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dies nur dort (Großſtädte), wo die Familie keine
Lebens» u. Arbeitsgemeinſchaft mehr darſtellt.
Literatur ſiche unter Erziehender Unterricht.
[I3. Göttler.]
Erzicehyngsſyſteme ſ. Erziehung.
Exziehungsvereine |. Vereine, pädag.
Eipit Nn. Naturrecht j, Naturrecht.
Ethnographie “, Unter CE. verſteht man
die „beſchreibende Völkerkunde“; ſie hat
den Kulturbeſib, Sitten, Gebräuche, ſoziale Zu
ſtände, religiöſe Äußerungen, Sprache, Wohnung,
Kleidung, Waffen, Hausgeräte, Technik uſw.
der Völker zu ordnen u. zu beſchreiben. Die CE.
wird zur Ethnologie, zur „vergleichenden Völker-
kunde“, wenn die Geſehmäßigkeiten des geiſtigen
U. ſozialen Lebens erforſcht werden, um die Kultur-
entwicklung feſtzuſtellen.
Im Anſchluſſ an Baſtian nimmt eine Reihe
von Forſchern an, daß viele Ähnlichkeiten geiſtiger
u. materieller Kulturerzeugniſſe auf die gemein»
ſame geiſtige Veranlagung de3 geſamten Mens-
jhengeſcheht („Elementargedanke“) zurüdzu-
ühren iſt, während jene Kulturbeſihtümer, die
für beſtimmte VBölkergruppen dem „Völkergedanken“ entſtammen u. dur< „Ent=-
lehnung“ weitere Verbreitung finden. Neuer-
dings werden von Graebhner, Foy u. a. ähnliche
Kulturbeſißtümer al38 Beweis für die Exiſtenz von
„Kulturkreiſen“ aufgefaßt. Mag aud dieſe Lehre
für einen begrenzten Bezirk, 3. B. die Südſee,
Auſtralien u. Afrika, richtig ſein, ſo ſcheint es
doch gewagt, alle Ähnlichkeiten auf der ganzen
Welt auf einen Kulturkreis zurückzuführen ;
jedenfalls läßt ſich mit Weule eine Unterſchicht
von beſtimmten Kulturerrungenſchaften, „Kultur
elemente“ (Baſtians „Elementargedanke“), an=
nehmen, die allen Naſſen u. Völkern gemeinſam iſt.
Die Fülle de3 Stoffe3 bringt es mit ſich, daß
ſich Spezialfächer ausgebildet haben, die beſondere
Teile der Völkerkunde behandeln: die Geſellſchaft8=
lehre od. Soziologie hat zum Gegenſtande die
ſozialen Kulturgüter u. Einrichtungen ; der Ein
fluß der Bedürſniſſe auf den Menſchen iſt Gegen=
ſtand der Wirtſchaft3lehre ; die Wiſſenſchaft der
Kulturbeſitßtümer: Nahrung, Wohnung, Kleidung,
Sc ſtofflichen Kulturbeſiße, die Ergologie; andre
Wiſſenszweige befaſſen ſich mit dem vergleichen=
den Studium der Nechtsanſchauungen, der Neli-
gion, der Kunſt u. Wiſſenſchaft. Die Erforſchung
der Urbevölkerung iſt Auſgabe der „vorgeſchicht-
lichen Völkerkunde" (Prähiſtorie, Paläoethnogra-
phie u. Paläoethnologie) ; die Wiſſenſchaft von den
modernen Völkern iſ Gegenſtand der „modernen
EC. u. Ethnologie“, die ſich in die Erſorſchung der
Naturvölker, Völkerkunde im eigentlichen Sinne,
1! Der vorſtehende Artikel referiert rein objektiv
über den gegenwärtigen Stand der Wiſſenſchaft.
Über alles, was in das Gebiet der bibliſch-kir Lehre fällt, vgl. den Art. Menſc<. [D. Red.]
Erziehungsſyſteme -- Ethnographie.

1166
u. die Erforſchung der Kulturvölker, Volk8kunde
od. Folklore, gliedert.
I. Vorgeſchichtlicßhe Völkerkunde. Durch
Ausgrabungen von Gräbern u. Wohnſtätten aus
einer Zeit, aus der keine od. nur ſpärliche ſchrift=
liche Überlieferungen vorliegen, lernt man Gegen-
ſtünde des menſchlichen Kulturbeſite3 kennen, die
Aufklärung über die Sitten u. Gebräuche, über=
haupt über die Kultur der damaligen Menſchen
geſtatten. Ein Vergleich mit den modernen
Naturvölkern läßt eine Reihe von Shlüſſen auf
den Kulturzuſtand de3 vorgeſchichtlichen Menſchen
zu. Die älteſten Kulturen in Europa ſind teriſiert durch die Verwendung von Stein zu
Waffen u. Werkzeugen u. durc Metallverarbeitung, ſie werden de3halb Steins
zeit genannt, Die ältere Steinzeit (Pa-
lüolithikum) herrſchte in Europa während der
lezten Stufen de8 Diluvium8 (Quartär3 od, Ci3=
zeit). Manche Forſcher glauben Feuerſteinſplitter
mit Abſplitterungen am Rande, die ſog. „Eo=-
lithen“, aus frühquartären u. ſogar tertiären
Schichten al3 Gebrauch8gegenſtände des Menſchen
od. eines dem Menſchen ſehr nahe ſtehenden Weſen8
betrachten zu dürfen. Das Fehlen von ſonſtigen
Spuren dieſe3 Weſen3, 3. B. von zerſchlagenen
Knochen, verbunden mit der Tatſache, daß an
allen in Frage kommenden Fundſtellen tertiärer
Eolithen natürliche Urſachen der Abſplitterung,
wie Brandung des Meeres, Tätigkeit von Flüſſen
u. Gletſcherwäſſern , welche die gleiche Wirkung
wie die Tätigkeit eine3 menſchlichen Weſen3 her-
vorgebracht haben könnten, ſprechen gegen die
Anſchauung, die Eolithen als Spuren de3 tex=-
tiären Menſchen zu betraten ; für die Exi-
ſtenz dieſes ſehlt bis jeßt jeder ſichere Nachweis.
Der quartäre Menſch der ältern EiSzeit war
Nomade u. Jäger ohne Aerbau, ohne Viehzucht, er
kannte noch nicht die Töpferei. Seine Wohnungen
waren meiſt natürliche Höhlen, ſeine Toten hat
er bereit3 abſichtlich begraben. Neben dem Steine
bediente er ſich der Knochen ſeiner Jagdtiere
(Mammut, Renntier, Rhinozero38, Wildpferd u. a.)
al3 Material für Waſſen u. Werkzeuge. Al3
Schmu verwendete er Muſcheln u. Sc jchalen, Zähne u, Knochen der Jagdtiere, Seine
Höhlenwände u. Knochenwerkzeuge ſchmücte er
durch Gravierungen u. Malereien von überraſchen-
der Naturtreue. Nach den Formen der Stein=
werkzeuge in franzöſiſchen Fundſtellen unterſcheidet
man : Chelle8=, St=-Acheul=, Le Mouſtier=, Au=
rignac=, Solutre-= u. La Madeleine-Stufe. Am
Scluſſe der Ei3zeit nach dem Verſchwinden der
diluvialen Tiere findet ſich eine Kulturſtufe (Mas
d'Azilſtuſe, Meſolithikum) mit palöolithiſchen
Steinwerkzeugen, aber Zarpunen aus Hirſchhorn u.
mit Zeichen bemalten Kieſeln (Spiel- od. Zauber=
ſteine). Die menſchlichen Knochenreſte laſſen ſchon
während der Eiszeit zwei verſchiedene Menſchen-
formen erkennen (vgl. den Art. Anthropologie,
Abſchn. I). E3 folgt mm die jüngere Stein=

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