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wenn die Internen keine öffentlichen Bildungs=
anſtalten beſuchen, ſondern auch den Unterricht in
ihrem Inſtitute erhalten. In dieſem Falle ſind
die Externen Schüler der Inſtitutsſchule, ſo daß
wir alſo hier eine 3. Art von E. haben, die aller=
ding8 auch mit der 2. kombiniert ſein kann,
Dieſe 2. hat inſofern noch eine eigne ſoziale Be>
deutung, als ſie geeignet iſt, einen Mangel der ſich
einbürgernden ſog. ungeteilten Unterricht8zeit etwas
au3zugleichen, C3 iſt da3 die Reglung der reich=
lichen Freizeit an den dadurch unterrichtsſrei ge=
wordenen Nachmittagen. Wie ſollen die Schüler
aus eigner Vernünftigkeit hier eine zwe>mößige
Zeiteinteilung finden u. aufrechterhalten, nament-
lich dann, wenn die Eltern u, Pfleger (bei den
Externen) nicht genügend Zeit haben zur Beauſ=
ſichtigung? Wollen ſich die Schulverwaltungen
nicht dazu verſtehen, hier nach dem Nechten zu
ſehen, ſo könnten die Inſtitute durch Aufnahme
der Externen an den ſchulſreien Nachmittagen
eine nicht zu verachtende ſoziale Tat leiſten.
Damit würde da8 E. eine neue Beleuchtung
gewinnen.
Literatur, J. Ziehen, Die J.e (in „Das
Buch d. Kindes" 11 [1907] 197 ſy); Jgn. Klug,
J.öerziehg (1912). Vgl. aud d. interkonfeſſ. Ztſchr.
„Das Alumnat" (1912, 1. Hft, S. 35).
[I. Weber.]
Exzentrizität, E. zeigt ſich innerhalb der
normalen Veranlagung als Au3druck einer fal=
ſchen Citelfeit = das Kind will um jeden Preis
beachtet ſein --, al38 Folge einer verkehrten Er=
ziehung, die ſrühreif macht, In maßvollen Formen
iſt die C. aud eine natürliche Begleiterſcheinung
der Pubertätsentwilung, beſonder8 bei Knaben.
„Im leßtern Falle iſt eine Vorliebe für hohe Steh-
kragen, bunte Krawatten, glißernde Manſchetten-
Exzentrizität -- Fabel im Unterrichte.

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knöpfe, ein Intereſſe für das Außergewöhnliche,
Exotiſche, ein Zug zu abenteuerlichen Erlebniſſen
zu beobachten.
Pathologiſch iſt die bei einer Neihe von
Jugendpſychoſen zu beobachtende E. Die beſon-
der3 mit Manie (ſ. d.) verbundene krankhafte
Heiterkeit ſamt dem beſchleunigten Vorſtellungs=
ablaufe u. krankhaft geſteigertem Bewegungs
drange liefert den Boden für die Äußerungen der
E. Auch der Hyſterie u. den pſychopathiſchen
Konſtitutionen iſt ſie oft eigen. Bekannt iſt, daß
hyſteriſche Perſonen in allem darauf ausgehen,
von fich reden zu machen, die Auſmerkſamkeit auf
ſich zu lenfen ; varin liegt der Grund zu ihrem
exzentriſchen Benehmen. Ebenſo iſt bei moraliſcher
Minderwertigkeit pſy zu beobachten, daß ſie über den wahren Wert des
eignen I< nicht im klaren ſind u. fich nach außen
hin mit den verſchiedenſten außergewöhnlichen
Mitteln Bedeutung verſchafſen wollen. ---Häufiger,
al3 die Vulgärerfahrung annimmt, iſt da3 neur=
aſtheniſche Kind. Im Symptomkomplexe, der
dieſer pathologiſchen Erſcheinung zugrunde liegt,
ſpielt ebenfalls die E. eine Nolle. Das Gemüts8-
leben des Neuraſthenikers iſt durc< krankhafte
Reizbarkeit gekennzeichnet, die beim Kinde leicht
al3 Ungezogenheit aufgefaßt wird, während tat=-
ſächlich frankhafte Äußerungen von E. vorliegen.
Der E. iſt vor allem Ruhe als8 wirkſames
Gegenmittel gegenüberzuſtellen. Bei ſchwerern
Formen iſt durch genaue Diagnoſe de3 Nerven=
arztes8 zu beſtimmen, welchem der angedeuteten
Symptomkomplexe die jeweilige Äußerung von
CE. einzureihen iſt, u, wie ſich dementſprechend die
Behandlung zu geſtalten hat.
Literatur, Th. Ziehen, Die Geiſteskrankheiten
d. KindezSalters (1902). [F. Weigl.]


I.
Fabel im Unterrichte. Die F. iſt eine der
älteſten Dichtungöarten, die aber in unſerm neuern
Schrifttume völlig zurückgetreten iſt, da unſrer Zeit
das traute, ſinnige u. innige Belauſchen der Eigen=-
heiten u, Heimlichkeiten de3 Naturleben3 fehlt.
Wir ſind zu „gelehrt“ geworden. Vielleicht bringt
die neuere Naturforſchung hierin eine Änderung.
Dem Kindezalter der Menſchheit entſprungen,
lange Zeit hindurch zum volk8tümlichen Lehrgute
gehörend, entſpricht die F. der Kinde8natur u. iſt
auch an ſich wert, dem Volk3bewußtſein erhalten
zu werden, Sie verdient darum eine weit größere
Beachtung, als ſie ihr heute im Unterrichte zuteil
wird, Dabei haben wir jedoch in erſter Linie die
kurz u. knapp auf den Lehrzwe> hinſtrebende, von
Leſſing ſo ſchr befürwortete Aſopiſche F. im Auge
u. nicht die breiten, dem Franzoſen Lafontaine
nachgebildeten F.n Gellert3, Hagedorn3 u. a.

Die bisöher ſo geſchäßten Heyſchen Kinder-F.n,
die ihre Wirkung oft nur den trefflichen Zeich-
nungen Spekter3 verdankten, erfahren in neueſter
Zeit wegen ihrer vielfac; gewaltſam hinein=
Dh Moral faſt täglich wachſenden Wider=
prud.
Anlaß zur Behandlung einer F. bietet mand=
mal das Scul= od. Gemeindeleben. Bei der
Durchnahme geſinnungbildender Leſeſtüke wird
e3 ſich auf der Stufe der Anwendung hie u. da
empfehlen, den gewonnenen moraliſchen Saß auch
aus den Vorgängen einer F. herausfinden zu laſſen.
Namentlich läßt ſich der naturgeſchichtliche Unter=
richt dure) Beigabe einer F. würzen; denn in
dieſer findet der Schüler oft das beſtätigt, was
er in der voraus8gegangenen Lektion über gewiſſe
fahren hat.

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