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1 (Neolithikum). Der Menſch dieſer Stuſe war
ferbauer, trieb Viehzucht (Hund, Rind, Schwein,
Schal, jege) u. Töpferei, Er wohnte zum Teil
noh in Höhlen, meiſt aber auf freiem Gelände u.
vor allem auf Pfahlbauten in den Sten, Seine
Toten beſtattete er in geſtre>ter Lage od, mit an»
ezogenen Beinen („liegende Hoer"), teilweiſe
ommt auch Leichenverbrennung vor. Die er-
haltenen Zeichnungen dieſer Periode ſind nicht
mehr realiſtiſch, ſondern phantaſtiſch u, ſtark ſtili-
ert, e3 fehlt ihnen die Naturtreue, geometriſche
otive überwiegen. Material für Waſſen u,
Werkzeuge bildet der Stein, der nicht nur ge-
ſchlagen, ſondern auch poliert u. geſchliſſen wurde.
Flechten 11. Weben iſt bekannt. Gelegentlich
finden ſich Gegenſtände aus Kupfer (Beile, Perlen,
Spiralen), Der Stein wird in Europa etwa um
2000 v. Chr. durch die Bronze (9 Teile Kupfer,
1 Teil Zinn), die in Europa ſelbſt verarbeitet
wurde, verdrängt (Bronzezeit). Cs kommen
neue Formen der Waſſen u, Werkzeuge auf
(Dolche, Schwerter, Meſjer), der Schmut (Ringe,
gerade Nadeln uſw.) wird aus Bronze hergeſtellt.
Die Wohnſtätten ſind die gleichen wie in der
Steinzeit, Die Toten wurden verbrannt od. un»
verbrannt in Flachgräbern od. Hügelgräbern be-
ſtattet. Eiwa 1200-1000 v. Chr. wurde die
Bronze teilweiſe durch das Eiſen verdrängt. E3
beginnt die erſte Eiſenzeit, nach dem Fundorte
Hallſtatt im Salzkammergut Hallſtattzeit ge-
nannt. Eiſen iſt zuerſt noch Schmucmetall ; dann
wird es Werkmetall für Waſſen u, Werkzeuge.
Schmutk wird vorerſt noc< aus Bronze hergeſtellt ;
neben maſſiven Bronzegegenſtänden finden ſich
häufig ſolche aus dünnem Bronzeblech. An Stelle
der geraden Nadeln tritt die Sicherheit8nadel in
künſtleriſchen Formen (Fibeln). Die Wohnſtätten
fi als Trichtergruben od, in Berghänge einge»
mehr vor. Die Toten werden wie in der Bronze»
zeit beſtattet. Auf die Hallſtattzeit folgt eiwa um
500 v. Chr., im Zuſammenhange mit dem YVor-
dringen der Südgallier nach Oſten, in den meiſten
Ländern Europas die zweite Eiſenzeit, nach
dem Fundorte La Tene am Neuenburger Ste La
Tene»Zeitgenannt, Eiſen wird auch Schmu»
metall, Die Beziehungen der La Tene-Kultur zu
den klaſſiſchen Kulturen dex Mittelmeerländer ſind
ſtärker als in der vorhergehenden Kulturſiuſe, Die
La Täne-Kultur wird durch die Kultur der Rö»
mer abgelöſt, die in Deutſchland bis an die Donau
vordrang. Im Laufe der Völkerwanderungs»
zeit brachen die Germanen in die römiſchen Pro»
vinzen ein u. zertrümmerten die Römerherrſchaft.
Über die Träger der geſchilderten Kulturen wiſſen
wir biöher wenig Zuverläſſiges, wir können nur
die La Tene-Kultux mit den galliſchen Kelten u.
die Kultur nach der Völkerwanderung mit den
Germanen in Verbindung bringen, Wie in
Europa, ſo ſcheint auch in den übrigen Teilen der
Welt die älteſte Kultur eine Steinzeit geweſen zu
Ethnographie,

1168
ſein, zum Teil fehlte ſelbſt der Stein u, dienten
Holz u, Muſchelſhalen al8 Material für Waſſen
1, Werkzeuge, Nicht überall folgte darauf die
Bronzezeit, Tondern in manchen Gegenden, 3. B.
in Afrika, ſcheint die Steinzeit gleich durch eine
Cijenzeit abgelöſt worden zu ſein,
I1.. Moderne Völkerkunde, Eine Anzahl von
Völkern u, Stämmen (z, B. die Melaneſier der
Südſee, die Auſtralier, verſchiedene Indianer»
ſtämme Amerikas, die kleinwüchſigen Bewohner
er Urwälder Zentralafrika u. Südaſien8, die
Buſchmänner Südafrikas, die Bewohner des
hohen Nordens) leben noch heute in einer Stein»
bzw. Holz» u. Muſchelzeit, Nur allmählich dringt
durch die Berührung mit Europäern das Eiſen
ein. Wo das Kupfer gediegen vorkommt, wie in
Nordamerika, wurde e8 wie Stein verarbeitet,
was feine Kulturänderung bedingte; dagegen ſind
andre Naturvölker ähnlich den Urpölkern Europas
von der Steinzeit zu Metallzeiten vorgeſchritten,
Zum geringern Teile haben Naturvölker die Bronze
kennen gelernt, meiſt, ſo vor allem bei den Negern
Afrikas, folgte auf die Steinzeit ſofort eine Eiſen»
jeit, Wir können ſomit heute die Naturvölker
n Steinzeitvölker u, Eiſenzeitvölker
einteilen, ohne daß aber das Material im we-
ſentlichen die übrigen Kulturelemente beeinflußt
hätte, da auch Steinzeitvölker ſich aus den ganz
primitiven Urzuſtänden herausgearbeitet haben.
Das Feuer iſt allen Menſchen bekannt, wenn
auch, wie es ſcheint, der eine od. andre Stamm
(3. B. die Andamaneſen) keinerlei einheimiſche
Weiſe der Feuerbereitung kennt u. nur das vor»
handene Feuer forterhält. Nachdem der Menſch
bei der Brarbeitung von Holz od. Stein, viel»
leicht auc) durch den Blihſtrahl u. den feuer-
flüſſigen Auswurf tätiger Vulkane den Wert des
Feuers kennen gelernt hatte, erfand er verſchiedene
Methoden der Feuerbereitung mittels Feuerbohxrer,
JFeuerreiber, Feuerpumpe u. Schlagfeuerzeuge,
die bei verſchiedenen Völkern in Gebrauch ſind.
Als Wohnung dient den Naturvölkern eine natür»
liche Höhle od. Grotte, einfache Windſchirme,
runde 1. eige Hütten, zum Teil auf Pfählen, u.
Zelte, Bei den tropiſchen Völkern Jehlt die Klei»
dung, vorhandene Körperbede>ungen dienen
dem Schmude de38 Körpers, nur ſelten läßt ſich
die Schamhaſtigkeit al8 Urſache nachweiſen. Wo
Schuß gegen Kälte u. Näſſe notwendig iſi, lieſerte
in erſter Linie die Haut der Jagdtiere die nötige
Kleidung, aber auch aus der Pflanzenwelt ge-
winnen Naturvölker ihre Körperbede>ung durch
Verarbeitung mancher Baumrinden (Rindenſtoſſ)
od. durch Flechten u, Weben pflanzlicher Faſer»
ſtoſſe. Das allgemeine menſchlihe S< mu >-
bed ürſn is wird durch Verwendung von Muſcheln,
Sen, Zähnen u, Knochen der Jagdtiere ge-
ſtillt, od. e38 werden künſtlich Ringe u. ſonſtiger
Sc ans Stein, Holz, Muſcheln u. Metall
hergeſtellt, Körperbemalung, Tätowierung, Nar-
benzier, Verſtümmelung von Körperteilen werden

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