hauptbeſchäſtigung war die Herausgabe
u. Erklärung der Vibel, deren Textau8gaben
(Hexapla, Tetrapla) u. Kommentare (Tomi, Com-
mentaril, Homiliae) in vielen Punkten bahn-
brechend waren. Die 8 Bücher „Gegen Celſu3“,
einen längſt verſtorbenen heidniſchen Philoſophen,
ie er auf inſtändiges Drängen eine8 Freundes
ſchrieb, ſind eine glänzende Abwehr der heid=
niſchen u. jüdiſchen Angriffe u. eine herrliche Ver=
teidigung des Chriſtentums. Zur Erbauungs=
literatur gehören ſeine ſchönen, reich mit Bibelſtellen
durchſeßten Werke „Über das Gebet“ u. „Über
das Martyrium“. Wiſſenſchaftlich u. geſchichtlich
am bedeutendſten iſt ſein Werk „Über die Grund=
lehren“ (Hept &pyGv, De prinecipiis); es iſt der
erſte wiſſenſchaftliche Verſuch einer Darſtellung
der geſamten Glaubens8lehren, Aber in der philo-
ſophiſchen Begründung u. Vertiefung dieſer Lehren
geriet Origene8 in manche platoniſche, neuplato=
niſche u. ſtoiſche Irrtümer. So lehrte er die vor-
weltliche u. gleichzeitige Erſchaffung aller Geiſter,
deren allgemeinen, vorzeitlichen Sündenfall, die
allmähliche Cinkerkerung der Geſallenen in Men=
ſchenleiber, die dereinſtige Beſeligung aller, auch
der böſen Geiſter (Apokataſtaſis), die ewige Un=
beſtändigkeit des menſchlichen Willens u. daher
eine unendliche Reihe immer neuer Welten mit
beſtändigem Abfall von Gott u. Auſſtieg zu Gott.
Daher blieb für die wahre Ewigkeit der Höllen=
ſtrafen wie der Himmelsfreuden im Syſtem des
Origene3 allerdings kein Raum. Wegen dieſer groß-
artigen, aber tatſächlichen u. gefährlichen Irrtümer
entſtand bald nach dem Tode ihre38 Urheber8 ein
erbitterter „Origeniſtenſtreit“, u. da3 5. allgemeine

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